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Wirtschaft

Cum-Ex und Cum-Cum

Steuertricks kosten europaweit mehr als 55 Milliarden Euro

Der organisierte Griff in die Steuerkasse mithilfe von Aktiengeschäften reichte viel weiter als bisher angenommen. Denn auch in anderen Ländern haben Banker die gesetzlichen Schlupflöcher genutzt.

DPA

Bankenviertel in Frankfurt am Main

Donnerstag, 18.10.2018   10:50 Uhr

Der Schaden durch dubiose steuergetriebene Aktiengeschäfte ist offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Bekannt sind diese unter anderem als sogenannte Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte. Betroffen sind außer Deutschland mindestens zehn weitere europäische Länder. Das haben laut NDR Untersuchungen des Recherchezentrums "Correctiv" ergeben, an denen unter anderem das ARD-Magazin "Panorama", die Wochenzeitung "Die Zeit" und "Zeit Online" beteiligt waren. Der Schaden beläuft sich demnach auf mindestens 55,2 Milliarden Euro.

Allein deutschen Finanzämtern seien nach Berechnungen des Steuerprofessors Christoph Spengel von der Universität Mannheim zwischen 2001 und 2016 mindestens 31,8 Milliarden Euro entgangen. Bislang war man nach Angaben des Bundesfinanzministeriums aus dem Mai von insgesamt 5,3 Milliarden Euro ausgegangen.

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Cum und Ex: Vereinfachtes Modell eines Dividendendeals

Bei einer Art der umstrittenen Geschäfte schoben Investoren rund um den Dividendenstichtag Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch rasch zwischen mehreren Beteiligten hin und her. Diese ließen die Papiere untereinander zirkulieren, bis dem Fiskus nicht mehr klar war, wem sie überhaupt gehörten. Die Finanzämter erstatteten mehr Steuern als sie zuvor eingenommen hatten. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen.

Möglich geworden sei der europaweite Steuerbetrug laut dem Recherchezentrum auch, weil Deutschland die anderen europäischen Länder erst 2015 vor dem Betrug durch derartige Geschäfte gewarnt habe, obwohl es bereits seit 2002 Bescheid gewusst habe.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version wurden ausschließlich Cum-Ex-Geschäfte als Steuertricks genannt. Zu den steuergetriebenen Aktiengeschäften gehören aber auch sogenannte Cum-Cum- und vergleichbare Geschäfte.

mik/dpa

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