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Wirtschaft

Bei Brexit ohne Deal

Grafschaft Kent erwartet Verkehrschaos am Ärmelkanal

Verkehrskollaps, Müll auf den Straßen und schlechte Luft: Eine neue Studie warnt vor Chaos am Ärmelkanal, sollte es zu einem Brexit ohne Deal kommen. Denn Zollkontrollen würden die Region vor große Probleme stellen.

DPA

Heißluftballons über dem Ärmelkanal bei Dover (Archivfoto)

Freitag, 07.12.2018   16:09 Uhr

Bei einem Brexit ohne Abkommen droht einer Studie zufolge der englischen Hafenstadt Dover und ihrer Umgebung ein komplettes Chaos. In der englischen Grafschaft Kent würden der Verkehr kollabieren und der Müll sich auf den Straßen türmen, zitierten britische Zeitungen eine Studie des Bezirksrats der Grafschaft im Südosten Englands. "Viele Menschen könnten wochenlang wohl nicht ihre Arbeitsstätten erreichen", heißt es in der Untersuchung.

Die Strecke zwischen Dover und der französischen Hafenstadt Calais ist die wichtigste Verbindung zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. Nach einem ungeordneten Austritt aus der Europäischen Union würde sich die Passage wegen notwendiger Zollkontrollen schnell zu einem Nadelöhr entwickeln. Schiffe transportieren 2,5 Millionen Lastwagen pro Jahr über die Meeresenge. Unter dem Ärmelkanal verläuft außerdem der Eurotunnel mit Zügen.

Die Studie geht von etwa 10.000 Lastwagen aus, die wegen der neuen Zollkontrollen in Staus stecken bleiben oder auf Parkplätzen ausharren müssen. Möglicherweise würde der britische Flughafen Manston als Parkfläche für etwa tausend Fahrzeuge genutzt, wie britische Zeitungen berichteten. Die Experten rechnen auch mit einer Verschlechterung der Luftqualität durch das Verkehrschaos.

Britische Verwaltungsangestellte sollen zu Hause bleiben

Die über längere Zeit verstopften Straßen werden der Studie zufolge Auswirkungen auf viele Bereiche haben. So müsse der Zugang zu Schulen und Krankenhäusern ebenso sichergestellt werden wie der Transport von Toten zu Leichenhallen. Um die Situation auf den Straßen etwas zu entspannen, soll möglichst vielen Verwaltungsangestellten für drei bis sechs Monate das Arbeiten von zu Hause ermöglicht werden.

Das britische Unterhaus wird am kommenden Dienstag über das mit der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen abstimmen. Es gilt derzeit als unwahrscheinlich, dass eine Mehrheit der Abgeordneten dafür stimmt. Ein ungeregelter EU-Austritt Ende März 2019 wäre dann eine von mehreren möglichen Optionen. Auch über einen zweiten Wahlgang im Parlament, Neuwahlen und ein zweites Referendum wird spekuliert (Lesen Sie hier mehr dazu).

Grafik zum Brexit-Deal

hej/dpa-AFX

insgesamt 34 Beiträge
busbernd 07.12.2018
1. Die spinnen, die Briten! (Obelix)
So langsam dämmert es dem letzten britischen Hinterwäldler, was geschehen wird, sollte Gross-Britannien die EU ohne Abkommen verlassen. Und prompt werden im Unterhaus Stimmen laut, die verheissen, man könne ja durch ein zweites [...]
So langsam dämmert es dem letzten britischen Hinterwäldler, was geschehen wird, sollte Gross-Britannien die EU ohne Abkommen verlassen. Und prompt werden im Unterhaus Stimmen laut, die verheissen, man könne ja durch ein zweites Referendum den Ausstieg rückgängig machen, und sogar den Britenrabatt könne man behalten. Seid der Verkündigung des Brexit sind Abermillionen von £+? verbrannt worden und tausende Tagungsstunden in den EU-Gremien abgehalten worden, soll das ungesühnt bleiben? Der Britenrabatt gehört auf der Stelle abgeschafft, zumal die Grundlagen dafür seit Jahren nicht mehr gegeben sind.
radlrambo 07.12.2018
2. wie war das doch gleich
"No deal is better than a bad deal". Das gilt wohl irgendwie nicht für Dover?
"No deal is better than a bad deal". Das gilt wohl irgendwie nicht für Dover?
bleiglass 07.12.2018
3. Wie einseitig...
.. also der Stau nur in UK wäre, um Calais/Dunkirk wird es nicht besser sein. Vergessen sollte man nicht: nicht die Engländer wollen kontrollieren, sondern die EU. Liebesgruesse aus Brüssel, UK ist schon mit schlimmeren [...]
.. also der Stau nur in UK wäre, um Calais/Dunkirk wird es nicht besser sein. Vergessen sollte man nicht: nicht die Engländer wollen kontrollieren, sondern die EU. Liebesgruesse aus Brüssel, UK ist schon mit schlimmeren fertiggeworden.
widower+2 07.12.2018
4. Schon richtig!
Aber das Schlimmere, mit dem die Briten fertiggeworden sind, wurde ihnen aufgezwungen. Durch den Brexit haben sich die Briten aber freiwillig für das Elend entschieden, das sie bald zu spüren bekommen werden.
Zitat von bleiglass.. also der Stau nur in UK wäre, um Calais/Dunkirk wird es nicht besser sein. Vergessen sollte man nicht: nicht die Engländer wollen kontrollieren, sondern die EU. Liebesgruesse aus Brüssel, UK ist schon mit schlimmeren fertiggeworden.
Aber das Schlimmere, mit dem die Briten fertiggeworden sind, wurde ihnen aufgezwungen. Durch den Brexit haben sich die Briten aber freiwillig für das Elend entschieden, das sie bald zu spüren bekommen werden.
danielhoogland2 07.12.2018
5. Wiedereintritt vielleicht, aber nicht mit den alten Sonderrabatte
Stattdessen müssten die übrigen EU Länder sich einigen über eine Summe als Schadensersatz für die grenzenlos zeit-aufreibende und kosten-spielige Verhandlungen . Genau wie Busbernd es sagt: die Sonderrabatte von dieser [...]
Stattdessen müssten die übrigen EU Länder sich einigen über eine Summe als Schadensersatz für die grenzenlos zeit-aufreibende und kosten-spielige Verhandlungen . Genau wie Busbernd es sagt: die Sonderrabatte von dieser wüsten Frau mit Handtasche sind Vergangenheit. Am Liebsten sähe ich, dass einen Wiedereintritt behandelt wird wie ein Neueintritt : also weg mit dem Pound, und gezwungener Eintritt in Schengen. Nein , das ist keine Gehässigkeit den Briten gegenüber. Das ist Gerechtigkeit allen denjenigen Europäischen Mitbürgern gegenüber, die die Vorteile sehen, dafür aber auch ihres geleistet haben.

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