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Wirtschaft

Zölle auf US-Waren

China kündigt 34-Milliarden-Dollar-Gegenschlag an

Der Handelsstreit zwischen China und den USA spitzt sich zu. Peking will nun Zölle auf US-Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar erheben. Kanzlerin Merkel warnt vor einem "wirklichen Krieg".

REUTERS

Containerhafen in Shanghai

Mittwoch, 04.07.2018   12:42 Uhr

Die Zeichen im Handelsstreit zwischen den USA und China stehen auf Eskalation: Die Volksrepublik will ab Freitag Zölle auf US-Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar erheben. Sie sollen am 6. Juli um Mitternacht chinesischer Zeit in Kraft treten, berichtete die Agentur Reuters unter Berufung auf Insider. China hatte diesen Schritt bereits angekündigt, er gilt als Vergeltungsschlag. Peking betonte aber, man werde abwarten, ob Washington die angekündigten Zölle wirklich umsetzt.

Denn ebenfalls ab Freitag wollen die USA Sonderzölle auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar erheben. Damit steigt die Gefahr, dass der Konflikt in einen Handelskrieg ausartet. Die USA gehen nicht nur auf Konfrontation zur Führung in Peking , sondern liefern sich auch mit Ländern wie Kanada und mit der EU einen Handelsstreit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die USA zur Kompromissbereitschaft aufgerufen. "Es lohnt sich alle Mühe, diesen Konflikt, damit er nicht zu einem wirklichen Krieg wird, zu versuchen zu entschärfen", sagte sie während der Haushaltsdebatte im Bundestag. "Aber dazu gehören natürlich zwei Seiten." Das gute Funktionieren der Weltwirtschaft hänge von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ab: "Dies muss auch weiter geschehen. Deutschland wird sich jedenfalls dafür einsetzen und die gesamte Europäische Union."

Die USA stoßen mit ihrer protektionistischen Linie international immer stärker auf Widerstand: Zahlreiche Staaten haben bei der Welthandelsorganisation (WTO) die US-Zollpläne für die Einfuhr von Autos und Autoteilen kritisiert. Mehr als 40 Länder, darunter alle 28 EU-Staaten, warnten Teilnehmern zufolge vor einer Störung des Weltmarkts und einer Bedrohung für das System der WTO. Japan habe erklärt, zusätzliche Zölle auf Autos könnten eine Spirale von Gegenmaßnahmen auslösen und zu einem Zusammenbruch des auf Regeln basierenden internationalen Handelssystems führen. Russland erklärte den Angaben zufolge, die USA büßten ihre Reputation als verlässlicher Handelspartner ein.

Merkel wirft Trump altmodische Betrachtungsweise vor

Nach den bereits geltenden Zöllen auf Stahl und Aluminium hat US-Präsident Donald Trump der EU mit Einfuhrzöllen auf Autos und Autoteile von 20 Prozent gedroht. Trump kritisiert ein Ungleichgewicht in der Branche.

Merkel wiederum warf Trump im Bundestag vor, er betrachte die Handelsbilanz einseitig. Ein großer Handelsüberschuss Europas ergebe sich nur, wenn es um den Austausch des Warenverkehrs gehe. "Wenn Sie die Dienstleistungen inklusive der digitalen Dienstleistungen mit reinsetzen, dann haben Sie eine völlig andere Handelsbilanz, bei der es eher einen Überschuss der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber Europa gibt als umgekehrt", sagte Merkel. Es sei "sozusagen fast altmodisch", nur die Waren zu rechnen.

Um Ungleichgewichte zu beurteilen, müssen neben dem Warenaustausch auch Geldströme betrachtet werden - etwa aus Dienstleistungen im Finanz-, IT- und Tourismussektor. Auch Erträge aus Investments müssen einbezogen werden, ebenso Geldüberweisungen ausländischer Arbeiter in die Heimat. Daraus ergibt sich eine Leistungsbilanz zwischen Wirtschaftsblöcken.

mmq/Reuters/dpa

insgesamt 41 Beiträge
sagitta 04.07.2018
1. harte Haltung
Die Vereinigten Staaten scheren sich einen Dreck um derart weiche Formen der Kritik unserer Frau Kanzlerin. Gemeinsame Werte sind passé, es wird offen versucht, einen Bruch der EU herbeizuführen - divide et impera, und dann [...]
Die Vereinigten Staaten scheren sich einen Dreck um derart weiche Formen der Kritik unserer Frau Kanzlerin. Gemeinsame Werte sind passé, es wird offen versucht, einen Bruch der EU herbeizuführen - divide et impera, und dann sollte alles schön in Form von bilateralen (und damit einseitigen) Verträgen mit dem Hegemon geregelt werden. So wenig wir einen Handelskrieg gebrauchen können, so sehr muss auf europäischer Ebene hart reagiert werden. Anstelle irgendwelcher Produzenten von Erdnussbutter zu bestrafen, sollten vielmehr genau die genannten Dienstleistungs- und Digitalfirmen getroffen werden. Und da POTUS seine Handelssanktionen durch fadenscheinige Argumente der staatlichen Sicherheit begründet, deutsche Unternehmen aus Gründen eben dieser Sicherheit in der Vergangenheit Transkationen verboten wurden, sollten gleich aus Gründen der tatsächlichen staatlichen Sicherheit allerorten in Europa die Ciscos, Microsoft, Oracle, Verizons etc. von staatlichen, insbesondere sicherheitsrelevanten Aufträgen ausgeschlossen werden und lokale Anbieter aufgebaut werden.
carahyba 04.07.2018
2. Fr. Merkel ...
Fr. Merkel scheint mir lernfähig, sie hat die Handelsbilanzsalden vollständig aufgezählt, von Facebook, Google usw. bis zu den den Finanztransaktionsgewinnen der WallStreet. Vielleicht ist das ein erster Schritt zu [...]
Fr. Merkel scheint mir lernfähig, sie hat die Handelsbilanzsalden vollständig aufgezählt, von Facebook, Google usw. bis zu den den Finanztransaktionsgewinnen der WallStreet. Vielleicht ist das ein erster Schritt zu Überlegungen diese Gewinne zu versteuern. Sollte das eintreten befürchte ich, dass Trump dann völlig ausrastet, weil die US-Medien ihn dann 24 Stunden lang durch den Medienwolf drehen werden. Was dann passiert, liegt ausserhalb meines Vorstellungsvermögens vorherzusehen.
Björn L 04.07.2018
3. Showdown beginnt
Es wird spannend werden. Kurse werden purzeln und Anleger werden viel verlieren. Wer am Tiefpunkt einsteigt kann sich über gigantische Gewinne freuen, denn die Ära Trump geht vorrüber.
Es wird spannend werden. Kurse werden purzeln und Anleger werden viel verlieren. Wer am Tiefpunkt einsteigt kann sich über gigantische Gewinne freuen, denn die Ära Trump geht vorrüber.
caliper 04.07.2018
4. Trumps Ziele bleiben unklar
Herr Trump kommt aus der Wirtschaft und müsste eigentlich wissen dass die Handelsbilanz nur ein Teil der Leistungsbilanz darstellt. Wenn man die Betrachtung auf die Leistungsbilanz ausdehnt, dann müsste ihm auch klar sein, dass [...]
Herr Trump kommt aus der Wirtschaft und müsste eigentlich wissen dass die Handelsbilanz nur ein Teil der Leistungsbilanz darstellt. Wenn man die Betrachtung auf die Leistungsbilanz ausdehnt, dann müsste ihm auch klar sein, dass er sich auf keinen Handelskrieg einlassen darf. Selbst in der Handelsbilanz verliert er duch die Sekundäreffekte mehr als es jemals gewinnen kann. Entweder will er sich nur eine gute Verhandlungsposition erstreiten oder er hat schlechte Berater.
darthmax 04.07.2018
5. Haushaltsdefizit
nun kannman alles mögliche hinzuziehen, um den Anschein eines ausgeglichenen Wirtaftsverkehr zu erzielen, von einer Frau die Brutto nicht von Netto unterscheiden kann ein gewagtes Unterfangen. Man fragt sich dann, warum diese [...]
nun kannman alles mögliche hinzuziehen, um den Anschein eines ausgeglichenen Wirtaftsverkehr zu erzielen, von einer Frau die Brutto nicht von Netto unterscheiden kann ein gewagtes Unterfangen. Man fragt sich dann, warum diese fiktiven Warenströme an IT - Dienstölistungen nicht in allen Handelsbilanzen mit anderen Ländern ebenfalls auftauchen und nicht entsprechend versteuert werden. Wieso wird dann nicht in unseren Handelsbilanzen dieses ebenfalls bercksichtigt. Aber Konfrontation ist einfacher als Lösungen zu suchen, falls dann noch eine kleine belgische Gemeinde Einspruch einlegen kann , geht es auch nicht und das ist auch ein Problem der EU. Grösse macht handlungsunfähig.

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