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26.11.2012
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Treffen der Finanzminister

Europas Bürger müssen für Griechenland zahlen

Von Stefan Kaiser
Getty Images

Graffiti in Athen: Ringen um die Höhe der Rechnung

IWF und EZB verlangen einen radikalen Schuldenschnitt für Griechenland. Aber wer soll die Kosten tragen? Die meisten Gläubiger haben sich längst abgesichert gegen drohende Verluste - am Ende zahlen die Bürger der Euro-Zone.

Hamburg - Angela Merkel gab sich mal wieder rigoros. "Wir lehnen diesen Schuldenschnitt ab", diktierte die Bundeskanzlerin den Journalisten am vergangenen Freitag nach dem gescheiterten EU-Gipfel in die Blöcke. Man wolle "eine andere Lösung finden". Das taten die Euro-Finanzminister denn auch bei ihrem Treffen am Montag. Ein Bündel von neuen Hilfen, Schuldenrückkäufen und Zinserleichterungen soll Griechenland über die nächsten Jahre bringen. Doch dass das Land langfristig ohne eine umfassende Umschuldung überleben kann, glauben nur die wenigsten Experten. Die Frage scheint nicht mehr ob, sondern nur noch wann das Land einen Teil seiner Verbindlichkeiten erlassen bekommt - und natürlich von wem.

Wenn man die Schulden des Landes etwas genauer betrachtet, wird schnell klar, dass eigentlich nur eine Gruppe in Frage kommt: die europäischen Steuerzahler. Sie haben seit 2010 über zwei Hilfspakete schon jetzt rund 127 Milliarden Euro nach Griechenland verliehen und stehen damit aktuell für rund 40 Prozent der griechischen Gesamtschulden (siehe Grafik unten). In den kommenden zwei Jahren dürfte sich der Anteil weiter erhöhen. Allein in diesem Jahr sollen noch 44 Milliarden Euro nach Athen fließen - der Großteil davon stammt aus dem Rettungsfonds EFSF.

DER SPIEGEL

Wo Griechenlands Schulden liegen: Die öffentlichen Gläubiger tragen die Hauptlast

Zwar gibt es auch andere große Gruppen und Institutionen, die Griechenland Geld geliehen haben: der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa, die Europäische Zentralbank (EZB) oder die vielen privaten Banken und Hedgefonds. Doch keiner von diesen Gläubigern wird wohl auf sein Geld verzichten müssen. Die Opferrolle wird an den europäischen und damit vor allem an den deutschen Steuerzahlern hängenbleiben.

Ohnehin dürfte es laut Experten schwer werden, die privaten Gläubiger noch mal in die Pflicht zu nehmen. "Ordnungspolitisch wäre das vielleicht sinnvoll", sagt Clemens Fuest, Wirtschaftsprofessor in Oxford und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums. Allerdings habe man den privaten Investoren beim ersten Schuldenschnitt versprochen, dass dies in der gesamten Euro-Zone ein Einzelfall bleiben werde. "Damit hat man Erwartungen geweckt, die man nun wieder erschüttern würde." Besser wäre es laut Fuest gewesen, gleich zu Beginn der Krise klarzumachen, dass im Falle eines Schuldenschnitts zuerst die Altgläubiger haften müssten, also vor allem die privaten Investoren.

Auch Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln fürchtet, dass weitere Verluste für die privaten Gläubiger die Finanzmärkte in neue Turbulenzen stürzen könnten. "Ein großer Teil griechischer Anleihen liegt bei den griechischen Banken", sagt Matthes. "Die müssten dann wohl erneut gestützt werden."

Am Ende bleibt deshalb wohl eher ein kleiner Schuldenschnitt übrig. Rund 63 Milliarden Euro würden Griechenland erlassen, wenn die Euro-Partner nach aktuellem Stand auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten würden. Deutschland müsste etwa 17,5 Milliarden Euro beisteuern. Angesichts einer griechischen Gesamtschuldenlast von 304 Milliarden Euro wäre die Entlastung nicht besonders groß.

Experten glauben deshalb, dass langfristig noch mehr nötig sein wird, um Griechenland zu retten. "Ich halte es für illusorisch, jetzt einen großen Schuldenschnitt zu machen und zu glauben, dass es damit getan wäre", sagt Ökonom Fuest. "Aber man könnte dem Land mit einem begrenzten Schnitt zumindest einmal zwei Jahre Luft verschaffen."

Forum

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insgesamt 322 Beiträge
1. Nach der Wahl:
deb2011 26.11.2012
Also dann, wenn die Rentner wieder Merkel gewählt haben, wird diew Mehrwertsteuer-Erhöhung auf 21% kommen. Finanzminister ist dann Trittin oder Steinbrück.
Zitat von sysopIWF und EZB verlangen einen radikalen Schuldenschnitt für Griechenland. Aber wer soll die Kosten tragen? Die meisten Gläubiger haben sich längst abgesichert gegen drohende Verluste - am Ende zahlen die Bürger die Euro-Zone. Griechenland: Ein Schuldenschnitt würde die Steuerzahler treffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-ein-schuldenschnitt-wuerde-die-steuerzahler-treffen-a-869400.html)
Also dann, wenn die Rentner wieder Merkel gewählt haben, wird diew Mehrwertsteuer-Erhöhung auf 21% kommen. Finanzminister ist dann Trittin oder Steinbrück.
2. schööööön
GuidoHülsmannFan 26.11.2012
jetzt heißt es wieder "abgesichert", was früher teuflische CDS's und "böse Spekulanten" hieß. Abgrundtief böse ist hier die Politik, die Europa zerstört. Nordeuropas Bürger werden bestohlen, Südeuropas [...]
jetzt heißt es wieder "abgesichert", was früher teuflische CDS's und "böse Spekulanten" hieß. Abgrundtief böse ist hier die Politik, die Europa zerstört. Nordeuropas Bürger werden bestohlen, Südeuropas Bürger werden gedemütigt und zwangsverwaltet. Leider muss jetzt nicht nur der Euro, sondern das ganze Projekt "Europa" beerdigt werden. Oh, und wartet mal ab- die Jugend in Südeuropa wird mit Gewalt reagieren (müssen). Und dann was? In "Europas" Namen tote Demonstranten?
3. Es ist eine Schande
spon-facebook-10000009156 26.11.2012
Es ist eine Schande das der kleine Bürger nun zahlen soll wo es so viele Reiche bei uns gibt. Die Staaten verschulden sich immer mehr – doch ihre Schulden sind nur das Spiegelbild der wachsenden privaten Vermögen. Weltweit [...]
Zitat von sysopIWF und EZB verlangen einen radikalen Schuldenschnitt für Griechenland. Aber wer soll die Kosten tragen? Die meisten Gläubiger haben sich längst abgesichert gegen drohende Verluste - am Ende zahlen die Bürger die Euro-Zone. Griechenland: Ein Schuldenschnitt würde die Steuerzahler treffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-ein-schuldenschnitt-wuerde-die-steuerzahler-treffen-a-869400.html)
Es ist eine Schande das der kleine Bürger nun zahlen soll wo es so viele Reiche bei uns gibt. Die Staaten verschulden sich immer mehr – doch ihre Schulden sind nur das Spiegelbild der wachsenden privaten Vermögen. Weltweit bunkern etwa 100 000 Personen 21 000 Milliarden Dollar in Steueroasen. Dem reichsten einen Prozent der Deutsche n gehören 35,8 Prozent des Vermögens. Nach Angaben des deutschen Bankenverbandes haben die Deutschen erstmals mehr als 10 Billionen Euro Vermögen angehäuft. Ohne all das Schwarzgeld und Vermögen was im Ausland liegt und nicht erfasst ist. Zum Vergleich: Dieses Vermögen ist so groß wie die Staatsschulden aller 27 EU-Mitglieder zusammen. Staatsverschuldung in Deutschland: 2074 Mrd. € Diejenigen an der Spitze der Einkommenspyramide täten gut daran, dem “gemeinen” Volk mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Der Besitz von Vermögen allein qualifiziert nicht automatisch zu einem hohen Einkommen, wenn Wissen, Fähigkeiten und Verantwortung (für das Gemeinwohl) nicht gleichsam entwickelt sind. Leistungslose Einkommen werden es in Zeiten von Negativzinsen und wachsendem Zweifel am bestehenden Geldsystem immer schwerer haben zu bestehen. Wird der kritische Punkt erreicht, an dem die Mehrheit erkennt, dass für sie ein gutes Leben unerreichbar bleibt, gefährdet das nicht nur die sozialen Zusammenhänge, sondern auch die Grundlage unserer Demokratie.
4. sagen wir mal so
gesell7890 26.11.2012
wer in seiner finanziellen unbedarftheit sich verschuldet, muß dafür geradestehen. ich wüßte nicht, was meine mitschuld daran wäre, außer daß ich bürger des landes bin, das diese schuldenmachende regierung zu ertragen hat (ohne [...]
wer in seiner finanziellen unbedarftheit sich verschuldet, muß dafür geradestehen. ich wüßte nicht, was meine mitschuld daran wäre, außer daß ich bürger des landes bin, das diese schuldenmachende regierung zu ertragen hat (ohne sie gewählt zu haben).
5. Euro - Drachme - Schuldenschnitt
martinbode@gmx.net 26.11.2012
Wenn alle Schulden zu 100% gestrichen würden - was würde passieren? Völlig klar, Griechenland würde zur Drachme zurückkehren. Ein teilweiser Schnitt erhöht die Attraktivität des Austritts
Wenn alle Schulden zu 100% gestrichen würden - was würde passieren? Völlig klar, Griechenland würde zur Drachme zurückkehren. Ein teilweiser Schnitt erhöht die Attraktivität des Austritts

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