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10.08.2012
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Zoff um Gaststättenhygiene

Ein Senator im Smiley-Trubel

Von Christian Teevs
Lebensmittelkontrolle: Berliner Portal "Sicher Essen" bleibt bestehen
DPA

Lebensmittelkontrolle: Berliner Portal "Sicher Essen" bleibt bestehen

Ein Berliner CDU-Senator legt sich mit Ilse Aigner an. Wegen deren Verbrauchergesetz müsse er die Hygiene-Smileys für Gaststätten stoppen. Die CSU-Ministerin reagiert empört - und noch am selben Tag gibt ihr Kontrahent klein bei. Dabei hat er im Kern sogar recht.

Hamburg - Ein Quereinsteiger vergrätzt die Verbraucherministerin: Der Berliner Senator und Ex-Werbeunternehmer Thomas Heilmann (CDU) hat am Freitag für Ärger im Ministerium von Ilse Aigner (CSU) gesorgt. Der Ex-Unternehmer hatte mitteilen lassen, er schaffe die Smiley-Website für Gaststätten wieder ab. Dort können sich Verbraucher informieren, wie es um die Hygiene in Lokalen und Kneipen steht.

Hintergrund des Streits ist das neue Verbraucherinformationsgesetz. Heilmann sagte dem "Tagesspiegel", mit dem Gesetz sei es künftig nicht mehr möglich, die Hygienezustände in Berliner Restaurants wie bisher zu veröffentlichen. Eine Klatsche für Aigner, die sich alle Mühe gibt, als Anwältin der Verbraucher zu erscheinen. Die CSU-Politikerin ließ prompt ausrichten, das Verhalten von Heilmann sei nicht nachzuvollziehen.

Der ruderte am Freitagnachmittag zurück. Das Internet-Portal "Sicher Essen in Berlin" bleibe bestehen. Er teile die Sorgen rund um das neue Gesetz nicht. Diese würden allenfalls von einzelnen Berliner Bezirken geäußert. Eine geschmeidige Kehrtwende, denn im "Tagesspiegel" hatte eine Sprecherin von Heilmann noch geklagt: "Wir dürfen nur noch sagen, ob die Pizza schlecht war, nicht aber, wie es in der Küche aussieht." Doch nun ist davon plötzlich keine Rede mehr. Man werde die Verbraucher in Berlin "wie bisher über die Restaurantkontrollen informieren", ließ Heilmann mitteilen.

Ein kurioses Hin und Her des Polit-Neulings. Erst seit Januar ist Heilmann Senator für Justiz und Verbraucherschutz. Vorher hat er sich in der Werbebranche einen Namen gemacht. Zusammen mit Sebastian Turner, der nun in Stuttgart Oberbürgermeister werden will, gründete er die Werbeagentur Delta-Design. 1991 wurde seine Firma von Scholz & Friends übernommen, Heilmann stieg bis zum Vorstandschef auf. Gemeinsam mit Turner entwickelte er unter anderem den Slogan "Wir können alles, außer Hochdeutsch", den Werbespruch Baden-Württembergs.

"Das Gesetz ist unglücklich formuliert"

Angewiesen auf das 120.000-Euro-Gehalt eines Berliner Senator ist Heilmann nicht. Seit er vor einigen Jahren seine Anteile an dem Sozialen Netzwerk Facebook verkaufte, muss er sich um Geld nicht mehr wirklich Gedanken machen. Der "Zeit" sagte er mal, er habe bewiesen, dass er in der Wirtschaft erfolgreich sein könne. Nun wolle er zeigen, dass er "als Individuum auch im System Politik bestehen" könne.

Bei den Smileys hat er nun einen herben Dämpfer erlitten. Dabei muss man sagen: So linkisch Heilmann auch agierte - im Kern hat er durchaus Recht. Mit seiner Attacke wies er auf eine echte Schwäche des Verbraucherinformationsgesetzes (VIG) hin. Aigner rühmt sich zwar, die Novelle des VIG stärke die Rechte der Verbraucher und der Lebensmittelkontrolleure. Doch das bezweifelt mittlerweile nicht nur die Opposition.

Heilmann wies durchaus zu Recht darauf hin, dass im Gesetz ein konkreter Bezug auf die Herstellung von Lebensmitteln fehlt. Laut Paragraf 1 haben die Verbraucher lediglich Anspruch auf Informationen über "Erzeugnisse". Doch was ist mit der Produktion? Dürfen Behörden die Öffentlichkeit künftig nur noch über verdorbene Schnitzel und Döner informieren? Und nicht mehr über die dreckigen Arbeitsflächen in der Imbissbude?

Parteifreunde von Heilmann sprechen auch nach dessen Rückzieher offen aus, was sie an Aigners Vorgaben stört. "Das Gesetz ist unglücklich formuliert", sagt etwa Torsten Kühne. Der CDU-Politiker ist Stadtrat in Berlin Pankow. Dort wurde das Smiley-System vor drei Jahren eingeführt. Fröhliche Gesichter stehen für einen sauberen Betrieb, traurige Gesichter für schwere Hygienemängel.

Vorbild Dänemark

Kühne lässt derzeit von Juristen prüfen, ob Pankow an seinem Smiley-Portal festhalten kann. Die Gefahr: Wenn das VIG nicht wasserdicht ist, drohen dem Bezirk Schadensersatzklagen erboster Schmuddelwirte.

Bislang hat der Berliner Bezirk die juristischen Auseinandersetzungen alle gewonnen. So wie im Falle eines Pankower Wirts, der seinen Salat in der Badewanne gewaschen hatte und dafür eine schlechte Bewertung kassierte.

Pankow entwickelte sein Smiley-System nach dem dänischen Vorbild. Im Nachbarland müssen die Gastwirte die Kontrollberichte sogar im Eingangsbereich aushängen. Mit durchschlagendem Erfolg: Zum einen verschwinden die Ekel-Restaurants schnell vom Markt. Und zum anderen versuchen alle anderen Lokale, die Top-Bewertung zu erreichen..

"Dieser Ansporn würde verlorengehen, wenn wir nur noch die gröbsten Verstöße veröffentlichen", sagt Kühne. "Und den Wünschen der Bürger werden wir damit auch nicht gerecht."

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insgesamt 10 Beiträge
1.
littlejon 10.08.2012
Was für ein Quatsch. Als DEHOGA hät ich mir schon lange überlegt, ob es nicht besser wäre, selbst ein Hygiene-Portal im INet einzurichten. Evtl. über eine Stiftungslösung??? Schlampige Hygiene in dem ein oder anderen Laden [...]
Zitat von sysopEin Berliner CDU-Senator legt sich mit Ilse Aigner an. Wegen deren Verbrauchergesetz müsse er die Hygiene-Smileys für Gaststätten stoppen. Die CSU-Ministerin reagiert empört - und noch am selben Tag gibt ihr Kontrahent klein bei. Dabei hat er im Kern sogar recht. Senator Heilmann und sein Kampf um die Gaststätten-Smileys - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849407,00.html)
Was für ein Quatsch. Als DEHOGA hät ich mir schon lange überlegt, ob es nicht besser wäre, selbst ein Hygiene-Portal im INet einzurichten. Evtl. über eine Stiftungslösung??? Schlampige Hygiene in dem ein oder anderen Laden schadet doch insgesamt der Branche! Da wäre ein Slogan wie "Unsere Küchen sind sauber! - DEHOGA" (oder sonstwie) mal was ganz was Neues.
2. Scheinheiligkeit zur Verdummung der Verbraucherinnen und Verbraucher
sanhe 10.08.2012
Wozu um den heißen Brei herumreden: Dass die Politik, und hier namentlich das Ministerium von Frau Aigner sowie der Deutsche Bundestag als Gesetzgebungsorgan, nicht klare und eindeutig verbraucherfreundliche Regelungen zur [...]
Wozu um den heißen Brei herumreden: Dass die Politik, und hier namentlich das Ministerium von Frau Aigner sowie der Deutsche Bundestag als Gesetzgebungsorgan, nicht klare und eindeutig verbraucherfreundliche Regelungen zur Information der Verbraucher einführt, hat wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit auch mit dem Einfluss der Lebensmittelindustrie-Lobby auf die Politik zu tun. Diesen Rückschluss lassen z.B. wie im Artikel angeschnitten schwammig ausgestaltete gesetzliche Regelungen zu. Und hier kann man gleich fortfahren mit Beispielen: Warum soll nach einem Bericht von Foodwatch (http://foodwatch.de/kampagnen__themen/smiley_system/aktuelle_nachrichten/beschluss_von_wirtschafts__und_verbraucherministern/index_ger.html) sowie einiger anderer Medien vom Mai/Juni die ursprünglich von der Politik groß und öffentlichkeitswirksam angekündigte *verpflichtende* Einführung der "Hygiene-Ampel" nun still und leise beerdigt werden? Ein Schelm wer böses dabei denkt. Der Verbraucher zieht gegen die Lobby-Macht immer den Kürzeren und wird von einigen Teilen der Politik für dumm verkauft.
3. Ah, die DEHOGA...
glaubblosnix 10.08.2012
...soll ein "Hygiene-Portal" im einrichten, also der Verein dem auch die Schmuddelkneipenbsitzer angehören? Besser kann man nicht den Bock zum Gärtner machen. Können Sie mir jetzt noch verraten warum schlampige Läden [...]
...soll ein "Hygiene-Portal" im einrichten, also der Verein dem auch die Schmuddelkneipenbsitzer angehören? Besser kann man nicht den Bock zum Gärtner machen. Können Sie mir jetzt noch verraten warum schlampige Läden denjenigen schaden die ein vorbildliches Lokal führen.Wohl nicht, denn die sauberen Lokal profitieren davon bzw. die Drecksbudenbesitzer geben sich endlich mal mehr Mühe anstatt sich am Arsch zu kratzen um anschliessend stinkendes Hackfleisch mit den Händen zu verwursteln.
4. die putzigen Smileys...
Gerüchtsvollzieher 10.08.2012
sind nichts Anderes als zum "Bürgerservice" umdeklariertes Behördenversagen. Jeder Betrieb, von dessen Küche eine echte Gefahr ausgeht, gehört sofort geschlossen, alle Anderen bleiben offen, ganz einfach! Würde der TÜV [...]
sind nichts Anderes als zum "Bürgerservice" umdeklariertes Behördenversagen. Jeder Betrieb, von dessen Küche eine echte Gefahr ausgeht, gehört sofort geschlossen, alle Anderen bleiben offen, ganz einfach! Würde der TÜV nach der Smiley-Methode vorgehen würde er verkehrsuntüchtige Kfz mit einer großen roten Fahne gekennzeichnet weiterfahren lassen und Wagentyp und Kennzeichen im Internet veröffentlichen, damit die anderen Verkehrsteilnehmer vor diesen rollenden Bomben gewarnt sind und ihnen ausweichen können...
5. Häufigkeit der Kontrollen
Miere 11.08.2012
Ich finde die ganze Hygieneampel nach wie vor unsinnig. Sie kann nur dann was nützen, wenn oft genug kontrolliert wird, dass sie immer auf dem aktuellen Stand ist. Das passiert aber nicht, weil wir viel zu wenig Kontrolleure [...]
Ich finde die ganze Hygieneampel nach wie vor unsinnig. Sie kann nur dann was nützen, wenn oft genug kontrolliert wird, dass sie immer auf dem aktuellen Stand ist. Das passiert aber nicht, weil wir viel zu wenig Kontrolleure beschäftigen. Somit könnte eine Schmuddelbude die Bestnote haben, weil sie vor 3 Jahren zuletzt kontrolliert wurde und damals noch sauber war, während ein tadelloses Restaurant eine schlechte Note hat, weil es vor zwei Jahren noch dreckig war. Das ist irreführend und wettbewerbsverzerrend. Außerdem sehen die Prüfer nicht alles. Vielleicht kriegt eine Wirtschaft dann eine schlechte Note, weil das Frittierfett alt ist, aber in der anderen mit dem firschen Frittierfett niest der Kellner öfter mal quer über den Salat, nur natürlich nicht gerade wenn geprüft wird. Wie sie das in Dänemark machen weiß ich nicht. Ob die häufiger prüfen? Davon abgesehen finde ich so eine Ampel an sich unsinnig. Entweder ist ein Betrieb sauber genug, oder er gehört dicht gemacht. Dazwischen gibt es für mich nichts Erwähnenswertes.

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