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19.12.2012
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US-Haushaltsstreit

Fitch droht USA mit Entzug der Top-Note

AFP

US-Präsident Obama: Poker im Haushaltsstreit

Im US-Haushaltsstreit wächst der Druck auf Präsident Obama, einen Kompromiss zu schmieden. Die Rating-Agentur Fitch droht mit einem Verlust der Bestnote, falls sich Demokraten und Republikaner nicht bald einigen. Das Land steuere auf eine "vermeidbare und unnötige" Rezession zu.

London - Die Rating-Agentur Fitch hat die USA vor dem baldigen Verlust ihrer Top-Bonität gewarnt. Sollten Demokraten und Republikaner keine Lösung im Haushaltsstreit finden, sei die Gefahr hoch, dass die USA ihr AAA-Rating einbüßten, teilte Fitch am Mittwoch mit.

Einigen sich die Parteien nicht, drohen den Amerikanern im kommenden Jahr automatische Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen im Umfang von 600 Milliarden Dollar. Die US-Wirtschaft könnte dann in eine laut Fitch "vermeidbare und unnötige" Rezession geraten, die die Finanzstabilität und Wachstumsaussichten des Landes gefährde.

Zuletzt hatten sich Demokraten und Republikaner im Haushaltsstreit angenähert. Präsident Barack Obama präsentierte einen Kompromiss: Er will die niedrigen Einkommensteuersätze aus der Bush-Zeit um ein weiteres Jahr verlängern. Nur für Jahreseinkommen von mehr als 400.000 Dollar soll künftig wieder ein höherer Steuersatz gelten. Auf der Ausgabenseite bietet Obama den Republikanern Einschnitte von 1,22 Billionen Dollar über zehn Jahre an, ein Großteil davon in der nationalen Krankenversorgung.

Die Republikaner haben ihren kategorischen Widerstand gegen jegliche Erhöhung der Einkommensteuer aufgegeben. Sie sind offenbar bereit, der Regierung Steuermehreinnahmen von einer Billion Dollar über zehn Jahre zu gestatten. Das ist nur 200 Milliarden Dollar von Obamas Angebot entfernt.

Im August vergangenen Jahres hatte Standard & Poor's als erste und bislang einzige der drei großen Rating-Agenturen den USA ihre Top-Bonität gestrichen und dies mit dem langwierigen Streit um die Schuldenobergrenze begründet. Auch Moody's hat den USA bereits mehrfach mit dem Entzug der Bestnote gedroht.

ssu/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
1. Hr. Obama,
liptovskykarl 19.12.2012
wenn sie diesen "Kompromiss" zustimmen, sind sie nicht einen Deut besser als die Reps! Und brechen direkt ihr wichtigtes Wahlversprechen an die Armen der USA, naemlich nichts in der Krankenversorgung zu sparen! Bleiben [...]
wenn sie diesen "Kompromiss" zustimmen, sind sie nicht einen Deut besser als die Reps! Und brechen direkt ihr wichtigtes Wahlversprechen an die Armen der USA, naemlich nichts in der Krankenversorgung zu sparen! Bleiben sie ganz einfach hart und wenn die Reps zu keinen weiteren Zugestaendnissen bereit sind, dann lassen sie eben die USA ueber die "Fiskalklippe" fallen! Kein Entgegenkommen an die Reps! Die sind ihnen auch NIE entgegen gekommen!
2. Der Druck wächst .. aber nicht auf Obama
temp1 19.12.2012
Der Druck wächst .. aber nicht auf Obama, sondern auf die Republikaner, die laut diversen Umfragen in der Bevölkerung als die Schuldigen am Scheitern eines Kompromisses angesehen werden.
Der Druck wächst .. aber nicht auf Obama, sondern auf die Republikaner, die laut diversen Umfragen in der Bevölkerung als die Schuldigen am Scheitern eines Kompromisses angesehen werden.
3. interessant..
reneh 19.12.2012
was sind das für Zeiten wo vor 200 Milliarden dollar ein nur steht.....
was sind das für Zeiten wo vor 200 Milliarden dollar ein nur steht.....
4.
uezegei 19.12.2012
Wenn sollte das jucken, wenn die USA über die Klippe hüpfen. Mir ist das wurscht. Eine weltweite Rezession/Depression würde nur dazu beitragen, dieses perverse System zu beenden. Der Kapitalismus dieser Gangart hat fertig.
Wenn sollte das jucken, wenn die USA über die Klippe hüpfen. Mir ist das wurscht. Eine weltweite Rezession/Depression würde nur dazu beitragen, dieses perverse System zu beenden. Der Kapitalismus dieser Gangart hat fertig.
5. .
frubi 19.12.2012
Ich bitte Sie. Das ist doch das selbe Schauspiel wie im letzten Jahr. Beide Seiten können sich nicht einigen, die Ratingagenturen drohen, die Medien zittern und kurz vor Schluss ... aber wirklich kurz vor Schluss findet man [...]
Zitat von temp1Der Druck wächst .. aber nicht auf Obama, sondern auf die Republikaner, die laut diversen Umfragen in der Bevölkerung als die Schuldigen am Scheitern eines Kompromisses angesehen werden.
Ich bitte Sie. Das ist doch das selbe Schauspiel wie im letzten Jahr. Beide Seiten können sich nicht einigen, die Ratingagenturen drohen, die Medien zittern und kurz vor Schluss ... aber wirklich kurz vor Schluss findet man dann einen Kompromiss. Tolle Wurst.

Wie Rating-Agenturen arbeiten

Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen

Das bedeuten die Ratings

Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

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