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29.11.2012
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Wirtschaftspakt

Europa will Freihandelsabkommen mit Japan aushandeln

AFP

EU-Handelskommissar Karel De Gucht: "Es ist ein wichtiger Schritt"

Knapp eine halbe Million neue Jobs und mehr Wirtschaftskraft für Europa soll ein Freihandelsabkommen mit Japan bringen. Der Pakt soll ab 2013 mit der Regierung in Tokio verhandelt werden. Doch die Autobranche protestiert.

Brüssel - Die Länder der Europäischen Union haben am Donnerstag den Startschuss für ein Freihandelsabkommen mit Japan gegeben. Mehr Wirtschaftswachstum und knapp eine halbe Million neue Jobs erhoffen sie sich von dem Pakt. Die Handelsminister erteilten der EU-Kommission in Brüssel einstimmig das Mandat, das Abkommen innerhalb von fünf Jahren auszuhandeln. Anfang 2013 sollen die Verhandlungen beginnen.

EU-Handelskommissar Karel De Gucht begrüßte die Entscheidung: "Es ist ein sehr mutiger und wichtiger Schritt, diese Verhandlungen zu eröffnen", sagte er. Vor 2018 dürfte ein mögliches Freihandelsabkommen allerdings kaum in Kraft treten. Rund fünf Jahre seien für die Verhandlungen und Ratifizierung ein ambitioniertes Ziel, sagte die Staatssekretärin im deutschen Wirtschaftsministerium, Anne Ruth Herkes.

Protest gab es von der Automobilbranche: Konzerne in Deutschland, Frankreich, Italien und Osteuropa befürchten, dass durch den Pakt zu viele japanische Fahrzeuge auf den europäischen Markt kommen könnten, wenn die EU-Zölle von zehn Prozent für Autoimporte schrittweise abgebaut würden. Sie fürchten dadurch den Verlust von bis zu 70.000 Stellen. Für den Abbau von Zöllen seien auch Übergangsfristen möglich, sodass sich die Europäer auf die Konkurrenz der japanischen Hersteller einrichten könnten, sagte Herkes.

Die Branche fürchtet allerdings außerdem in Japan nicht richtig Fuß fassen zu können: Die Japaner verlangen laut Experten andere Sicherheitsvorkehrungen, andere Lärmmessungen und andere Abgaswerte als die EU-Länder.

Der Pakt dürfte dem Land indes mehr als gelegen kommen: Erst Mitte November hatte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt eine mögliche Pleite abwenden können.

kha/dpa/dapd

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insgesamt 6 Beiträge
1.
rainer_daeschler 29.11.2012
"Protest gab es von der Automobilbranche: Konzerne in Deutschland, Frankreich, Italien und Osteuropa befürchten, dass durch den Pakt zu viele japanische Fahrzeuge auf den europäischen Markt kommen könnten," Da [...]
"Protest gab es von der Automobilbranche: Konzerne in Deutschland, Frankreich, Italien und Osteuropa befürchten, dass durch den Pakt zu viele japanische Fahrzeuge auf den europäischen Markt kommen könnten," Da werden wieder Nebelkerzen geworfen. Ein beträchtlicher Anteil der japanischen Autos kommt gar nicht aus Japan, sondern wird in EU-Ländern hergestellt.
2. Zwei paar Maße
Taixinomee 29.11.2012
Wieder mal typisch. Wenn irgendwas mit China oder Russland ist, dann geht gar nichts. Fragt man weshalb, gibt man letzten Endes bekannt, dass sie böse Jungs sind. Und mit bösen Jungs spielt man nicht. Europäer investieren [...]
Wieder mal typisch. Wenn irgendwas mit China oder Russland ist, dann geht gar nichts. Fragt man weshalb, gibt man letzten Endes bekannt, dass sie böse Jungs sind. Und mit bösen Jungs spielt man nicht. Europäer investieren Milliarden in diese Länder und dann beschwert man sich über Kapitalabfluss. Umgekehrt wollen insbesondere Chinesen in Europa investieren und hochqualifizierte Jobs schaffen. Aber das geht natürlich nicht aufgrund der genannten Gründe. Japan? Hey kein Problem. Wegen der Japaner gibt es in Deutschland keine Elektronikbranche mehr. Aber das zählt alles nicht. Es zählt auch nicht, dass die Japaner bis 1970 ständig von Europäern und Amis kopiert haben, wo es nur ging. Oder dass sie bis Ende des letzten Jahrhunderts immense Strafzölle auf Importe erhoben haben. Diese Vorgehensweise ist sicherlich bis heute weltweit Standard. Sie waren aber nicht anders als die Chinesen heute. Ist auch völlig unklar, was die "Wirtschaftsexperten" einer Exportnation verkaufen wollen, dessen Heimatmarkt seit 20 Jahren nicht auf die Beine kommt. Mir soll es Recht sein. Starke Firmen werden auch in Zukunft Geld verdienen und die Schwachen gehen eben unter. Aber hier wird ganz offensichlich aus ökonomisch völlig irrsinnigen Gründen mit zwei Maßen gemessen!
3. Alles aus China sollte verteuert werden
ein-dummer-junge 30.11.2012
Mit Japan ein Freihandelsabkommen super Idee, alles aus China sollte 100% Zoll zusätzlich bekommen dann hätten die Europäer eine Chance auf dem Weltmarkt zu bestehen. Und an die Automobilbranche / Konzerne aus Deutschland: [...]
Mit Japan ein Freihandelsabkommen super Idee, alles aus China sollte 100% Zoll zusätzlich bekommen dann hätten die Europäer eine Chance auf dem Weltmarkt zu bestehen. Und an die Automobilbranche / Konzerne aus Deutschland: wo wird den als Beispiel das ABS System gefertigt? Ja Bosch aber bei Bosch in Japan
4.
nepo77 30.11.2012
Eben um Importzölle zu vermeiden. Es ist eine einfache Rechnung -Japan 120 Millionen Einwohner, EU 500 Millionen. EU Hersteller profitieren von einem 120 Millionen Markt, Japan von einem 500 millionen Markt. Wer hier [...]
Zitat von rainer_daeschler"Protest gab es von der Automobilbranche: Konzerne in Deutschland, Frankreich, Italien und Osteuropa befürchten, dass durch den Pakt zu viele japanische Fahrzeuge auf den europäischen Markt kommen könnten," Da werden wieder Nebelkerzen geworfen. Ein beträchtlicher Anteil der japanischen Autos kommt gar nicht aus Japan, sondern wird in EU-Ländern hergestellt.
Eben um Importzölle zu vermeiden. Es ist eine einfache Rechnung -Japan 120 Millionen Einwohner, EU 500 Millionen. EU Hersteller profitieren von einem 120 Millionen Markt, Japan von einem 500 millionen Markt. Wer hier gewinnt sollte klar sein. Man hat das gleiche eben mit Südkorea beschlossen, man sollte das 10 Jahre laufen lassen und dann sehen ob es sich wirklich lohnt bevor man gleich soweiter macht.
5.
Alfons Emsig 30.11.2012
Abgesehen davon lohnen sich bei dem derzeitigen Euro-Yen Wechselkurs Exporte auf den europäischen Automobilmarkt für die Japaner ohnehin nicht.
Zitat von rainer_daeschler"Protest gab es von der Automobilbranche: Konzerne in Deutschland, Frankreich, Italien und Osteuropa befürchten, dass durch den Pakt zu viele japanische Fahrzeuge auf den europäischen Markt kommen könnten," Da werden wieder Nebelkerzen geworfen. Ein beträchtlicher Anteil der japanischen Autos kommt gar nicht aus Japan, sondern wird in EU-Ländern hergestellt.
Abgesehen davon lohnen sich bei dem derzeitigen Euro-Yen Wechselkurs Exporte auf den europäischen Automobilmarkt für die Japaner ohnehin nicht.

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