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16.11.2012
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"Zeitbombe im Herzen Europas"

"Economist"-Titelblatt verärgert Frankreich

The Economist

Economist-Titelblatt November 2012: "Zeitbombe im Herzen Europas"

Das Wirtschaftsmagazin "The Economist" hat mit seiner aktuellen Titelgeschichte den Zorn der französischen Regierung auf sich gezogen: Unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sind Baguettes abgebildet, die wie Dynamit zusammengebunden und mit einer brennenden Zündschnur versehen sind.

Paris - Da verstehen die Franzosen keinen Spaß: Das Titelblatt des renommierten britischen Wirtschaftsmagazins "The Economist" hat in Paris geradezu einen Sturm der Entrüstung entfacht. Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg verglich das Blatt am Freitag gar mit der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo", die im September mit dem Abdruck von Mohammed-Karikaturen für Aufregung gesorgt hatte.

Dabei scheint die Illustration vergleichsweise harmlos: Auf der Titelseite der neuen "Economist"-Ausgabe sind unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sieben Baguettes abgebildet, die mit einem Band in den französischen Landesfarben Blau-Weiß-Rot zusammengebunden sind - ganz wie Dynamitstangen, versehen mit einer brennenden Zündschnur. Im Innenteil legt das einflussreiche Magazin auf 14 Seiten dar, dass Frankreich angesichts seiner Staatsverschuldung und Wirtschaftsprobleme zur "größten Gefahr" für den Euro werden könnte.

Französischer Unternehmerverband: "Vollkommen übertrieben"

"Ganz ehrlich, 'The Economist' hat sich nie durch einen Sinn für Maßhalten ausgezeichnet", sagte Montebourg dem französischen Sender Europe 1. Das Magazin sei "der 'Charlie Hebdo' für die City", fügte er unter Verweis auf das Londoner Finanzviertel hinzu. Bereits am Donnerstag hatte Premierminister Jean-Marc Ayrault dem Sender iTélé gesagt, das Magazin wolle mit "Übertreibungen" Auflage machen, könne Frankreich damit aber nicht beeindrucken.

Die Präsidentin des französischen Unternehmerverbands Medef, Laurence Parisot, kritisierte die Titelgeschichte des "Economist" am Freitag als "vollkommen übertrieben". Das Magazin sei zudem zeitlich hinterher, weil die Geschichte vor der Vorstellung des sogenannten Gallois-Berichts über Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit und den daraufhin von der Regierung beschlossenen ersten Maßnahmen recherchiert worden sei, sagte Parisot dem Sender RMC.

Der frühere Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Louis Gallois, hatte Anfang vergangener Woche Vorschläge gemacht, wie Frankreichs kriselnde Wirtschaft wieder fit für den internationalen Wettbewerb gemacht werden könne. Einen Tag später stellte die sozialistische Regierung in Paris Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit vor, in erster Linie Milliardenentlastungen für Unternehmen.

nck/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
1.
osis1980 16.11.2012
Nichts ist 2012 schlimmer als die Wahrheit. Spätestens 2015 werden wir darüber lachen...
Zitat von sysopThe Economist Das Wirtschaftsmagazin "The Economist" hat mit seiner aktuellen Titelgeschichte den Zorn der französischen Regierung auf sich gezogen: Unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sind Baguettes abgebildet, die wie Dynamit zusammengebunden und mit einer brennenden Zündschnur versehen sind. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/titelgeschichte-des-economist-veraergert-regierung-in-frankreich-a-867734.html
Nichts ist 2012 schlimmer als die Wahrheit. Spätestens 2015 werden wir darüber lachen...
2. Langsam.
montaxx 16.11.2012
Bei diesen vielen Streitereien versteht man immer mehr,warum außer den Deutschen kein anderes EU-Land wirklich die Vereinigten Staaten von Europa möchte.Man sollte sich das nochmals genau überlegen,immer weitere Befugnisse an [...]
Zitat von sysopThe Economist Das Wirtschaftsmagazin "The Economist" hat mit seiner aktuellen Titelgeschichte den Zorn der französischen Regierung auf sich gezogen: Unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sind Baguettes abgebildet, die wie Dynamit zusammengebunden und mit einer brennenden Zündschnur versehen sind. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/titelgeschichte-des-economist-veraergert-regierung-in-frankreich-a-867734.html
Bei diesen vielen Streitereien versteht man immer mehr,warum außer den Deutschen kein anderes EU-Land wirklich die Vereinigten Staaten von Europa möchte.Man sollte sich das nochmals genau überlegen,immer weitere Befugnisse an Brüssel abzutreten.
3. You can't handle the truth
shokaku 16.11.2012
Yep. Das Kartenhaus der Eurolügen ist mittlerweile so anfällig, da reicht der kleinste Windstoss. Ehrlich gesagt habe ich ernste Zweifel, ob es in Europa in den nächsten Jahrzehnte so wahnsinnig viel zu lachen geben wird.
Zitat von osis1980Nichts ist 2012 schlimmer als die Wahrheit. Spätestens 2015 werden wir darüber lachen...
Yep. Das Kartenhaus der Eurolügen ist mittlerweile so anfällig, da reicht der kleinste Windstoss. Ehrlich gesagt habe ich ernste Zweifel, ob es in Europa in den nächsten Jahrzehnte so wahnsinnig viel zu lachen geben wird.
4. LEdier ist das absolut nicht übertrieben.
prontissimo 16.11.2012
Aber da müssen die Frasnzosen sich nicht den Kopf zerbrechen. Bei GR hat es geklappt, bei P und E hat es geklappt. Bei Italien wird es auch klappen. Wir kaufen sie alle.
Zitat von sysopThe Economist Das Wirtschaftsmagazin "The Economist" hat mit seiner aktuellen Titelgeschichte den Zorn der französischen Regierung auf sich gezogen: Unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sind Baguettes abgebildet, die wie Dynamit zusammengebunden und mit einer brennenden Zündschnur versehen sind. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/titelgeschichte-des-economist-veraergert-regierung-in-frankreich-a-867734.html
Aber da müssen die Frasnzosen sich nicht den Kopf zerbrechen. Bei GR hat es geklappt, bei P und E hat es geklappt. Bei Italien wird es auch klappen. Wir kaufen sie alle.
5. Traurig aber wahr!
zwischenton_2 16.11.2012
Was der Economist schreibt, ist in Frankreich seit Jahren bekannt. Man braucht nur die Analysen der Wirtschaftsprofessoren lesen. Aber die französische Regierung wird von Parteien getragen, die Entlassungen gesetzlich verbieten, [...]
Was der Economist schreibt, ist in Frankreich seit Jahren bekannt. Man braucht nur die Analysen der Wirtschaftsprofessoren lesen. Aber die französische Regierung wird von Parteien getragen, die Entlassungen gesetzlich verbieten, die Arbeitszeiten weiter verkürzen und die Steuern senken wollen. Unternehmer gelten in Frankreich in breiten Kreisen der Bevölkerung als Ausbeuter. Wer das Wahlprogramm von Francois Hollande liesst, weiß, dass dieser Präsident angetreten ist, um mit hohem Tempo gegen eine allen bekannte, gut sichtbare Wand zu fahren. Jeder Schritt dieser Fahrt ist schriftlich niedergelegt und vorhersehbar. Unsere Probleme brauchen wir nicht in Athen oder Lissabon suchen, sie sind in Paris und leider auch in Washington zu finden.

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