04.02.2013
Schuldenkrise
Griechischer Finanzminister erhält Morddrohung
Griechischer Finanzminister Stournaras: Unter Druck wegen harten Sparkurses
Athen - Er hat einen der undankbarsten Jobs der Welt: Als Finanzminister Griechenlands muss Yannis Stournaras harte Sparmaßnahmen durchsetzen, wieder und immer wieder muss er der Bevölkerung neue Entbehrungen aufbürden. Die Folge sind meist Beschimpfungen. Doch mitunter ist der Job noch weit gefährlicher.
Wie gefährlich, das zeigen nun Angaben aus Polizeikreisen. Denen zufolge hat Stournaras eine Morddrohung erhalten: einen Brief, in dem auch eine Patrone lag. Er solle bloß keine Maßnahmen für Zwangsräumungen gegen klamme Hausbesitzer einleiten, hieß es demnach in dem Schreiben. Absender sei eine wenig bekannte Protestgruppe namens "Kretische Revolution" gewesen.
Ähnliche Briefe hatte die Gruppe in der vergangenen Woche an die Steuerbehörden auf Kreta verschickt. Wegen des von den internationalen Geldgebern verordneten Sparkurses ist die Stimmung im Land aufgeheizt. Zuletzt gab es wiederholt kleinere Anschläge gegen die vermeintlich Schuldigen des Sparkurses.
So wurden Sprengsätze vor Wohnungen von Politikern und Journalisten gefunden - und Schüsse auf ein von Regierungschef Antonis Samaras genutztes Büro abgefeuert. Dies schürte Sorgen vor wachsenden sozialen Unruhen in dem hoch verschuldeten Land.
434 Millionen Etatüberschuss - ohne Zinsen
Während sich die Lage auf den Straßen zuspitzt, gibt es erstmals seit langem einen Hoffnungsschimmer für Athen. Griechenland hat 2012 nach neuesten Angaben des Finanzministeriums zum ersten Mal seit Jahren mehr eingenommen als ausgegeben - zumindest, wenn man die Zinsen für die Staatsschulden nicht berücksichtigt.
Das Land habe dann einen kleinen Überschuss von 434 Millionen Euro erwirtschaftet, teilte am Montag das Finanzministerium mit. 2011 hatte das sogenannte Primärdefizit noch bei 3,5 Milliarden Euro gelegen. Experten führten die positive Entwicklung darauf zurück, dass Athen seit Monaten nur noch die dringendsten Rechnungen bezahle.
Der Überschuss sei ein Zeichen dafür, dass die "Voraussetzungen für einen Neustart der Wirtschaft geschaffen werden", erklärte der Vizefinanzminister, Ioannis Staikouras.
Allein: Ein echter ausgeglichener Haushalt - nach Abzug der Zinsen für Staatsschulden - liegt noch in weiter Ferne.
ssu/dpa/Reuters

