24.07.2012
Geldnot
Katalonien prüft Hilfsantrag bei Zentralregierung
Madrid - Erst Valencia, jetzt Murcia und Katalonien? Nach Valencia könnten weitere autonome Regionen Spaniens bei der Zentralregierung in Madrid einen Hilfsantrag stellen. "Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, aber wir geben zu, dass wir Liquiditätsbedarf haben und es muss das Finanzministerium sein, dass uns hilft, weil wir dorthin unsere Steuern zahlen", sagte eine Sprecherin des katalanischen Wirtschaftsministers Andreu Mas-Colell am Dienstag.
Katalonien ist die am stärksten verschuldete Region Spaniens. In der nord-östlichen Region, die rund ein Viertel des spanischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, liegen unter anderem die Städte Barcelona, Tarragona und Girona. Laut der Website El Confidencial beläuft sich der Schuldenstand Kataloniens auf rund 48 Milliarden Euro. Davon müssten im Laufe des Jahres 2012 fast 13,5 Milliarden Euro refinanziert werden. Auf die zweite Jahreshälfte entfallen davon 5,76 Milliarden Euro. Hinzu kommt: In Katalonien wüten derzeit die heftigsten Waldbrände seit Jahren. Daher könnten auf die Region weitere Kosten zukommen.
Die spanischen Regionen sind derzeit aber praktisch von einer Finanzierung an den Finanzmärkten ausgeschlossen, da sie die hohen Zinsen nicht mehr schultern können. Erst am Freitag hatte Valencia daher angekündigt, Hilfen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro aus dem neu gegründeten Regierungsfonds im Umfang von 18 Milliarden Euro anzapfen zu wollen. Experten gehen davon aus, dass weitere Landesteile einen Hilfsantrag an Madrid richten müssen. Murcia deutete dies bereits an.
Die Finanzmärkte hatten bereits auf die Ankündigung von Valencia mit großer Verunsicherung reagiert. Die unwägbaren Schulden der Regionen könnten nach Meinung vieler Spanien noch dazu zwingen, komplett unter den Rettungsschirm zu schlüpfen.
Auch nach der Äußerung aus dem katalanischen Wirtschaftsministerium sank der Börsenindex in Madrid um drei Prozent unter die symbolträchtige 6000-Punkte-Marke. Aus Sorge um eine Verschärfung der Finanzkrise stieg der Zinssatz für spanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf 7,55 Prozent. Sie näherten sich damit dem Wert, bei dem Griechenland, Irland und Portugal gezwungen waren, Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beantragen. Auch kurzfristige Kredite wurden teurer.
yes/Reuters/AFP
