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22.02.2013
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Spanisches Königshaus

Juan Carlos gerät in Sog des Finanzskandals

Getty Images

Neu aufgetauchte E-Mails ziehen das spanische Königshaus noch tiefer in einen Finanzskandal hinein: Demnach war Juan Carlos schon früh über die dubiosen Geschäfte seines Schwiegersohns Iñaki Urdangarin besorgt. Bislang behauptete der Palast, der König habe von den Deals nichts gewusst.

Madrid - Der Betrugsverdacht gegen Juan Carlos' Schwiegersohn bringt die spanische Königsfamilie immer mehr in Bedrängnis: Neu aufgetauchte E-Mails legen nahe, dass der Palast in Madrid wesentlich früher über die dubiosen Geschäfte von Iñaki Urdangarin besorgt gewesen war als bislang behauptet. Laut einem Bericht der "New York Times" sei bereits im Sommer 2004 Druck auf den Ehemann von Prinzessin Cristina ausgeübt worden, seinen Posten als einer der Chefs von "Instituto Nóos" zu verlassen.

Die gemeinnützige Stiftung steht im Zentrum eines Betrugsskandals, der in der Öffentlichkeit des von Rezession und gigantischer Arbeitslosigkeit geplagten Landes für große Aufregung sorgt. Über die Stiftung sollen Steuergelder in Millionenhöhe unterschlagen und Fördergelder auf private Konten abgezweigt worden sein. Urdangarin muss sich deshalb wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Der 45-Jährige weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt seinen Ex-Geschäftspartner Diego Torres.

Torres wiederum ging bei seiner Aussage im Gerichtssaal auf Konfrontationskurs zur Königsfamilie. Urdangarin habe keine Entscheidung ohne die Zustimmung des Palasts getroffen, sagte Torres. Zudem übergab er dem Gericht fast 200 E-Mails, die seine Aussage stützen sollen. Eine Reihe der E-Mails gelangte an die spanische Presse, weitere wurden nun der "New York Times" zugespielt.

Dem Bericht zufolge belegt die Korrespondenz zwar keinerlei Fehlverhalten von Juan Carlos. Aber sie widerspricht den beharrlichen Versicherungen des Palasts, der König habe kaum mit seinem Schwiegersohn zu tun gehabt. So belegen die E-Mails laut der Zeitung unter anderem, dass der Palast mindestens seit 2004 intensiv versucht hatte, Urdangarin von seinem Posten an der Spitze der Stiftung zu drängen und einen neuen Job für ihn zu finden. Bislang beharrt der Palast auf der Darstellung, Juan Carlos habe seinen Schwiegersohn erst 2006 angewiesen, die Stiftung zu verlassen.

Abstimmungsbedarf mit dem König

Den E-Mails zufolge spielte bei der Jobsuche Corinna zu Sayn-Wittgenstein eine große Rolle - pikanterweise jene Dame, die mutmaßlich die Geliebte von Juan Carlos war, was von beiden Seiten allerdings bestritten wird. Der König persönlich habe Sayn-Wittgenstein beauftragt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine informierte Person. Vorzugsweise sollte die Deutsche für Urdangarin eine neue Beschäftigung finden, die sowohl mit Sport zu tun habe als auch bei einem Unternehmen oder bei einer Stiftung mit internationaler Struktur angesiedelt sei.

Der König und sein Stabschef Alberto Aza behielten die Jobsuche den E-Mails zufolge im Auge. Im Juni 2004 schickte des Königs Schwiegersohn demnach seinen Lebenslauf an Sayn-Wittgenstein - und merkte an, dass dies auf Wunsch von Juan Carlos geschehe.

Recht bald war die Suche dem Bericht zufolge vielversprechend: So hätte Urdangarin an die Spitze des spanischen Zweigs der Laureus-Stiftung rücken können - als Bezahlung für den eher repräsentativen Job wurde anfangs mit mehr als 60.000 Dollar, später mit rund 260.000 Dollar gerechnet - je nachdem, wie erfolgreich die Akquise neuer Sponsoren verlaufen wäre.

Doch genau wegen jenes Eintreibens von Geldern als Teil seiner Aufgabe kamen Urdangarin offenbar Bedenken. Im Februar 2005 teilte er Sayn-Wittgenstein per E-Mail mit: "Zweifellos würde die Veröffentlichung meines Namens in Verbindung mit der Laureus-Stiftung negative Reaktionen hervorrufen, die sich negativ auf unsere Familie auswirken würden."

Es dauerte aber noch bis März 2005, bis Urdangarin den Job endgültig ablehnte. Er entschuldige sich für die lange Dauer bis zur Rückmeldung, schrieb er Sayn-Wittgenstein, "aber ich wollte mich noch mit meinem Schwiegervater besprechen".

fdi/AP/dpa-AFX

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
1. .........
lupenrein 22.02.2013
Hoffentlich ist der jetzt nicht auch systemrelevant ! Sonst müssten wir den ja auch noch 'retten' !
Zitat von sysopGetty ImagesNeu aufgetauchte E-Mails ziehen das spanische Königshaus noch tiefer in einen Finanzskandal hinein: Demnach war Juan Carlos schon früh über die dubiosen Geschäfte seines Schwiegersohns Iñaki Urdangarin besorgt. Bislang behauptete der Palast, der König habe von den Deals nichts gewusst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spanien-e-mails-ziehen-koenigshaus-in-affaere-um-finanzskandal-a-884997.html
Hoffentlich ist der jetzt nicht auch systemrelevant ! Sonst müssten wir den ja auch noch 'retten' !
2. so so,
morkvamork 22.02.2013
der könig tat also nix böses, er tat einfach nur nix gutes. gott sei dank zahle ich meine steuern nicht mehr in europa (deutschland).
der könig tat also nix böses, er tat einfach nur nix gutes. gott sei dank zahle ich meine steuern nicht mehr in europa (deutschland).
3. wir werden ...
Hilfskraft 22.02.2013
sowieso Spanien retten müssen. Genau, wie Italien, Griechenland, Zypern ...
Zitat von lupenreinHoffentlich ist der jetzt nicht auch systemrelevant ! Sonst müssten wir den ja auch noch 'retten' !
sowieso Spanien retten müssen. Genau, wie Italien, Griechenland, Zypern ...
4. Allein..
sponforist 22.02.2013
die Existenz und Finanzierung royaler Sozialhilfeempfänger ist Unterschlagung von Steuergeldern. Ich hoffe diese Geschichte bricht dieser Familie das Genick und dass dies der erste Dominostein sein wird. Schafft diese Schmarotzer [...]
die Existenz und Finanzierung royaler Sozialhilfeempfänger ist Unterschlagung von Steuergeldern. Ich hoffe diese Geschichte bricht dieser Familie das Genick und dass dies der erste Dominostein sein wird. Schafft diese Schmarotzer endlich ab!
5. Hoffentlich ...
E_SE 22.02.2013
... muss der König nicht am Ende noch sein Elfenbein verkaufen. Also die Königshäuser von heute sind auch echt nicht mehr das was sie mal waren.
... muss der König nicht am Ende noch sein Elfenbein verkaufen. Also die Königshäuser von heute sind auch echt nicht mehr das was sie mal waren.

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