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17.08.2012
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Schuldenkrise

Finnland bereitet sich auf Bruch der Euro-Zone vor

Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank: Finnland kritisiert Anleihenkäufe
DPA

Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank: Finnland kritisiert Anleihenkäufe

Finnlands Außenminister spricht offen über einen möglichen Bruch der Euro-Zone. Zwar wolle die Regierung in Helsinki dies nicht. Es gebe aber einen Notfallplan. Der Politiker mahnt: "Wir müssen vorbereitet sein."

London - Deutliche Warnung des finnischen Außenministers: Der Sozialdemokrat Erkki Tuomioja hat in einem Interview offen von der Möglichkeit gesprochen, dass die Euro-Zone zerbricht. Dies sei "nichts, was irgendjemand in Finnland befürwortet, geschweige denn die Regierung", sagte er der britischen Zeitung "Daily Telegraph". "Aber wir müssen vorbereitet sein." Die finnische Regierung habe Vorbereitungen getroffen für diesen Fall, es gebe "eine Art Handlungsplan für jede mögliche Entwicklung".

Die Äußerungen des Außenministers dürften bei den Euro-Krisenmanagern für Unruhe sorgen. Finnland gehört zu den Geldgebern in der Währungsunion und hat in den vergangenen Monaten mehrfach eine Sonderbehandlung durchgesetzt. Im Falle Spaniens und Griechenlands forderte und bekam Helsinki ein Pfand als Gegenleistung für die Hilfskredite. Auch den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen, lehnt Finnland ab. Premierminister Jyrki Katainen sagte dem SPIEGEL in dieser Woche, zwei Drittel der Finnen seien für den Euro. Doch man sei auch "besorgt über die Größenordnung der europäischen Rettungspakete".

Am Freitag distanzierte sich der finnische Europa-Minister von den Aussagen Tuomiojas. Finnland stehe "zu 100 Prozent" zum Euro, sagte Alexander Stubb. "Ich will deutlich machen, dass die Spekulationen des Außenministers nicht die Position der Regierung widerspiegeln."

Klar ist: Der finnische Außenminister trägt mit seinem Interview nicht gerade zu einer Deeskalation der Krise bei. Zwar sagte Tuomioja, es gebe einen "Konsens, dass ein Bruch der Euro-Zone teurer sei, als die Krise zu managen". Doch gleich im nächsten Satz zitiert der "Daily Telegraph" ihn mit der Aussage, dass das Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung "nicht das Ende der Europäischen Union bedeutet". Es könne der EU sogar helfen, besser zu funktionieren.

Finnlands Rechtspopulisten nennen Bruch der Euro-Zone "Frage der Zeit"

Zu Griechenland sagte Tuomioja, es sei die Entscheidung der dortigen Regierung, ob das Land in der Euro-Zone bleibe. "Wir können sie nicht rauswerfen." Aber man könne die Hilfen einstellen, was zu einer Pleite führen würde. "Und dann können wir spekulieren, ob das dazu führt, dass Griechenland den Euro aufgibt." Niemand könne wissen, ob das eine automatische Reaktion sei.

Derzeit prüfen Experten der Geldgeber von Internationalem Währungsfonds, EZB und EU, ob Griechenland seine Sparauflagen erfüllt. Alle bisherigen Informationen lassen darauf schließen, dass das Land die geforderten Ziele deutlich verfehlt. Die griechische Regierung fordert mehr Zeit. Ob die Euro-Retter dazu bereit sind, ist ungewiss.

In Finnland hat die eurokritische Partei "Die Wahren Finnen" einen steilen Aufstieg erlebt. Bei der letzten Wahl 2011 vervierfachten die Rechtspopulisten ihren Stimmenanteil. Zwar gehört die Partei nicht der Regierung an. Dennoch ist ihr Einfluss mit 19 Prozent nicht zu unterschätzen. Vor allem weil die Regierungsparteien einen weiteren Stimmenzuwachs der Oppositionspartei bei den nächsten Wahlen befürchten.

Der Parteichef der "Wahren Finnen", Timo Soimi, sagte dem "Daily Telegraph", es gebe keine Regeln dafür, wie ein Land den Euro verlässt. Aber es sei "nur eine Frage der Zeit". "Entweder der Süden oder der Norden wird wegbrechen."

cte/Reuters

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insgesamt 206 Beiträge
1. optional
großwolke 17.08.2012
Woran wir sehen: wir (Deutschen) sind weder die einzigen Zahler noch die einzigen Skeptiker, und anders als unsere Regierung drücken einige eben auch mal Sachen durch, die ihnen wichtig sind, anstatt immer alles nur als [...]
Woran wir sehen: wir (Deutschen) sind weder die einzigen Zahler noch die einzigen Skeptiker, und anders als unsere Regierung drücken einige eben auch mal Sachen durch, die ihnen wichtig sind, anstatt immer alles nur als "alternativlos" abzunicken. Was nur merkwürdig anmutet: bei den Finnen gibt es immerhin eine eurokritische Partei, der die Bürger dort bei den Wahlen ihre Stimme geben konnten. Hier bei uns sind Regierung und Opposition nicht auseinanderzuhalten, wenn es um Fragen von Europa und Euro geht. Ist es also schon wieder soweit mit der Gleichschaltung? Müsste nicht eigentlich auch und gerade die CDU (als konservativer Pol im Parteienspekturm) diejenige Partei sein, die eher bremst und zurückrudert als freudig nach vorn zu preschen?
2. Nordeuro
makuzei 17.08.2012
Der einzige Weg ohne katastrophale Verschuldung Deutschlands,scheint nun der deutsche Austritt aus dem Euro- und Ausgabe eines Nordeuro.Im Unterschied zum Vorschlag von Olaf Henkel sollten wir aber Frankreich einbeziehen.- Wenn [...]
Der einzige Weg ohne katastrophale Verschuldung Deutschlands,scheint nun der deutsche Austritt aus dem Euro- und Ausgabe eines Nordeuro.Im Unterschied zum Vorschlag von Olaf Henkel sollten wir aber Frankreich einbeziehen.- Wenn wir Frankreich und Irland usw mit in den neuen Nordeuro nehmen,wird die Aufwertung wegen deren hohen Schulden schon verkraftbarer sein.- Dann können die übrigen Länder -vor allem Spanien,Italien usw so viel Euro drucken wie sie wollen,und sie könnten ihre Schulden in Euro bedienen.- Dies würde die Schockwellen einer Währungsumstellung in Spanien bspw völlig vermeiden-die behalten ja den Euro.Es gäbe keinen Grund,die Banken zu plündern.- Ebenso gäbe es keinen Grund dazu in den Nordeuro-Ländern,denn hier würden die Menschen mit einer Aufwertung ihrer Euroguthaben durch die Umwandlung in Nordeuro rechnen.-
3. Deutliche Sprache
_meinemeinung 17.08.2012
Da haben die Finnen wohl recht, jedenfalls scheint mir der Gedanke, einen "Plan B" zu haben, naheliegend. Möglicherweise hat unsere Regierung den ja auch, ich befürchte aber, die Alternativlosen halten dies für [...]
Zitat von sysopEs ist ein Zeichen dafür, wie groß die Eskalation der Krise ist: Finnlands Außenminister spricht offen über einen möglichen Bruch der Euro-Zone. Zwar wolle die Regierung in Helsinki dies nicht. Es gebe aber einen Notfallplan. Der Politiker mahnt: "Wir müssen vorbereitet sein." Finnland bereitet sich auf Bruch der Euro-Zone vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,850530,00.html)
Da haben die Finnen wohl recht, jedenfalls scheint mir der Gedanke, einen "Plan B" zu haben, naheliegend. Möglicherweise hat unsere Regierung den ja auch, ich befürchte aber, die Alternativlosen halten dies für unnötig mangels Alternativen... Der Autor des Artikels hat auch eine deutliche Sprache, man merkt nämlich deutlich, dass er die finnische Vorgehensweise missbilligt. Pfand für Kredite nehmen, wo gibts denn so was.... Aber was solls, am 21. Dezember geht die Welt sowieso unter...:-)
4. Auf die Nachbarn ist Verlass!
adam68161 17.08.2012
Wenn wir Deutschen uns schon nicht selbst einigen können - die Regierungskoalition unddie Opposition wollen offensichtlich das Gegenteil von dem, was die Mehrheit der Bevölkerung will - dann helfen uns wenigstens unsere [...]
Zitat von sysopEs ist ein Zeichen dafür, wie groß die Eskalation der Krise ist: Finnlands Außenminister spricht offen über einen möglichen Bruch der Euro-Zone. Zwar wolle die Regierung in Helsinki dies nicht. Es gebe aber einen Notfallplan. Der Politiker mahnt: "Wir müssen vorbereitet sein." Finnland bereitet sich auf Bruch der Euro-Zone vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,850530,00.html)
Wenn wir Deutschen uns schon nicht selbst einigen können - die Regierungskoalition unddie Opposition wollen offensichtlich das Gegenteil von dem, was die Mehrheit der Bevölkerung will - dann helfen uns wenigstens unsere Nachbarn bei der Entscheidungsfindung!
5. optional
dirsch 17.08.2012
und....? Kann/sollte man nicht daovn ausgehen, dass viele/alle Regierungen irgendwelche Notfallpläne für verschiedene Möglichkeiten in der Schublade haben? Wird nur nicht drüber reden (wollen). Vielleicht solten die Politiker [...]
und....? Kann/sollte man nicht daovn ausgehen, dass viele/alle Regierungen irgendwelche Notfallpläne für verschiedene Möglichkeiten in der Schublade haben? Wird nur nicht drüber reden (wollen). Vielleicht solten die Politiker generell nicht so viel draüber reden oder vermutungen anstellen. Jede neue Äußerung verstärkt nur die Unruhe und führt scheinbar zu einer weiteren Verschärfung der situation. Wer zu diesem Thema irgendwas äußert, weil demnächst eine Wahl stattfindet, weil er/sie mal in die Zeitung will o.ä., der sollte mal überlegen, ob ein anderes Thema dafür nicht besser wäre

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