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Wirtschaft

Studie zu Arbeitskräftebedarf

Deutschland braucht 260.000 Zuwanderer pro Jahr

Auch bei der Rente mit 70 und einer höheren Geburtenrate kommt der deutsche Arbeitsmarkt nicht ohne Fachkräfte aus dem Ausland aus, ergibt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Jährlich müssten deshalb 260.000 Menschen zuziehen.

Getty Images

BMW-Fabrik in München

Dienstag, 12.02.2019   10:42 Uhr

Um den Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft zu decken, braucht Deutschlandeiner Studie zufolge in den nächsten 40 Jahren jährlich netto mindestens 260.000 Einwanderer. Ohne Migration werde das Angebot an Arbeitskräften angesichts der alternden Gesellschaft bis zum Jahr 2060 um rund 16 Millionen Personen - also um fast ein Drittel - massiv schrumpfen, schreiben die Forscher.

Bei der Ermittlung der Zuwandererzahl seien auch Potenziale der in Deutschland lebenden Arbeitskräfte eingerechnet worden, betonen sie. So seien eine höhere Geburtenrate sowie eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern bereits berücksichtigt. "Doch selbst wenn Männer und Frauen gleich viel arbeiteten und in Deutschland eine Rente mit 70 eingeführt würde, könnte der Fachkräftebedarf nicht mit inländischen Mitteln gedeckt werden", schreibt die Bertelsmann-Stiftung als Auftraggeber der Studie. Deren Zahlen basieren auf Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Hochschule Coburg.

Die Forscher haben den Arbeitskräftebedarf bis zum Jahr 2060 prognostiziert. Demnach benötigt Deutschland vor allem mehr Fachkräfte aus Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union (EU). Die Bertelsmann Stiftung verwies darauf, dass laut Ausländerzentralregister 2017 ohne Fortzüge nur gut 38.000 Fachkräfte nach Deutschland kamen.

Zuwanderer aus Drittstaaten sind entscheidend

Bis 2060 werden der Studie zufolge aber jährlich rund 146.000 Einwanderer aus Drittstaaten und etwa 114.000 Zuwanderer aus EU-Staaten benötigt, um den demografiebedingten Rückgang des Arbeitskräfte-Angebots auf ein "für die Wirtschaft verträgliches Maß" zu begrenzen.

Die Zuwanderung aus anderen EU-Ländern ist der Studie zufolge in den vergangenen Jahren noch kräftig ausgefallen - 2017 mit einem Saldo von etwa 250.000 Personen.

Die Forscher rechnen aber damit, dass die Einwanderung aus anderen EU-Ländern im Vergleich zu den vergangenen Jahren künftig abnehmen wird. Denn Wirtschaftskraft und Lebensqualität näherten sich innerhalb der EU voraussichtlich allmählich an und der Reiz sinke, einen Job in Deutschland zu suchen. Folglich komme der Zuwanderung aus außereuropäischen Drittstaaten eine wachsende Bedeutung zu.

Den jährlichen Bedarf von durchschnittlich 146.000 Migranten aus Drittstaaten schlüsseln die Forscher wie folgt auf:

Es sei dringend nötig, den Zuzug nach Deutschland besser zu steuern, fordern die Studienmacher. Das von der Bundesregierung kurz vor Weihnachten auf den Weg gebrachte Einwanderungsgesetz müsse daher schnell verabschiedet werden, forderte die Stiftung. Es sei zu begrüßen, dass sich das Gesetz auch an Menschen mit mittlerem Qualifikationsniveau richte - hier liege der höchste Bedarf. Allerdings reiche ein Gesetz nicht aus. Ohne eine anhaltende Willkommenskultur und attraktive Integrationsangebote werde der Fachkräftemangel nicht ausgeglichen werden können.

mmq/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 253 Beiträge
gumbofroehn 12.02.2019
1. Genau deswegen ...
... brauchen wir endlich ein modernes Zuwanderungsgesetz (Kanada lässt grüßen), welche es ermöglicht, die Zuwanderung anhand der Erfordernisse der Volkswirtschaft auszurichten. Dabei helfen weder xenophobe Ausfälle von rechts [...]
... brauchen wir endlich ein modernes Zuwanderungsgesetz (Kanada lässt grüßen), welche es ermöglicht, die Zuwanderung anhand der Erfordernisse der Volkswirtschaft auszurichten. Dabei helfen weder xenophobe Ausfälle von rechts noch Asylromantik von links. Ich hoffe, dass es den Parteien in der Mitte gelingt, endlich das Notwendige zu tun.
ernale 12.02.2019
2. #Fachkräftemärchen
die Studien von Bertelsmann sind überdenkenswürdig, ich kenne sie nicht, gleichwohl scheint der Umstand der fortschreitenden Digitalisierung keine Beachtung gefunden zu haben. Es gibt auch eine Studie, aus der hervorgeht, dass [...]
die Studien von Bertelsmann sind überdenkenswürdig, ich kenne sie nicht, gleichwohl scheint der Umstand der fortschreitenden Digitalisierung keine Beachtung gefunden zu haben. Es gibt auch eine Studie, aus der hervorgeht, dass z. B. in Produktions- und Fertigungsberufen fast 80% der Arbeitsplätze substituierbar sind - da wo Mangel herrschen könnte, ist er schon da! In den Dienstleistungsberufen. Pflege, Service etc. Sonst würde Bertelsmann hier nicht von "mittleren" Qualifikationen sprechen. Schon jetzt werden Pflegekräfte aus dem Ausland rekrutiert. Und zwar nicht aus dem "reichen" Ausland. Warten wir doch mal ab, wie es dann in 10 Jahren aussieht, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnissen dort auch unseren angepasst haben? Dann kommen diese Menschen auch nicht mehr für Niedriglohn, Mindesttarif etc. für aufreibende und anstrengende Tätigkeit nach Old Germany. Und MINT...nicht jeder kann Ing. werden. Das Handwerk hatte immer schon goldenen Boden, auch da herrscht jetzt schon Fachkräftemangel. Aber das hat andere Gründe. Für die Jugend ist das Handwerk nicht so sehr attraktiv wie Jobs in der Kommunikation / Digitalisierung...usw.
abuyazid 12.02.2019
3. Billiglöhner dringend gesucht!
Änder mal den gesetzlichen Mindestlohn auf mind. 15 Eu dann gibts auch wieder Leute die arbeiten wollen. Ich finde nichts als unterbezahlte Jobs. Natürlich befürworten Firmen das. Ich würde sogar eine zweite Ausbildung im [...]
Änder mal den gesetzlichen Mindestlohn auf mind. 15 Eu dann gibts auch wieder Leute die arbeiten wollen. Ich finde nichts als unterbezahlte Jobs. Natürlich befürworten Firmen das. Ich würde sogar eine zweite Ausbildung im Handwerksbereich machen habe (Fachinformatiker SI) gelernt. Nichts... in Mecklenburg Vorpommern. Investiert mal in eine stabile Wirtschaft im Osten. Das BMW Werk ging nach Leipzig und MV geht leer aus. Hier gibt es sogar Kinderarmut. Kein Wunder das die rechte Szene aufblüht. Aber stattdessen werden Milliarden an anderer Stelle verschleudert
mueller1 12.02.2019
4. Jaja,
das übliche Gejammer - diesmal von den Bertelsmännern - über einen angeblichen Fachkräftemangel. Wer anständige Löhne zahlt, findet seine Arbeitskräfte. Und Arbeit, die zu schlecht bezahlt wird, sollte zukünftig schlicht [...]
das übliche Gejammer - diesmal von den Bertelsmännern - über einen angeblichen Fachkräftemangel. Wer anständige Löhne zahlt, findet seine Arbeitskräfte. Und Arbeit, die zu schlecht bezahlt wird, sollte zukünftig schlicht liegen bleiben - offensichtlich ist die Arbeit ja kaum etwas wert. Wenn sich in diesem Land nach 10 Jahren Konjunktur nach wie vor 2,4Mio Arbeitslose bzw. fast 3,3Mio Unterbeschäftigte in der Statistik der Arbeitsagentur wiederfinden, ist das Problem nicht der Fachkräftemangel sondern die Massenarbeitslosigkeit.
Voth 12.02.2019
5.
Super - wie man von einer Woche auf die andere "Milliarden Löcher" findet und die Konjunktur nicht ein Jahr im vorraus berechnen kann - was 2060 so abgeht weiss man aber bestens. Bleibt in kurz: [...]
Super - wie man von einer Woche auf die andere "Milliarden Löcher" findet und die Konjunktur nicht ein Jahr im vorraus berechnen kann - was 2060 so abgeht weiss man aber bestens. Bleibt in kurz: Fördermittelfinanzierte Propaganda (again) - jetzt noch ein Bericht vom Potsdamer Klimaforschungsinsitut über die (möglichen) Folgen des Klimawandels und die Tagesdosis ist erreicht
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