04.02.2013
Zweifelhafte Bonitätsnoten
USA wollen Rating-Agentur S&P verklagen
Standard & Poor's in New York: US-Justizministerium will Schadensersatzklage einreichen
Washington - Den Rating-Agenturen droht Ärger wegen ihrer im Rückblick zu optimistischen Notenvergabe vor der Finanzkrise. Standard & Poor's muss sich jetzt für ein großes Gerichtsverfahren wappnen. Die Rating-Agentur bestätigte am Montag in New York, dass das US-Justizministerium eine Zivilklage vorbereite. Auch mehrere US-Bundesstaaten planen juristische Schritte gegen die Rating-Agentur. Die Klagen könnten dem "Wall Street Journal" zufolge noch in dieser Woche eingereicht werden.
Dabei gehe es um die Bewertung von auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren vor der Finanzkrise von 2007. Standard & Poor's sowie die beiden anderen großen Rating-Agenturen Moody's und Fitch hatten die Papiere lange als unbedenklich eingestuft und stehen nun in der Kritik, Anleger damit in die Irre geführt zu haben.
Als die Krise ausbrach, verloren selbst mit der Bestnote Triple-A ausgezeichnete Papiere schlagartig an Wert. Das Platzen der Immobilienblase in den USA hatte eine weltweite Krise ausgelöst, weil die faulen Papiere von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht worden waren. Die US-Regierung legte einen Bankenrettungsfonds in Höhe von bis zu 700 Milliarden Dollar auf, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern.
Die Rating-Agenturen stehen wegen der Vergabe von Bestnoten auf faule Kredite seit Jahren in der Kritik, entzogen sich Verfahren aber zumeist mit der Begründung, sie hätten lediglich eine Meinung vertreten und keine Kaufempfehlung abgegeben. Auch Standard & Poor's weist nun alle Vorwürfe zurück. Die bevorstehende Klage des Justizministeriums sei "vollkommen ungerechtfertigt", hieß es in einer Erklärung. Auch die US-Regierung habe im Jahr 2007 in ihren eigenen Einschätzungen noch öffentlich kundgetan, dass die Probleme mit den Immobilienpapieren kontrolliert werden könnten.
Mitte Januar hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass Rating-Agenturen in Deutschland grundsätzlich wegen ihrer Einschätzung verklagt werden können. Zuvor hatte ein australisches Gericht S&P zur Zahlung einer millionenschweren Entschädigung verurteilt, weil die Rating-Agentur Anleger in die Irre geführt habe. In New York hatte ein Gericht eine ähnliche Klage von Investoren zugelassen.
AFP/dpa/Reuters/mia
