17.08.2012
Madrider Top-Politikerin
Neue Hilfen für Spanien "unausweichlich"
Spanien und der Euro: Das Schicksal des Landes entscheidet die Zukunft der Währung
Madrid - In Spanien hat erstmals ein hochrangiger Politiker EU-Hilfen als unausweichlich bezeichnet. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Spanien die Unterstützung beantrage müsse, sagte die Bürgermeisterin von Madrid, Ana Botella, der Nachrichtenagentur Europa Press. "Das steht völlig außer Frage", zitierte die Agentur die Frau des früheren Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar, die in der konservativen Regierungspartei zu den wichtigsten Politikern gehört. "Das scheint unausweichlich", sagte Botella mit Blick auf einen möglichen Hilfsantrag.
Spanien hatte erst Ende Juni einen Rettungsantrag für seine maroden Banken gestellt. Wie hoch die Hilfen ausfallen werden, ist noch unklar. Bis zu 100 Milliarden Euro wurden von den Euro-Staaten zugesichert. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid kündigte am Freitag an, dass die Regierung in Kürze die Auszahlung der ersten Tranche beantragen werde.
Doch ob das reicht, ist fraglich. An den Finanzmärkten spekulieren viele Anleger darauf, dass Spanien einen allgemeinen Hilfsantrag stellen muss, der nicht auf den Bankensektor beschränkt ist. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte angekündigt, erst nach Kenntnis über die Auflagen über einen solchen allgemeinen Antrag beim europäischen Rettungsfonds EFSF oder bei dessen Nachfolger ESM entscheiden zu wollen.
Spanien hat gleich mehrere Probleme. Das Land steckt in der Rezession. Viele Verbraucher haben sich im Zuge des Immobilienbooms hoch verschuldet. Die spanischen Banken sitzen deshalb auf faulen Krediten in noch nie dagewesener Höhe. Wie die Zentralbank am Freitag mitteilte, stieg das Volumen des ausfallgefährdeten Darlehen allein im Juni um 8,4 Milliarden Euro auf 164,4 Milliarden Euro. Das waren 9,42 Prozent aller Darlehen - also fast ein Zehntel. So viele faule Kredite gab es noch nie, seit der Wert 1962 erstmals erfasst wurde.
stk/Reuters/dpa/AFP
