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Wirtschaft

Welthandel

Deutsche Wirtschaft besorgt über Trumps Zoll-Pläne

Mit einer neuen Importsteuer will Donald Trump sein Konzept "America First" weiter umsetzen. Die deutsche Wirtschaft reagiert verunsichert.

DPA

Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI)

Dienstag, 13.02.2018   18:10 Uhr

Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf von US-Präsident Donald Trump geplante höhere Importsteuern. "Wenn die USA ihre Zollbarrieren hochfahren, könnte dies eine gefährliche Spirale in Gang setzen", warnte der Präsident des Industrieverbands BDI, Dieter Kempf. Trump hatte am Montag angekündigt, "wechselseitige Steuern" auf Güter aus Ländern verhängen zu wollen, die ihrerseits Zölle auf amerikanische Waren erheben.

Auch der Präsident des Handelsverbands BGA, Holger Bingmann, zeigte sich besorgt. Es sei davon auszugehen, dass auch deutsche Produkte von den Plänen für eine Steuer oder einen Ausgleichszoll betroffen wären, sagte er.

Verteuerung deutscher Waren in den USA befürchtet

Trump hatte Details zu der Steuer weitgehend offengelassen. Es wird befürchtet, dass deutschen und anderen ausländischen Unternehmen eine Verteuerung ihrer Waren in den USA und damit ein geringerer Absatz droht.

Im Wahlkampf 2016 und seit seinem Amtsantritt Anfang 2017 hat Trump immer wieder darüber geklagt, diverse Staaten würden eine Handelspolitik auf Kosten der USA verfolgen. Internationale Handelsabkommen stellte er auf den Prüfstand oder kündigte sie sogar auf.

Offen bleibt, ob Trump mit seinem neuesten Vorstoß die lange von ihm propagierte Idee einer Grenzausgleichsteuer aufgreifen will. Diese würde im Ausland gefertigte, aber anschließend in den USA angebotene Produkte wie Autos erheblich verteuern, was auch einen schweren Schlag für die Exportnation Deutschland bedeuten würde.

Wichtigster Exportmarkt für Deutschland

"Der Welthandel ist kein Nullsummenspiel, bei dem der eine auf Kosten des anderen gewinnt", sagte BDI-Präsident Kempf weiter. Statt über Strafen und neue Handelshürden nachzudenken, sollten die transatlantischen Beziehungen ausgebaut werden.

Die USA seien der wichtigste Exportmarkt und viertwichtigster Partner bei den Importen für Deutschland. Kempf äußerte sich kurz vor einem Treffen führender Industrieverbände aus den G20-Staaten mit US-Finanzminister Steven Mnuchin in Washington.

BGA-Chef Bingmann sagte, offenbar wolle sich Trump weiter aus der Welthandelsorganisation WTO verabschieden. Dies sei "ein Spiel mit dem Feuer", da dies einer willkürlichen Behandlung von US-Produkten oder Dienstleistungen durch andere Länder Tür und Tor öffnen würde. Das könne nicht im Sinne der US-Wirtschaft sein.

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin teilte mit, es beobachte die Entwicklung genau. Derzeit könne es die Ankündigung Trumps aber nicht bewerten. Erst müssten konkrete Vorschläge abgewartet werden.

ans/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
ProDe 13.02.2018
1. besorgt?? Warum??
Deutschland hat ein massives Importdefizit. Über 200Mrd EUR pro Jahr. So könnte man wenigstens mit den USA zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz kommen. Bisher ist das deutsche Modell jedenfalls nicht nachhaltig. Wenn die USA [...]
Deutschland hat ein massives Importdefizit. Über 200Mrd EUR pro Jahr. So könnte man wenigstens mit den USA zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz kommen. Bisher ist das deutsche Modell jedenfalls nicht nachhaltig. Wenn die USA weiter (bei uns) Schulden machen müssen um unsere Waren zu kaufen...was bekommen wir denn dann wann zurück??? Außer Buchgeld ist da nichts. .. im Grunde schuften wir und verschenken unsere Waren im log run Die Verteuerung deutscher Waren im Ausland ist eher positiv als negativ. Sie zwingt uns endlich wieder dazu über Qualität oder Innovative Produkte zu verkaufen. Dass deutsche Waren zuletzt über Preis verkauft wurden, bei Stückkosten niedriger als in China, ist schlicht schädlich für unsere Wirtschaft. Angesichts der Klimaprobleme sollte regionale Produktion ohnehin gefördert werden. Es ist völlig unverständlich, dass die Transportkosten und Zölle so niedrig sind, dass es sich lohnt ein Commodity-Produkt wie bspw. Autos massenweise um den halben Erdball zu schippern. Dass man einen BMW auch in USA bauen kann ist nun wirklich mehr als bewiesen.
spmc-12355639674612 13.02.2018
2. Deutschland hat nicht nur ein Importdefizit!
Deutschland hat ein hohes Einkommens- und Vermögensdefizit. Die Einkommen und Vermögen müssen steigen, dann wird auch der Import steigen.
Zitat von ProDeDeutschland hat ein massives Importdefizit. Über 200Mrd EUR pro Jahr. So könnte man wenigstens mit den USA zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz kommen. Bisher ist das deutsche Modell jedenfalls nicht nachhaltig. Wenn die USA weiter (bei uns) Schulden machen müssen um unsere Waren zu kaufen...was bekommen wir denn dann wann zurück??? Außer Buchgeld ist da nichts. .. im Grunde schuften wir und verschenken unsere Waren im log run Die Verteuerung deutscher Waren im Ausland ist eher positiv als negativ. Sie zwingt uns endlich wieder dazu über Qualität oder Innovative Produkte zu verkaufen. Dass deutsche Waren zuletzt über Preis verkauft wurden, bei Stückkosten niedriger als in China, ist schlicht schädlich für unsere Wirtschaft. Angesichts der Klimaprobleme sollte regionale Produktion ohnehin gefördert werden. Es ist völlig unverständlich, dass die Transportkosten und Zölle so niedrig sind, dass es sich lohnt ein Commodity-Produkt wie bspw. Autos massenweise um den halben Erdball zu schippern. Dass man einen BMW auch in USA bauen kann ist nun wirklich mehr als bewiesen.
Deutschland hat ein hohes Einkommens- und Vermögensdefizit. Die Einkommen und Vermögen müssen steigen, dann wird auch der Import steigen.
MütterchenMüh 13.02.2018
3. Ende mit Lustig
Die Amis haben sich jahrzehntelang nicht um ihr Handelsbilanzdefizit gekümmert. Da sie problemlos die Lücke in der Zahlungsbilanz durch Kapitalimporte schließen konnten. Diese Politik will man offensichtlich nicht mehr in [...]
Die Amis haben sich jahrzehntelang nicht um ihr Handelsbilanzdefizit gekümmert. Da sie problemlos die Lücke in der Zahlungsbilanz durch Kapitalimporte schließen konnten. Diese Politik will man offensichtlich nicht mehr in diesem Ausmaß fortsetzen. Verständlich. Nachdem China immer dominanter im Welthandel und als Finanzier des amerikanischen Defizites wird, ist eine Politikumkehr mehr wie nur verständlich. Das die deutschen Profiteure dieser vergangenen Ami-Politik nun besorgt sind ist berechtigt. Ganz unverhohlen betreibt da in Washington einer Wirtschaftspolitik.
go2dive 13.02.2018
4. @ProDe
"... Wenn die USA weiter (bei uns) Schulden machen müssen um unsere Waren zu kaufen.." Wenn ein New Yorker Banker einen in Deutschland gefertigten BMW kauft und bar bezahlt machen die USA Schulden bei Deutschland?! Da [...]
"... Wenn die USA weiter (bei uns) Schulden machen müssen um unsere Waren zu kaufen.." Wenn ein New Yorker Banker einen in Deutschland gefertigten BMW kauft und bar bezahlt machen die USA Schulden bei Deutschland?! Da habe ich ja wieder was gelernt. Und ja, BMW baut auch Autos in den USA - aber nur einige Modelle. Oder soll BMW nun jedes Modell mit jeder Motorisierung in den USA bauen - und noch eine Fabrik in Brasilien, eine in Australien, etc., damit die Autos nicht um die halbe Welt geschippert werden müssen? Meinen Sie, dass z.B. die 7er Serie in den USA so viel gekauft wird, dass sich dort eine eigene Fabrik lohnt? Und da deutsche Autos aus deutscher Fertigung in den USA eh schon recht teuer sind, wird so ein Zoll eher nachteilig für die deutschen Beschäftigten sein, da BMW, um wettbewerbsfähig zu sein, dann irgendwo sparen muss - und das wird dann z.B. beim (jetzt hochbezahlten) BMW Werker sein. Sie hauen zwar schöne Schlagworte raus, Substanz hat ihr "Wissen" aber eher weniger.
herwescher 13.02.2018
5. Trump ist scheinbar der Einzige ...
... der ernsthaft gegen die Globalisierung kämpft ... Von ATTAC hört man schon lange nichts mehr ... Vielleicht weil man nicht mit Trump Seit an Seit kämpfen will? Egal: Trump ist scheinbar deutlich effektiver. [...]
... der ernsthaft gegen die Globalisierung kämpft ... Von ATTAC hört man schon lange nichts mehr ... Vielleicht weil man nicht mit Trump Seit an Seit kämpfen will? Egal: Trump ist scheinbar deutlich effektiver. Jedenfalls hat sich die "Deutsche Wirtschaft" nie so über ATTAC echauffiert ...

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