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Wirtschaft

Untersuchung

Chinesische Stahlfirmen steigern Überkapazitäten

Eigentlich hatte Chinas Regierung zugesagt, die Überkapazitäten bei den Stahlfirmen abzubauen - laut einer Studie sind sie jedoch noch weiter gestiegen. Ein neues Gesetz könnte den Trend nun drehen.

DPA

Stahlproduktion in Shenyang, China

Montag, 13.02.2017   13:10 Uhr

Die weltweiten Überkapazitäten machen der Stahlbranche schon lange zu schaffen. Die Stahlkocher in China sind daran nicht ganz unbeteiligt - und sie wissen das auch. Doch statt Hochöfen stillzulegen, die ohnehin veraltet sind, treibt die chinesische Führung den Ausbau noch voran. Das jedenfalls geht aus einer Studie der Umweltorganisation Greenpeace und der Beratungsgesellschaft Custeel hervor.

Die Produktionskapazitäten seien 2016 um 36,5 Millionen Tonnen gestiegen, heißt es in dem Papier. Dies sei doppelt so viel wie die Gesamtproduktion Großbritanniens. Die Kapazitäten seien vor allem in drei Provinzen rund um Peking ausgeweitet und hätten dort für hohe Luftverschmutzung gesorgt.

In China wird mehr als die Hälfte des weltweit hergestellten Stahls produziert. Die Branche leidet unter enormen Überkapazitäten bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage. Chinesischen Stahlfirmen wird zudem Preisdumping vorgeworfen.

Die Führung in Peking hatte zugesagt, die exzessive Produktion durch die Schließung von ineffizienten Fabriken oder die Zusammenlegung von Werken zu drosseln. Laut Custeel und Greenpeace wurde in einigen Anlagen die Kapazität zwar gesenkt. Im Gegenzug seien aber auch neue Werke eröffnet oder stillgelegte wieder in Betrieb genommen worden. Der Untersuchung zufolge müssen stillgelegte Fabriken abgerissen werden, um eine Wiederinbetriebnahme zu verhindern.

Kampf gegen Smog

"Die Tatsache, dass die chinesische Rohstahlproduktion 2016 gestiegen ist, spiegelt wider, dass die Konsolidierung der chinesischen Stahlindustrie nur sehr zögerlich vorankommt", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, dem "Handelsblatt". Die europäische Stahlbranche klagt seit Langem über Dumpingimporte aus China.

Immerhin stellt ein Gesetzentwurf des chinesischen Umweltministeriums einen ernst gemeinten Versuch dar, dem Problem Herr zu werden. Danach soll während der Heizperiode von Ende November bis Ende Februar in 28 Städten die Stahl- und Düngerproduktion um mindestens die Hälfte sowie die Aluminiumherstellung um wenigstens ein Drittel gekürzt werden.

Die Städte im Visier des Ministeriums - darunter Peking - liegen in den Kohle- und Stahlrevieren an der Ostküste des Landes. Die Regionen sind dicht bevölkert und haben besonders stark mit Smog zu kämpfen. Das Ministerium hat seine Pläne Insidern zufolge Unternehmen und Verwaltungen in den Regionen zur Stellungnahme zugestellt. Sollten die Vorhaben umgesetzt werden, würden die Schritte zu den bisher radikalsten in dem vor drei Jahren ausgerufenen Kampf gegen Smog gehören.

Die Einschränkungen würde die chinesische Stahlproduktion aufs Jahr gerechnet um acht Prozent und den Aluminiumausstoß um 17 Prozent verringern.

mik/AFP/Reuters

insgesamt 17 Beiträge
wannbrach 13.02.2017
1.
Und dann wird der Stahl billig auf die EU Märkte verteilt damit deren Stahl -Industrie zusammenbricht.
Und dann wird der Stahl billig auf die EU Märkte verteilt damit deren Stahl -Industrie zusammenbricht.
schlauchschelle 13.02.2017
2. In Europa stehen schon
große Unternehmen der Branche mit dem Rücken immer mehr zur Wand. Selbst hochspezialisierten Firmen für Sonder- und Spezialstähle geht immer mehr die Luft aus, weil Chinesische Firmen mit Dumpingpreisen den Markt zuschütten [...]
große Unternehmen der Branche mit dem Rücken immer mehr zur Wand. Selbst hochspezialisierten Firmen für Sonder- und Spezialstähle geht immer mehr die Luft aus, weil Chinesische Firmen mit Dumpingpreisen den Markt zuschütten mit einer durchaus passablen Qualität. Kein Wunder, haben wir, vor allem D, in den letzten 20 Jahren unser Know-How gleich mitsamt der Hütten und Walzwerke dahin verschifft. Kurzer Profit ist halt besser als langfristige Investition und Vision. Ich habe berufsbedingt Kontakt zu einigen Firmen aus dem Recycling und Sonderstahlbereich, die Verantwortlichen dort nennen es (unter vorgehaltener Hand) Handelskrieg im Bereich der Metallverhüttung, des Recyclings und Veredelung....
rolli 13.02.2017
3.
Mein Herr, das ist bei jeder Überproduktion so, dass die Unternehmen so billig wie möglich verkaufen müssen um ihr Zeug loszuwerden. Man nennt das auch Deflation. Das ist genau derselbe Vorgang den Draghi angeblich [...]
Zitat von schlauchschellegroße Unternehmen der Branche mit dem Rücken immer mehr zur Wand. Selbst hochspezialisierten Firmen für Sonder- und Spezialstähle geht immer mehr die Luft aus, weil Chinesische Firmen mit Dumpingpreisen den Markt zuschütten mit einer durchaus passablen Qualität. Kein Wunder, haben wir, vor allem D, in den letzten 20 Jahren unser Know-How gleich mitsamt der Hütten und Walzwerke dahin verschifft. Kurzer Profit ist halt besser als langfristige Investition und Vision. Ich habe berufsbedingt Kontakt zu einigen Firmen aus dem Recycling und Sonderstahlbereich, die Verantwortlichen dort nennen es (unter vorgehaltener Hand) Handelskrieg im Bereich der Metallverhüttung, des Recyclings und Veredelung....
Mein Herr, das ist bei jeder Überproduktion so, dass die Unternehmen so billig wie möglich verkaufen müssen um ihr Zeug loszuwerden. Man nennt das auch Deflation. Das ist genau derselbe Vorgang den Draghi angeblich verfolgt: Geld leihen um Produktion zu steigern, das sollen die Unternehmen tun. Gut das die das Geld nicht für Mehrproduktion sondern für Finanzinvestitionen verpulvern. rolli
christian-h 13.02.2017
4. Angabe
Hier ist das Problem, das man diese Mehrproduktion ja auch noch an den Mann/Frau bringen muss. Man sieht das in vielen Bereichen, das Überkapazitäten da sind, da ist es nicht sinnvoll diese noch weiter auszuweiten.
Zitat von rolliMein Herr, das ist bei jeder Überproduktion so, dass die Unternehmen so billig wie möglich verkaufen müssen um ihr Zeug loszuwerden. Man nennt das auch Deflation. Das ist genau derselbe Vorgang den Draghi angeblich verfolgt: Geld leihen um Produktion zu steigern, das sollen die Unternehmen tun. Gut das die das Geld nicht für Mehrproduktion sondern für Finanzinvestitionen verpulvern. rolli
Hier ist das Problem, das man diese Mehrproduktion ja auch noch an den Mann/Frau bringen muss. Man sieht das in vielen Bereichen, das Überkapazitäten da sind, da ist es nicht sinnvoll diese noch weiter auszuweiten.
karl-felix 13.02.2017
5. Na,ja
so macht das halt ein Exportweltmeister auf allen möglichen Märkten aller Kontinente. Von nix wird man nicht Exportweltmeister. Über Ne Viertelbillion Euro im Jahr ist schon ein Hammer, kein Wunder dass nicht nur die USA [...]
Zitat von wannbrachUnd dann wird der Stahl billig auf die EU Märkte verteilt damit deren Stahl -Industrie zusammenbricht.
so macht das halt ein Exportweltmeister auf allen möglichen Märkten aller Kontinente. Von nix wird man nicht Exportweltmeister. Über Ne Viertelbillion Euro im Jahr ist schon ein Hammer, kein Wunder dass nicht nur die USA sondern auch die EU nölt .

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