19.07.2012
Neue Anleihe
Spaniens Risikoprämien steigen bedenklich
Demonstration in Madrid: Protest gegen Banken-Abzocke und Sparmaßnahmen
Madrid - In Deutschland sind die meisten Parlamentarier aus den Ferien zurück, um über ein Rettungspaket für Spaniens Banken abzustimmen. Die Zeit drängt - denn im Land verschlechtert sich die Lage. Bei einer Anleihenauktion musste die Regierung deutlich höhere Zinsen zahlen als zuletzt. Zudem ging die Nachfrage nach den Titeln merklich zurück. Insgesamt besorgte sich Spanien knapp drei Milliarden Euro frisches Kapital.
- Bei einer Anleihe mit Laufzeit bis 2014 musste Spanien eine Rendite von rund 5,2 Prozent bieten. Bei einer vergleichbaren Auktion am 7. Juni waren es noch 4,3 Prozent gewesen.
- Bei einer Anleihe mit Fälligkeit in fünf Jahren mussten fast 6,5 Prozent gezahlt werden. Am 21. Juni waren es noch 6,07 Prozent gewesen.
- Bei einem Staatspapier mit Laufzeit bis zum Jahr 2019 lag die Rendite gar bei 6,7 Prozent.
Experten halten den Ausgang der Anleihenauktion für besorgniserregend. "Sie haben verkauft, was sie verkaufen wollten, das ist das einzig Gute daran", sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities.
Auch am Sekundärmarkt, wo die bereits früher ausgegebenen Staatsanleihen weiterverkauft werden, zogen die Renditen für zehnjährige spanische Papiere deutlich an. Sie kletterten gar über die kritische Marke von sieben Prozent. Bei Werten darüber gelten die Kosten für die Staatsfinanzierung langfristig als enorm schwierig.
Spanien braucht Geld, um seinen angeschlagenen Banken zu helfen*. Das Land selbst ist damit angesichts der schlechten Haushaltslage überfordert, also soll es Kredite aus den Euro-Rettungsfonds bekommen. Es geht um bis zu 100 Milliarden Euro, die zunächst aus dem temporären EFSF gezahlt werden würden.
Der Bundestag sollte am Nachmittag bei einer Sondersitzung entscheiden, ob er dem zustimmt. Ein positives Votum gilt als nahezu sicher. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag bei einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister den Hilfen für Spanien zustimmen kann.
Die Regierung in Madrid kämpft mit einer hohen Neuverschuldung. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte kürzlich ein umfassendes Paket aus Einsparungen und Steuererhöhungen vorgestellt, mit dem der Haushalt um rund 65 Milliarden Euro entlastet werden soll.
Gute Nachrichten kommen dagegen aus Frankreich. Am Donnerstag konnte sich die zweitgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums enorm günstig frisches Kapital besorgen. Bei einer Versteigerung von Staatsanleihen mit Fälligkeit 2017 sank die zu zahlende Rendite auf 0,86 Prozent. Das ist ein Rekordtief in dieser Laufzeit. Deutschland hatte am Mittwoch bei der Ausgabe einer zweijährigen Anleihe erstmals Geld verdient.
ssu/dpa/Reuters
