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Wirtschaft

Handelsstreit

China will kein Kompromissangebot gemacht haben

Dämpfer für die US-Unterhändler: China wolle den Handelsüberschuss jährlich um rund 200 Milliarden Dollar reduzieren, hieß es zunächst aus Verhandlungskreisen. Keine Rede davon, heißt es nun aus Peking dazu.

DPA/ CHINATOPIX

Verladung von Sojabohnen im Hafen von Nantong

Freitag, 18.05.2018   14:03 Uhr

Wenn US-Verhandler einen Moment der Nachgiebigkeit bei ihren chinesischen Kontrahenten ausgemacht haben wollen, dann haben sie sich getäuscht. Ein Sprecher des Außenministeriums machte am Freitag jede Hoffnung zunichte, dass Peking zu Zugeständnissen im Wert von 200 Milliarden Dollar bereit sei. "Dieses Gerücht gibt nicht die Wahrheit wider", erklärte Lu Kang in einer Pressekonferenz. Die Gespräche liefen trotzdem weiter und sie seien konstruktiv, fügte Lu hinzu. Details könne er aber nicht nennen.

Am Morgen hatte es noch aus Kreisen der US-Verhandlungsdelegation geheißen, Peking wolle das von US-Präsident Donald Trump viel kritisierte Handelsdefizit des Landes jährlich um rund 200 Milliarden Dollar reduzieren. Im Gespräch sei neben einer garantierten Abnahme von US-Produkten auch die Abschaffung von chinesischen Zöllen im Wert von vier Milliarden Dollar auf landwirtschaftliche Erzeugnisse. Als wichtigster Profiteur der Vorschläge wurde der US-Flugzeugbauer Boeing genannt, der als größte Exporteur der USA bereits ein Viertel seiner Verkehrsflugzeuge nach China verkauft.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt ringen derzeit um eine Lösung ihres Handelsstreits. Die Differenzen lassen sich leicht an den Zahlen ablesen: Im vergangenen Jahr erzielte die Volksrepublik im Handel mit den Vereinigten Staaten einen Überschuss von 375 Milliarden Dollar. Allein im ersten Quartal diesen Jahres waren es rund 80 Milliarden Dollar, fast zehn Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum.

Zeichen einer Kompromissbereitschaft versuchen die Beteiligten dennoch zu setzen. In dieser Richtung lässt sich auch die Einstellung der Anti-Dumping-Untersuchung gegen Importe von Sorghumhirse aus den USA durch das Pekinger Handelsministerium deuten. Strafzölle würden die Lebenshaltungskosten für chinesische Verbraucher erhöhen, begründete das Ministerium am Freitag den Schritt. Bisher eingeforderte Kautionen von Importeuren sollen zurückgezahlt werden.

Eine erste Gesprächsrunde in Peking Anfang des Monats war ergebnislos verlaufen. Chinas Vizeministerpräsident Liu He und andere Regierungsvertreter halten sich momentan für eine zweite Runde in der US-Hauptstadt auf. Liu traf Trump am Donnerstag. Details zu der Zusammenkunft teilte das US-Präsidialamt im Anschluss nicht mit.

Zuvor hatten staatliche Medien Liu mit den Worten zitiert, die Regierungen in Washington und Peking sollten ihren Streit im gegenseitigen Respekt angehen und sich um Ergebnisse bemühen, die beiden Seiten nutzten. Trump äußerte sich später über die Erfolgsaussichten der Handelsgespräche pessimistisch. "Der Grund für meine Zweifel ist, dass China sehr verwöhnt ist", sagte er. China habe die USA "zu lange abgezockt". Das könne er nicht mehr zulassen.

mik/Reuters

insgesamt 11 Beiträge
-komakino- 18.05.2018
1. China habe die USA zu lange abgezockt
Wie unverschämt von China für die Lieferung von Waren in die USA auch noch Geld zu verlangen.
Wie unverschämt von China für die Lieferung von Waren in die USA auch noch Geld zu verlangen.
joG 18.05.2018
2. Es war ja auch eine...
....so nicht durchführbare Idee, die zwar China nutzen würde die Amis aber schaden. Die Größenordnung ist zentral gar nicht schaffen und das Hauptproblem der Handelsbeschränkungen wären noch gegeben mit den [...]
....so nicht durchführbare Idee, die zwar China nutzen würde die Amis aber schaden. Die Größenordnung ist zentral gar nicht schaffen und das Hauptproblem der Handelsbeschränkungen wären noch gegeben mit den Allokationsverwerfungen und Ineffizienzen.
dunnhaupt 18.05.2018
3. Chinesen und Amerikaner sind Geschäftsleute
Sie werden also gemeinsam verhandeln und Deals abschließen. Sie sind das genaue Gegenteil von Europäern und Russen, die sofort von Handelskriegen faseln und Rachemaßnahmen schmieden.
Sie werden also gemeinsam verhandeln und Deals abschließen. Sie sind das genaue Gegenteil von Europäern und Russen, die sofort von Handelskriegen faseln und Rachemaßnahmen schmieden.
Boede 18.05.2018
4. Zwangsläufig
Wer seine Produkte in China produzieren lässt, weil das weniger kostet, denkt weder an sein eigenes Land, noch an die Arbeitslosen zu hause, noch an Wirtschaftsungleichgewichten. Es gibt sie eben, die Doofmänner, die den Ast [...]
Wer seine Produkte in China produzieren lässt, weil das weniger kostet, denkt weder an sein eigenes Land, noch an die Arbeitslosen zu hause, noch an Wirtschaftsungleichgewichten. Es gibt sie eben, die Doofmänner, die den Ast -auf dem sie sitzen- abbrechen, weil die Geldtaschen immer voller werden.
Bueckstueck 18.05.2018
5. Dealbuster
Da hat Dealbuster trump halt einen kapitalen Fehler gemacht, als er die Nationale Sicherheit für Jobs in China verkauft hat indem er ZTE vom Haken lassen will - jetzt wissen die Chinesen was für einen Hanswurst da am [...]
Da hat Dealbuster trump halt einen kapitalen Fehler gemacht, als er die Nationale Sicherheit für Jobs in China verkauft hat indem er ZTE vom Haken lassen will - jetzt wissen die Chinesen was für einen Hanswurst da am Verhandlungstisch sitzt, da ist mehr zu holen.

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