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15.11.2012
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Wirtschaftsflaute

"Deutschland kann sich dem negativen Sog nicht entziehen"

dapd

Stahlwerk in Thüringen: Das Wachstum in Deutschland stockt

Kaum noch Wachstum, maue Aussichten - die deutsche Wirtschaft gerät zum Jahresende in die Flaute. Regierungsberater Clemens Fuest erklärt im Interview, warum die nächsten Wochen für die Konjunktur entscheidend werden und weshalb sich Deutschland über Zuwanderer aus den Krisenländern freuen sollte.

SPIEGEL ONLINE: Herr Fuest, die Euro-Zone ist in die Rezession gerutscht, Deutschland hat im dritten Quartal gerade noch ein Mini-Wachstum hinbekommen. Zugleich fliehen Hunderttausende vor der Krise in Südeuropa in die Bundesrepublik. Können diese Menschen hier überhaupt auf eine bessere Lage setzen?

Fuest: Es ist das Prinzip einer Wirtschaftsunion, dass die Menschen wandern können. Und das ist auch für Deutschland sehr zu begrüßen. Die aktuellen Zuzüge aus den Krisenländern stärken unsere Wirtschaft.

SPIEGEL ONLINE: Warum? Kommen genau die Fachkräfte, die bei uns laut den Unternehmen so dringend fehlen?

Fuest: Die Profile passen nicht immer zu hundert Prozent. Aber die Erfahrungen in Großbritannien bei der EU-Osterweiterung - als das Land anders als Deutschland seinen Arbeitsmarkt öffnete - zeigen, dass vor allem junge, leistungsfähige Menschen umziehen. Das sind Leute, die einen sehr guten Beitrag leisten und bereit sind, sich einzuarbeiten und anzupassen. Die Bundesregierung sollte signalisieren, dass diese Menschen willkommen sind.

SPIEGEL ONLINE: Aber die deutsche Wirtschaft verliert an Schwung. Kommt nun auch bei uns der Absturz?

Fuest: Das hängt von der Entwicklung an den beiden Krisenschauplätzen Europa und USA ab. Ich setze darauf, dass der US-Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern glimpflich ausgeht. Dann dürften wir in Deutschland auf eine sanfte Landung zusteuern. Das wird aber auch nur klappen, wenn Europa stabil bleibt und Griechenland nicht in einen unkontrollierten Staatsbankrott stürzt.

SPIEGEL ONLINE: Im dritten Quartal war der deutsche Export noch stabil, aber die Firmen hielten sich bei den Investitionen schon spürbar zurück. Deutet das bereits auf eine Rezession in Deutschland hin?

Fuest: Das ist eine typische Reaktion auf die unsichere Lage. Ich rechne damit, dass das vierte Quartal schlecht verläuft. Sollte der Haushaltsstreit in den USA eskalieren, drohen dort massive Steuererhöhungen und ein heftiger Konjunktureinbruch. Das würde auch die deutsche Wirtschaft hart treffen. Aber wenn die USA einen Kompromiss finden, dann könnte das die Stimmung der Unternehmen wieder verbessern.

SPIEGEL ONLINE: Die deutschen Verbraucher konsumieren viel und halten so die Lage stabil. Wird das so bleiben?

Fuest: Die Menschen konsumieren, wenn sie Arbeit haben. Es wird also von der Lage am Jobmarkt abhängen. Und der wiederum hängt davon ab, wie die Staaten die Krise lösen. Da wären wir wieder beim Thema Unsicherheit.

SPIEGEL ONLINE: Sollten die Euro-Retter die Unsicherheit in Europa nicht einfach beenden, indem sie Griechenland einen Teil der Schulden erlassen. Das wäre zwar ein harter Schnitt, aber am Ende für die Wirtschaft vielleicht besser als dieses Durchwursteln.

Fuest: Aus meiner Sicht ist es klar, dass ein Schuldenschnitt kommen muss. Das würde auch die Unsicherheit teilweise auflösen. Eine einfache Lösung gibt es dennoch nicht. Denn die Geberländer müssen abwägen, wie viele Schulden sie erlassen, und sie müssen sicherstellen, dass die Krisenländer dann bei den Reformen nicht nachlassen.

SPIEGEL ONLINE: Wenigstens gab es in Frankreich im dritten Quartal ein Mini-Wachstum. Ein Signal der Hoffnung?

Fuest: Wohl eher ein kleines Strohfeuer. Die Arbeitskosten in Frankreich sind zu hoch, mit Steuererhöhungen verfolgt die Politik dort die falsche Richtung. Das Land hat einen schweren Weg vor sich. Zudem ist Frankreich wirtschaftlich eng mit Spanien und Italien verbunden und bekommt deren Schwäche zu spüren. Das alles betrifft auch Deutschland. Denn zehn Prozent der deutschen Exporte gehen nach Frankreich. Deutschland kann sich diesem negativen Sog nicht entziehen.

SPIEGEL ONLINE: Braucht Deutschland ein Konjunkturprogramm?

Fuest: Die Lage ist noch lange nicht so schlecht, dass wir bereits über Konjunkturmaßnahmen sprechen müssen. Das würde nur für weitere Verunsicherung sorgen. Die Regierung sollte nicht mehr Geld ausgeben, das Geld aber an der richtigen Stelle einsetzen. In Infrastruktur zu investieren wäre besser als neue Sozialleistungen wie das Betreuungsgeld einzuführen. Und Deutschland sollte sich dafür einsetzen, dass der Kurs in Europa stimmt.

Das Interview führte Maria Marquart

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 82 Beiträge
1.
rainman_2 15.11.2012
Der Reigen für Merkel-Bashing in diesem Forum ist somit eröffnet.
Zitat von sysopdapdKaum noch Wachstum, maue Aussichten - die deutsche Wirtschaft gerät zum Jahresende in die Flaute. Regierungsberater Clemens Fuest erklärt im Interview, warum die nächsten Wochen für die Konjunktur entscheidend werden und weshalb sich Deutschland über Zuwanderer aus den Krisenländern freuen sollte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bip-zahlen-fuest-zu-lage-von-wirtschaft-und-wachstum-in-deutschland-a-867401.html
Der Reigen für Merkel-Bashing in diesem Forum ist somit eröffnet.
2. weshalb sich Deutschland über Zuwanderer aus den Krisenländern freuen sollte?
GSYBE 15.11.2012
Ganz klar: neue Sklaven. Da wo die herkommen gibt´s nichts mehr (dank der deutschen `Europapolitik´) und jetzt arbeiten die in Deutschland für `ne Mahlzeit.
Ganz klar: neue Sklaven. Da wo die herkommen gibt´s nichts mehr (dank der deutschen `Europapolitik´) und jetzt arbeiten die in Deutschland für `ne Mahlzeit.
3. Es gibt solche und solche Sozialleistungen
Europa! 15.11.2012
Jede Investition in Kinder ist eine Invesition in die Zukunft. Vielleicht noch wichtiger als Autobahnen & Flugplätze.
Zitat von sysopdapdKaum noch Wachstum, maue Aussichten - die deutsche Wirtschaft gerät zum Jahresende in die Flaute. Regierungsberater Clemens Fuest erklärt im Interview, warum die nächsten Wochen für die Konjunktur entscheidend werden und weshalb sich Deutschland über Zuwanderer aus den Krisenländern freuen sollte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bip-zahlen-fuest-zu-lage-von-wirtschaft-und-wachstum-in-deutschland-a-867401.html
Jede Investition in Kinder ist eine Invesition in die Zukunft. Vielleicht noch wichtiger als Autobahnen & Flugplätze.
4. Und wieder die Lüge vom Fachkräftemangel
dekkers.e 15.11.2012
Es geht lediglich um Lohndumping sowie die Interessen der mit Grünen und SPD verfilzten Zuwanderungsindustrie. Deutschland hat schon Millionen von Arbeitslosen.
Es geht lediglich um Lohndumping sowie die Interessen der mit Grünen und SPD verfilzten Zuwanderungsindustrie. Deutschland hat schon Millionen von Arbeitslosen.
5. Die deutschen Verbraucher konsumieren viel
GSYBE 15.11.2012
Wo denn? Die Gross- und Einzelhändler mit denen ich spreche, bestätigen alle maue Geschäfte. Propaganda, Propaganda...
Wo denn? Die Gross- und Einzelhändler mit denen ich spreche, bestätigen alle maue Geschäfte. Propaganda, Propaganda...

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