03.08.2012
Rating-Herabstufung
Euro-Retter müssen um Slowenien bangen
Slowenischer Regierungschef Jansa: Sorge um das klamme Land
New York - Die Euro-Retter müssen um die finanzielle Stabilität Sloweniens bangen. Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des angeschlagenen Euro-Landes um drei Stufen gesenkt. Die Bewertung sei von "A2" auf "Baa2" verringert worden, teilte die US-Agentur am späten Donnerstagabend mit. Zugleich drohte sie mit einer weiteren Herabstufung. Moody's verpasste Slowenien den Ausblick "negativ".
Das Land ist nur noch zwei Stufen oberhalb des Ratings angesiedelt, das im Börsenjargon auch als "Ramsch-Status" bezeichnet wird. Ab der Einstufung "Ba1" werden Anleihen nicht mehr als Investment empfohlen, sondern gelten als spekulative Anlage.
Als Hauptgrund für die schlechtere Bewertung nennt Moody's die faulen Kredite slowenischer Banken in Milliardenhöhe. Für diese wird der Steuerzahler geradestehen müssen. Als zweiten Grund für die Herabstufung führt die Agentur die massiv gestiegenen Renditen slowenischer Staatsanleihen an.
Bereits Anfang Juli wurde das kleine Land im Südosten Europas als sechster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelt. Damals hatte die Regierung dementiert, dass sie Hilfe in Brüssel oder beim Internationalen Währungsfonds beantragen müsse. Durch ein Sparpaket sei die Gefahr "vorübergehend" abgewendet worden, erklärte Regierungschef Janez Jansa Anfang Juli.
Die slowenische Regierung habe mit höheren Refinanzierungskosten und einem beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten zu kämpfen, erklärte Moody's. Zugleich seien die Banken des Landes immer stärker auf Liquidität von der Europäischen Zentralbank angewiesen. Konkret bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die drei größten Banken des Landes, Nova Ljubljanska banka (NLB), Nova Kreditna banka Maribor (NKBM) und Abanka Vipa, eine staatliche Kapitalspritze im Umfang von zwei bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) benötigen werden, erklärte die Rating-Agentur.
Slowenischer Ökonom sieht kaum mehr Alternativen zu Hilfen
Die schlechte Finanzlage Sloweniens werde durch das schwache Wirtschaftswachstum verschärft, urteilte die Rating-Agentur. Die Regierung bekomme das Budgetdefizit nicht in den Griff, es dürfte im gegenwärtigen Jahr trotz strikter Sparmaßnahmen mit 3,5 Prozent des BIP wieder über der Maastricht-Grenze liegen.
Auch einheimische Wirtschaftsexperten rechnen nicht mehr damit, dass Slowenien seine Finanzprobleme aus eigener Kraft in den Griff bekommt. So sagte der angesehene slowenische Ökonom Joze P. Damijan kürzlich, dass Slowenien nur noch die Wahl habe, ob es als Ganzes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfe oder nach dem Vorbild Spaniens zunächst nur um EU-Bankenhilfe ersuche.
Damijan schätzt das Volumen der faulen Kredite bei den slowenischen Banken auf sechs bis acht Milliarden Euro. Die Bereinigung dieser Altlasten würde das slowenische Budgetdefizit auf 20 bis 28 Prozent des BIP explodieren lassen, rechnete er vor. Dadurch würden die Renditen slowenischer Staatsanleihen auf über zwölf Prozent steigen. "Das sind Zinsen, die kein Staat mittelfristig finanzieren kann, erst recht nicht langfristig", sagte Damijan. Sein Fazit: "Slowenien müsste in diesem Fall nach dem Beispiel Griechenlands, Irlands, Spaniens und Portugals um EU-Hilfe bitten."
Unterm Rettungsschirm wird es eng
Ähnlich wie Zypern, das im Juli Hilfe beantragte, dürfte Slowenien zu klein sein, um die Euro-Krise nennenswert zu verschärfen. Doch eine Diskussion über Unterstützung für ein sechstes Land käme für die Euro-Retter zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Angesichts der begrenzten Mittel des Rettungsfonds ESM wird derzeit darüber diskutiert, ob die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkaufen soll. Ein umfangreiches Programm stellte die Notenbank zunächst aber nicht in Aussicht.
Seit September haben alle großen Rating-Agenturen die Bonität Sloweniens mehrfach herabgestuft und dabei auch auf schleppende Reformen verwiesen. Im Ranking des World Economic Forum (WEF) rutschte das Land vom 45. auf den 57. Rang ab. Als problematisch bezeichnet das WEF vor allem die restriktiven Arbeitsgesetze, den schwierigen Zugang zu Krediten und die ineffiziente Bürokratie.
Slowenien ist enorm abhängig von Ausfuhren. Rund 72 Prozent der Exporte gehen in die EU, wichtigster Abnehmer ist Deutschland, gefolgt von Italien, Österreich und Frankreich. Wichtigste Ausfuhrgüter sind Autos und Autoteile, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Elektrotechnik, Holz und Möbel.
Das Land ist seit 2007 Teil der Euro-Zone. Mit zwei Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von gut 35 Milliarden Euro gehört es zu den kleinsten Mitgliedern der Währungsunion. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat das Land hart getroffen. 2009 brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 8,1 Prozent ein. Nach einer leichten Erholung rutschte Slowenien im vergangenen Jahr erneut in die Rezession.
mmq/dpa
