13.07.2012
Trotz Reformplänen
Moody's stuft Italien herab
Italiens Premier Mario Monti: Dämpfer während des Sanierungskurses
Frankfurt am Main - Italien hat im Kampf gegen die Schuldenkrise einen Dämpfer erlitten. Die Rating-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Stufen herab - von "A3" auf "Baa2". Damit liegt das Rating nur noch zwei Stufen über dem Niveau, das Papiere als spekulative Anlagen wertet. Der Ausblick für Italien bleibe negativ, teilte Moody's in der Nacht zum Freitag mit.
Es sei zu erwarten, dass die Kosten für die Refinanzierung der Staatsschulden weiter steigen oder das Land angesichts des Vertrauensverlusts den Zugang zum Finanzmarkt verliert, begründete die Agentur ihre pessimistische Vorhersage. Nach Ansicht von Moody's könnte Italien angesichts einer Verschlechterung der Wirtschaftslage tiefer in die Schuldenspirale rutschen.
Die Agentur prognostizierte für das laufende Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung des Landes um zwei Prozent. Durch sinkendes Wachstum und steigende Arbeitslosenzahlen steige auch das Risiko, die Einsparungsziele zu verfehlen, hieß es. Dies würde sich dann wiederum negativ auf das Vertrauen am Markt und die Möglichkeiten zur Beschaffung frischen Geldes auswirken.
Monti hält sich Hilfen offen
Dabei muss das Land nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr mehr Schulden machen als erwartet. Die Neuverschuldung könnte demnach 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen und nicht wie bislang erwartet 2,4 Prozent. Dadurch würde Italiens Gesamtschuldenstand bis 2013 auf 126,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen. Bislang werden 123,8 Prozent erwartet.
Zu Wochenbeginn waren die Risikoprämien für italienische Staatsanleihen erneut gestiegen. Die Renditen für zehnjährige Papiere lagen bei mehr als sechs Prozent. Mit Anleihen mit kürzeren Laufzeiten konnte sich Italien am Donnerstag zu vergleichsweise günstigen Bedingungen frisches Geld in Höhe von 7,5 Milliarden Euro beschaffen. Bei den Papieren mit einer Laufzeit von einem Jahr muss das Land den Investoren eine Rendite von 2,7 Prozent bieten. Im Juni lag der Zins noch bei fast vier Prozent.
Der italienische Ministerpräsident Mario Monti hält sich Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm bewusst offen. "Es wäre gewagt zu behaupten, Italien werde diese Unterstützung niemals brauchen", sagte er laut italienischen Medien Mitte der Woche.
Die Herabstufung von Moody's ist bereits die zweite innerhalb von fünf Monaten. Im Februar hatte die Agentur die Kreditwürdigkeit Italiens gemeinsam mit der Bonität von Portugal und Spanien gesenkt.
Griechenland hat offenbar den Großteil der Sparziele nicht erreicht
Auch aus Griechenland kommen schlechte Nachrichten. Die Regierung dort verlangt von den internationalen Geldgeber zwei Jahre mehr Zeit, um die Sparziele zu erreichen. Zugleich kann Griechenland aber offenbar kaum Erfolge im Kampf gegen die Krise vorweisen. Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" hat die griechische Regierung 210 von rund 300 Sparvorgaben nicht erfüllt. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben aus Regierungskreisen zum vorläufigen Bericht der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank.
Die Forderungen Griechenlands nach einem Aufschub der Sparziele um zwei Jahre lehne die Bundesregierung als "völlig inakzeptabel" ab, berichtete die Zeitung weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe gegenüber führenden Koalitionären versichert, dass Griechenland maximal einige Wochen Aufschub bei der Umsetzung der Defizitziele gewährt werden könnten.
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sprach sich für einen raschen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aus. "Von Tag zu Tag wird deutlicher, dass Griechenland nur dann eine Chance hat, wenn es den Euro verlässt", sagte Dobrindt der "Rheinischen Post". Die politischen Partner müssten Athen ein klares Angebot aus drei Elementen machen, sagte Dobrindt. "Erstens: Griechenland verlässt den Euro, bleibt aber in der EU. Zweitens: ein EU-Marschallplan als Wiederaufbauprogramm für die griechische Wirtschaft. Drittens: Rückkehroption in den Euro, wenn Griechenland saniert ist."
mmq/dapd/dpa/Reuters
