24.01.2013
Griechenland
Regierung will streikende U-Bahn-Fahrer verhaften
Verwaiste U-Bahn-Station in Athen: U-Bahn-Fahrer streiken gegen Einkommensverluste
Athen - Seit acht Tagen streiken sie schon gegen die Sparmaßnahmen des Landes. Mit ihrer Arbeitsniederlegung verursachen die U-Bahn-Fahrer in der griechischen Hauptstadt ein Verkehrschaos. Nun will die Regierung hart durchgreifen und droht den Beschäftigten mit Haft.
"Die Gewerkschaft der U-Bahnfahrer wollte eine blinde Konfrontation", begründete der griechische Transportminister Kostis Hatzidakis die Anordnung im griechischen Fernsehen. Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft hatten sich am Donnerstag in der Zentralbahnhofsgarage der U-Bahn versammelt und verbarrikadiert. "Es ist eine Junta. Die werden uns hier tot rausholen", sagte ein Vertreter der U-Bahn-Fahrer.
Die Gewerkschaften kündigten weiteren Widerstand gegen die Anordnung an. Wir werden nicht nachgeben, wir werden standhalten", erklärte ein Sprecher der Arbeitnehmervertreter. Auch zu Beginn des Jahres hatten die U-Bahn-Fahrer ihre Arbeit niedergelegt. Mit dieser Maßnahme protestieren sie gegen Einkommensverluste von bis zu 25 Prozent.
Durch ein Sparprogramm wurden die Gehälter aller Beschäftigten in staatlichen und öffentlich-rechtlichen Unternehmen zum 1. Januar dieses Jahres mit den Einkommen der Staatsbediensteten gleichgestellt. Auch Renten und Pensionen wurden erneut gekürzt. Die Sparmaßnahmen sind Voraussetzung für weitere Hilfen für das pleitebedrohte Land.
Griechenlands Regierungschef, Antonis Samaras, sagte, die U-Bahn gehöre nicht den Gewerkschaften. "Das griechische Volk hat enorme Opfer gebracht und ich werde keine Ausnahmen zulassen", sagte Samaras. Aus Solidarität wollen in den nächsten Tagen auch die Angestellten bei den Stadtbussen, der Eisenbahnen sowie die Seefahrer mitstreiken.
Griechenlands Gewerkschaftsführer sehen sich als letzte Instanz gegen immer neue Einschnitte, mit denen die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF das Land in die Knie zwinge wolle. Sie rufen massiv zu Streiks auf. Auf Internetseiten wird darüber diskutiert, wo und wann demnächst gestreikt werden solle.
kha/Reuters/dpa
