13.07.2012
Trotz Rating-Herabstufung
Italien kommt günstiger an frisches Geld
Italiens Regierungschef Mario Monti: Erleichterung über frische Kredite
Mailand - Italien erlebt einen dramatischen Tag an den Finanzmärkten: Ausgerechnet wenige Stunden vor einer milliardenschweren Auktion von Staatsanleihen hatte die Rating-Agentur Moody's das Land herabgestuft. Die Finanzmärkte ließen sich davon aber offenbar kaum beeindrucken. Italien musste bei der Auktion keine höheren Zinsen für frisches Kapital zahlen.
Im Gegenteil: Bei einer Versteigerung dreijähriger Staatsanleihen sank die durchschnittliche Rendite auf 4,65 Prozent und war damit so niedrig wie seit Mai nicht mehr. Bei einer Auktion im Juni hatte sie mit 5,3 Prozent noch auf dem höchsten Stand seit Dezember gelegen. Insgesamt konnte Italien am Freitag wie geplant 3,5 Milliarden Euro einsammeln. Die Nachfrage der Anleger war größer als das Angebot, die Auktion war 1,7-fach überzeichnet.
Bereits am Donnerstag hatte Italien zu vergleichsweise günstigen Bedingungen Schulden in Höhe von 7,5 Milliarden Euro aufgenommen. Bei den Papieren mit einer Laufzeit von einem Jahr musste das Land den Investoren eine Rendite von 2,7 Prozent bieten. Bei den aussagekräftigsten Papieren, den zehnjährigen Schuldtiteln, hielt sich die Rendite bei sechs Prozent.
Im Vergleich zu Ländern wie Deutschland sind auch die Zinsen, die Italien für frisches Kapital bei kurzen Laufzeiten bieten muss, nach wie vor sehr hoch. Robuste Kernländer wie Deutschland können sich bei Vergleichsauktionen fast zum Nulltarif refinanzieren.
Italienischer Minister weist Einschätzung von Moody's zurück
Die Erleichterung in Italien über die gelungene Auktion dürfte groß gewesen sein. Denn in der Nacht auf Freitag hat die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes erneut herabgestuft. Das Land ist damit nur noch zwei Stufen vom Ramschstatus entfernt. Unter den drei großen Rating-Agenturen kommt Italien bei Moody's am schlechtesten weg und rangiert mittlerweile auf einer Stufe mit Ländern wie Brasilien, Bulgarien oder Kasachstan. Nach Ansicht der Analysten könnte Italien angesichts einer drohenden Verschlechterung der Wirtschaftslage tiefer in die Schuldenspirale rutschen.
Italiens Industrieminister Corrado Passera bezeichnete die Entscheidung von Moody's als "insgesamt ungerechtfertigt und sogar irreführend". Finanzstaatssekretär Gianfranco Polillo sagte, die Einschätzung der politischen Risiken sei "ganz und gar willkürlich". Italien werde auch bei einem stärkeren Abschwung seine Ziele für das strukturelle Defizit respektieren, sagte Polillo.
Moody's stellte eine weitere Herabstufung in Aussicht, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft weiter verschlechtern oder die Umsetzung von Reformen stocken sollten.
mmq/Reuters/dpa
