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18.01.2013
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IWF-Prognose

Athen braucht bis zu 9,5 Milliarden Euro

AFP

Poul Thomsen (Archivbild): Brüssel will Athen weiter unterstützen

Zum ersten Mal beziffert der IWF die Milliardensumme, die Griechenland über das nächste Jahr hinaus benötigen wird. Bis zu 9,5 Milliarden Euro werden dem Land nach ersten Vorhersagen fehlen, damit es seine Schulden in den Griff bekommen kann.

Athen - Griechenland braucht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusätzliche Milliardenhilfen seiner europäischen Partner. Ansonsten bekommt es sein Schuldenproblem bis 2016 nicht unter Kontrolle. Nach ersten Prognosen gebe es 2015/2016 eine Lücke von bis zu 9,5 Milliarden Euro, sagte Poul Thomsen, Chef der IWF-Mission in Griechenland, am Freitag.

Es ist das erste Mal, dass der IWF Angaben zum Finanzierungsbedarf über 2014 hinaus macht. Die Europäische Kommission hatte die Lücke im Dezember mit 5,6 Milliarden Euro angegeben. Brüssel habe aber bereits signalisiert, dass es Griechenland weiter unterstützen wolle, sagte Thomsen.

Der IWF-Verwaltungsrat hatte am Mittwoch der Auszahlung einer weiteren Kredittranche von 3,2 Milliarden Euro zugestimmt. Die Summe war mehrere Monate lang eingefroren gewesen. Der Währungsfonds hatte daran gezweifelt, dass die Maßnahmen der griechischen Regierung zum Abbau der enormen Staatsverschuldung wirksam sein könnten.

Die Freigabe sei nun nur erfolgt, weil die europäischen Partner versichert hätten, das Geld zur Verfügung zu stellen, welches Griechenland künftig brauche, sagte Thomsen. Der IWF drängt die Europäische Union seit längerem, mehr zu tun, um die griechische Schuldenkrise zu lösen.

Erst Ende dieser Woche wurde bekannt, dass ein Untersuchungsausschuss des griechischen Parlaments prüft, ob die Immunität des früheren griechischen Finanzminister Giorgios Papakonstantinous wegen eines Steuersünder-Skandals aufgehoben werden soll. Der Politiker wird verdächtigt, Namen eigener Verwandter von einer Liste mutmaßlicher Steuerflüchtlinge in der Schweiz gestrichen haben zu lassen. Der frühere sozialistische Minister bestreitet die Vorwürfe.

Als Reaktion auf die strengen Sparmaßnahmen, die Griechenland einhalten muss, rufen die Gewerkschaften des Landes massiv zu Streiks auf. Mittlerweile brechen die Proteste alle Rekorde. Ganze Internetseiten sind der Frage gewidmet, wo gerade mal wieder gestreikt wird.

Griechenlands Gewerkschaftsführer sehen sich als letzte Instanz gegen immer neue Einschnitte, mit denen die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF das Land in die Knie zwinge wolle.

kha/Reuters/AFP

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insgesamt 43 Beiträge
1. Wie jetzt?
vhe 18.01.2013
Griechenland braucht Geld? Ist ja mal was ganz Neues! Ich kann's kaum glauben!
Zitat von sysopAFPZum ersten Mal beziffert der IWF die Milliardensumme, die Griechenland über das nächste Jahr hinaus benötigen wird. Bis zu 9,5 Milliarden Euro werden dem Land nach ersten Vorhersagen fehlen, damit es seine Schulden in den Griff bekommen kann. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-griechenland-braucht-bis-zu-9-5-milliarden-euro-a-878465.html
Griechenland braucht Geld? Ist ja mal was ganz Neues! Ich kann's kaum glauben!
2. fast 2 Milliarden mehr, als die GEZ...
pmhh 18.01.2013
Wow, Athen braucht 9,5 Milliarden Euro... dass sind fast 2 Milliarden mehr als die GEZ jedes Jahr braucht...
Wow, Athen braucht 9,5 Milliarden Euro... dass sind fast 2 Milliarden mehr als die GEZ jedes Jahr braucht...
3. Rückzahlung und Sicherheiten
weltbetrachter 18.01.2013
Ich gehe mal davon aus, das man dreimal so lange braucht um Kredite zurückzuzahlen, als man benötigte um diese zu erhalten. Wann glauben denn die Griechen, dieses hinzubekommen. Oder gehen alle davon aus, das eine Rückzahlung [...]
Ich gehe mal davon aus, das man dreimal so lange braucht um Kredite zurückzuzahlen, als man benötigte um diese zu erhalten. Wann glauben denn die Griechen, dieses hinzubekommen. Oder gehen alle davon aus, das eine Rückzahlung nie in Betracht kommt ? Wenn dem so ist, müssen wir unseren Kindern im Kindergarten dies mal ganz deutlich klarmachen. Oder wer sonst soll die Suppe auslöffeln, die wir alle gemeinsam gerade einbrocken. Und egal wie man darüber denkt, das Thema SICHERHEITEN muß schleunigst angegangen werden. Hierzulande gibt es nicht einmal 5000 Euro ohne Sicherheiten. Und die Griechen erhalten Milliarden von unseren erarbeiteten Steuergeldern für nichts ? Ganz falscher Ansatz !!!
4.
nick999 18.01.2013
Griechenland braucht also regelmäßig pro Griechen etwa 900€, um seinen gewohnten Lebensstil weiterzuführen, ohne daß der Schuldenberg steigt. Natürlich muß zusätzlich der Finanzausgleich innerhalb der EU weiter [...]
Zitat von sysopAFPZum ersten Mal beziffert der IWF die Milliardensumme, die Griechenland über das nächste Jahr hinaus benötigen wird. Bis zu 9,5 Milliarden Euro werden dem Land nach ersten Vorhersagen fehlen, damit es seine Schulden in den Griff bekommen kann. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-griechenland-braucht-bis-zu-9-5-milliarden-euro-a-878465.html
Griechenland braucht also regelmäßig pro Griechen etwa 900€, um seinen gewohnten Lebensstil weiterzuführen, ohne daß der Schuldenberg steigt. Natürlich muß zusätzlich der Finanzausgleich innerhalb der EU weiter fließen. Das macht noch einmal etwa 400€ und Jahr pro Griechen. Rückzahlung bestehender Schulden natürlich ausgeschlossen. Wünschen würden sich die Griechen, das die Schulden gestrichen werden, die sowieso nicht zurückgezahlt werden. Für die Gläubiger ist das doch schließlich kein Unterschied. Die Griechen könnten dann aber wieder neue Schulden machen, damit die derzeitigen Einschränkungen endlich aufhören. Es kann schließlich nicht sein, daß für tote Rentner keine Rente mehr gezahlt wird. Darauf kann sich Griechenland nicht ohne soziale Härten umstellen.
5. Der IWF
haarer.15 18.01.2013
beziffert den Finanzbedarf Griechenlands ganz sicher am unteren Ende. Das wird wohl noch wesentlich teuerer. So wie es sich liest, muss die erneute Finanzlücke von den Euroländern dann alleine gestemmt werden, da sich der IWF [...]
beziffert den Finanzbedarf Griechenlands ganz sicher am unteren Ende. Das wird wohl noch wesentlich teuerer. So wie es sich liest, muss die erneute Finanzlücke von den Euroländern dann alleine gestemmt werden, da sich der IWF dann nicht mehr beteiligen will. Der Lastesel sind wir. Frau Merkel wird natürlich anstandslos zahlen - wie immer. Will sie Griechenland doch um jeden Preis "retten". Es war nie anders. Und der Michel guckt zu, schimpft mal wieder, aber schaut ergeben auf zu unserer Grand Madame, wie sie das heimische Steuergeld ins besagte Fass ohne Boden versenkt. Woraus resultiert Merkels Beliebtheit ? Plausibel erklären kann das doch keiner mehr. Wie lange und wie weit wollen wir uns eigentlich noch selbst kasteien ? Da bleibt nur noch Kopfschütteln.

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