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Wirtschaft

Zu wenige Immobilien

Fehlende Büros treiben Unternehmen aus Großstädten

In deutschen Metropolen werden nicht nur Wohnungen knapp, sondern auch Büroflächen. Einem neuen Gutachten der Immobilienwirtschaft zufolge müssen einige Städte deshalb bereits Firmen ziehen lassen.

Getty Images/Hemis.fr RM

Büros am Potsdamer Platz in Berlin

Dienstag, 19.02.2019   16:17 Uhr

In deutschen Großstädten werden Büroflächen Mangelware. "Die Situation in den Städten mit sehr geringen Angebotsvolumen dürfte sich 2019 noch stärker zuspitzen und es müssen an einigen Standorten Unternehmensabwanderungen in Kauf genommen werden", teilte Andreas Schulten mit, einer der Autoren des Frühlingsgutachtens des Spitzenverbands der Immobilienwirtschaft ZIA. Auch Lagerflächen fehlen demnach immer häufiger.

Dem neuen Gutachten zufolge, das 68 deutsche Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohner untersuchte, fehlt neben Büro- auch immer mehr Wohnfläche. Baukindergeld und Steuerboni hätten die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen in Großstädten abermals um mehrere Prozent steigen lassen. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse dazu.)

Bezogen auf die Büroflächen herrscht laut dem Gutachten mittlerweile in 35 Städten in Deutschland quasi Vollvermietung. Davon sprechen Immobilienexperten bei einem Leerstand von weniger als drei Prozent.

Kein Büromangel in Frankfurt und Düsseldorf

Besonders drastisch ist die Situation demnach in München mit nur 1,5 Prozent und in Berlin mit 1,7 Prozent Leerstand. Auch Stuttgart und Köln liegen unterhalb der Schwelle. Frankfurt am Main mit 7,6 Prozent und Düsseldorf mit 6,8 Prozent sind von einem Büromangel hingegen noch ein Stück entfernt. Die deutschen Unternehmen investierten 2018 mit 28,8 Milliarden Euro etwa ein Fünftel mehr in Büroflächen als noch 2017.

Auch bei der Wohnungsmiete ist die Situation in den deutschen Großstädten laut Gutachten stark unterschiedlich. In 48 Städten lag die Leerstandsquote demnach vergangenes Jahr unter drei Prozent, die Mieten stiegen. Am schlimmsten ist die Situation laut dem Gutachten in Münster, wo die Quote bei 0,5 Prozent liegt. In Salzgitter und Chemnitz sind es hingegen über acht Prozent.

Besonders deutlich werden die Unterschiede bei der Entwicklung der Neumieten. Seit 2005 erhöhte sich das nominale Mietniveau etwa in Ingolstadt, Würzburg, Augsburg, Nürnberg, Osnabrück und Heilbronn um mehr als die Hälfte. Wird hingegen die Inflation herausgerechnet, so können Mieter beispielsweise in Wuppertal, Duisburg, Mönchengladbach, Essen, Chemnitz und Halle heute sogar günstiger wohnen als noch 2005.

"Es handelt sich dabei überwiegend um altindustrielle Städte, vor allem, aber nicht nur in Nordrhein-Westfalen", sagte Gutachter Harald Simons. Bürger könnten hier von den niedrigen Wohnkosten und der guten Infrastruktur profitieren. Er schlug vor: "Die Politik sollte sich stärker mit diesen Städten befassen, um hierdurch die angespannten Märkte anderswo zu entlasten."

apr/AFP

insgesamt 16 Beiträge
jujo 19.02.2019
1. ...
Ist doch gut! Ab in die Pampa, die Mitarbeiter ziehen hinterher. Am besten in den leeren Osten, hilft der dortigen Wirtschaft und bringt den klammen Kommunen Geld..
Ist doch gut! Ab in die Pampa, die Mitarbeiter ziehen hinterher. Am besten in den leeren Osten, hilft der dortigen Wirtschaft und bringt den klammen Kommunen Geld..
ziehenimbein 19.02.2019
2. Das sind doch eigentlich gute Nachrichten!
Je weniger Büros in den Städten sind, desto weniger Pendler gibt es auch. Lasst die Leute doch dort arbeiten, wo sie auch wohnen. Das spart auch Investitionen in den ÖPNV, wenn diese wegen fehlender Trassen überhaupt möglich [...]
Je weniger Büros in den Städten sind, desto weniger Pendler gibt es auch. Lasst die Leute doch dort arbeiten, wo sie auch wohnen. Das spart auch Investitionen in den ÖPNV, wenn diese wegen fehlender Trassen überhaupt möglich sind. Im Grunde genommen, geht es den Städten doch nur um Gewerbesteuern. Jetzt wo man sogar über ein Recht auf ein Homeoffice nachdenkt, wäre es vielleicht sinnvoller in dezentraleren Strukturen zu denken. Ein Grund für das Homeoffice ist sicherlich auch die langwierige, teure Anfahrt zum Arbeitsort. Wenn ich nur in den nächsten Ort fahren muss oder das Büro sogar zu Fuß erreichen kann, sinken die Zeiten der Abwesenheit von zu Hause doch auch beträchtlich. Darüber hinaus fällt der Stress durch den Verkehr weg. Schaffe ich es noch die Kinder vom Hort abzuholen - die Autobahn ist wieder dicht - wen kann ich anrufen - ... Viele Probleme lösen sich in Luft auf!
max-mustermann 19.02.2019
3.
Habe nie verstanden warum alle Unternehmen ihre Niederlassungen zwanghaft an den teuersten Standorten plazieren. Raus aus den Metropolen an einen weniger teuren Standort und die Mitarbeiter freuen sich außerdem über bezahlbare [...]
Habe nie verstanden warum alle Unternehmen ihre Niederlassungen zwanghaft an den teuersten Standorten plazieren. Raus aus den Metropolen an einen weniger teuren Standort und die Mitarbeiter freuen sich außerdem über bezahlbare Wohnungen in Arbeitsplatz nähe.
bikosaurus 19.02.2019
4. Prima!
Finde ich auch gut. Jetzt noch schnelles Internet in die Fläche und es entschärfen sich einige Probleme. In ein paar Jahren wird es in Frankfurt wegen der Hitze eh unerträglich. So viele Klimaanlagen in Wohnungen und Büros [...]
Finde ich auch gut. Jetzt noch schnelles Internet in die Fläche und es entschärfen sich einige Probleme. In ein paar Jahren wird es in Frankfurt wegen der Hitze eh unerträglich. So viele Klimaanlagen in Wohnungen und Büros kann man gar nicht bauen - von der Sinnhaftigkeit wegen des Energieverbrauchs ganz zu schweigen. Nur der Frankfurter OB hat es noch nicht begriffen und will ungehemmten Zuzug aus London, da dort einige Banken dicht machen....unfassbar.
geraldwinkeler 19.02.2019
5.
Man müsste halt den Vertretern der Deutschen Wirtschaft mal deutlich machen, dass es ökologischer und volkswirtschaftlicher Unfug ist, München und Berlin auf 10 Mio Einwohner aufzupimpen und weite Teile des Ruhrgebietes und [...]
Man müsste halt den Vertretern der Deutschen Wirtschaft mal deutlich machen, dass es ökologischer und volkswirtschaftlicher Unfug ist, München und Berlin auf 10 Mio Einwohner aufzupimpen und weite Teile des Ruhrgebietes und Ostdeutschlands mitsamt der dort vorhandenen Infrastruktur vergammeln zu lassen. Der brutale Zubau der Landschaft droht unser Land auf Dauer ökologisch zu ruinieren. Es wäre auch nötig, schonend unter Aufgabe überkommener Bau- und sonstiger Vorschriften ( ich sage nur Brandschutz) zu verdichten, statt immer mehr Landschaft zu zerstören. Die Fortschritte bei der elektronischen Kommunikation machen es auch weniger denn je nötig, Alles von den hippen Hotspots aus zu erledigen. Aber die Bürger wählen ja immer wieder die Parteien, die der deutschen Wirtschaft zu Lasten elementarer Allgemeininteressen in vielerlei Hinsicht zu Willen sind.

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