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19.12.2012
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Abwanderung der Jungen

Exodus führt zu Vollbeschäftigung im Osten

DPA

Fußgänger in Magdeburg: Menschenschwund im Osten

Es klingt wie ein Jobwunder: Laut einer Prognose des Ifo-Instituts erreichen ostdeutsche Länder in zehn Jahren Vollbeschäftigung. Von einem echten Aufschwung kann allerdings keine Rede sein.

Dresden - Die gute Nachricht lautet: In Ostdeutschland wird es in etwa zehn Jahren Vollbeschäftigung geben. Das prognostiziert das Ifo-Institut. Grund dafür sei allerdings weder ein Konjunkturboom noch eine besonders gute Wirtschaftspolitik der Länder - sondern allein die demografische Entwicklung.

Viele potentielle Arbeitskräfte, vor allem jüngere Menschen, verlassen den Osten. Mit rückläufiger Einwohnerzahl sinke das Arbeitskräftepotential in der Region, teilte Ifo am Mittwoch in Dresden mit. Und zwar um 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Vollbeschäftigung bedeutet aus Sicht der Wissenschaftler nicht, dass es überhaupt keine Arbeitslosen mehr gibt. Ein Quote von etwa drei Prozent gilt als Schwellenwert. Aus unternehmerischer Sicht ist eine solch niedrige Quote nicht wünschenswert: Es ist für die Firmen dann noch schwieriger, Fachkräfte zu finden.

Dass der Weg zur Vollbeschäftigung im Osten nicht über den Aufschwung führt, zeigen auch die vom Ifo-Institut veröffentlichten Konjunkturdaten. Die neuen Länder liegen beim Wachstum hinten. 2013 soll das Plus im Osten inklusive Berlin nur bei 0,5 Prozent liegen, insgesamt sind es 0,7 Prozent. Während die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr im Osten um 0,5 Prozent stieg, bleibt sie mit 0,1 Prozent im kommenden Jahr nahezu konstant. "Es geht leicht aufwärts, aber die Wachstumsraten sind gering", sagte der stellvertretende Institutschef Joachim Ragnitz. Demnach wird der Osten auch beim Aufholprozess auf absehbare Zeit kein Westniveau erreichen - lediglich einzelne Regionen schaffen das.

Noch lange keine "Geberländer"

Und: Ostdeutschland wird weiter flächendeckend Geld aus dem Finanzausgleich erhalten. Dass Sachsen oder ein anderes ostdeutsches Land in den kommenden zehn Jahren zum "Geberland" im bundesdeutschen Finanzausgleich werden könnte, hält Ragnitz für illusorisch.

Dem Ifo-Institut zufolge hat die Wirtschaftspolitik der ostdeutschen Regierungen nicht besonders viel Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft in der Region. Obwohl ostdeutschen Bundesländer in den vergangenen 20 Jahren teils völlig unterschiedliche Akzente gesetzt hätten, würden sie heute im Grunde alle auf einem Level stehen. Die Ostländer seien "ziemlich gleich".

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Grafik: So entwickelt sich das Durchschnittsalter der Deutschen

Die demografische Entwicklung dürfte in Zukunft eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaftspolitiker in den neuen Ländern sein. Teile Ostdeutschlands entwickeln sich immer mehr zum Altenheim der Bundesrepublik. Laut der neuen Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung bis 2030 von derzeit 43 Jahre auf über 47 Jahre ansteigen. In weiten Teilen Ostdeutschlands wird das Durchschnittsalter voraussichtlich auf mehr als 50 Jahre in die Höhe klettern.

ssu/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
1. Dieser Satz muesste lauten
Jay's 19.12.2012
....: Es ist für die Firmen dann noch schwieriger, die Loehne zu druecken. Nun, ein Anreiz, die Abwanderung zu verhindern, koennten hoehere Loehne sein. Das ist jedoch in Deutschland undenkbar weder West noch Ost.
....: Es ist für die Firmen dann noch schwieriger, die Loehne zu druecken. Nun, ein Anreiz, die Abwanderung zu verhindern, koennten hoehere Loehne sein. Das ist jedoch in Deutschland undenkbar weder West noch Ost.
2. optional
nachalinanachalnova 19.12.2012
Zitat: "Aus unternehmerischer Sicht ist eine solch niedrige Quote nicht wünschenswert: Es ist für die Firmen dann noch schwieriger, Fachkräfte zu finden." Na dann sollte die Politik jetzt wohl schleunigst eingreifen. Zu [...]
Zitat: "Aus unternehmerischer Sicht ist eine solch niedrige Quote nicht wünschenswert: Es ist für die Firmen dann noch schwieriger, Fachkräfte zu finden." Na dann sollte die Politik jetzt wohl schleunigst eingreifen. Zu geringe Arbeitslosigkeit -- wo kommen wir denn da hin? Aber keine Sorge, bislang hat es immer noch geklappt... Alina
3. Fachkräftemangel
Pende 19.12.2012
Vielleicht sollten einfach ein ausreichender Lohn gezahlt werden, dann bleiben auch die Fachkräft.
Vielleicht sollten einfach ein ausreichender Lohn gezahlt werden, dann bleiben auch die Fachkräft.
4. In zehn Jahren ...
weihnachten2 19.12.2012
... als könnte das Ifo-Institut ernsthaft vorraussagen, was in zehn Jahren sein wird. Die können ja nichtmal sagen, was in drei Monaten sein wird ;)
... als könnte das Ifo-Institut ernsthaft vorraussagen, was in zehn Jahren sein wird. Die können ja nichtmal sagen, was in drei Monaten sein wird ;)
5.
Ingmar E. 19.12.2012
Ich arbeite als Krankenpfleger in Leipzig und habe dieses Jahr eine Lohnerhöhung von 3,5% zur Mitte des Jahres und 1% zum Ende des Jahres bekommen. Ich verdiene auch einen zweistelligen Netto-Stundenlohn, was hier viele [...]
Zitat von Jay'sNun, ein Anreiz, die Abwanderung zu verhindern, koennten hoehere Loehne sein. Das ist jedoch in Deutschland undenkbar weder West noch Ost.
Ich arbeite als Krankenpfleger in Leipzig und habe dieses Jahr eine Lohnerhöhung von 3,5% zur Mitte des Jahres und 1% zum Ende des Jahres bekommen. Ich verdiene auch einen zweistelligen Netto-Stundenlohn, was hier viele Akademiker in meiner Umgebung nicht haben (vor allem die Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler nicht). Allerdings würden viele arbeitslose Kumpels nicht in diesem Job arbeiten und warten lieber als ALG2-Empfänger dass man ihnen Jobs in ihrem Lieblingsberuf schafft. Das kommt einem vor wie alte Dampflokomotivenheizer, die erwarten dass man ihnen trotz Diesel- und Elektroloks weiterhin Dampflokomotivenarbeitsplätze bereitstellt. Viele haben hier immer noch nicht begriffen dass der Bauboom vorbei ist und dass auch die Industrie nicht mehr im großen Stil zurückkommen wird. Altenheim der Republik kann man auch als Chance begreifen. Wir könnten westdeutschen Rentnern preiswertere Pflegeheimplätze anbieten, so dass die Familie evtl. nicht das Häuschen verkaufen muss dafür, wir könnten ganze Siedlungen zu Rentnersiedlungen machen. Dafür müssen die heutigen Arbeitslosen aber auch bereit sein in diesen Bereichen zu arbeiten (und zwar mit Motivation und Herzblut, sonst bekommt man keine Kundschaft). Das seh ich nicht.

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