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Wirtschaft

Immobilienmarkt

Für Mieter steigt das Armutsrisiko

Laut einer neuen Studie gelten mittlerweile fast 29 Prozent der Mieter in Deutschland als armutsgefährdet. Ihr Risiko, arm zu werden, ist damit deutlich höher als das von Wohnungseigentümern.

DPA

Hochhäuser in Berlin

Von
Samstag, 19.05.2018   08:42 Uhr

Wer zur Miete wohnt, trägt ein wesentlich höheres Armutsrisiko als Besitzer von Wohneigentum. Zu diesem Ergebnis kommt nach SPIEGEL-Informationen eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Einkommensverteilung in Deutschland. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

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Demnach lag die Armutsrisikoquote für Mieter im Jahr 2015 bei knapp 29 Prozent. Anfang der Neunzigerjahre war der Anteil noch mit 16 Prozent nur gut halb so hoch. "Von dieser Entwicklung sind vor allem junge Erwachsene bis 35 Jahre betroffen", heißt es in der DIW-Studie. Deren Armutsrisikoquote sei seit 2000 um 15 Prozentpunkte gestiegen.

Als armutsgefährdet gilt laut offizieller Definition, wer 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Ob man armutsgefährdet ist, hängt deshalb auch davon ab, wie viel Geld die anderen haben.

Bei Menschen, die Wohneigentum besitzen, liegt dieses Armutsrisiko laut Studie lediglich bei rund vier Prozent und ist seit mehr als zwei Jahrzehnten relativ konstant. Ist die eigene Wohnung erst einmal abbezahlt, entfallen Kreditraten oder Mietzahlungen. Mieter hingegen mussten 2010 laut DIW-Studie im Schnitt rund 28 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für ihre Miete ausgeben. Die durchschnittliche monatliche Bruttokaltmiete lag damals bei 440 Euro. Eigentümer abbezahlter Immobilien sparen dieses Geld und haben dadurch einen Einkommensvorteil.

Die Schere zwischen Mietern und Eigentümern dürfte sich künftig noch weiter öffnen: Parallel zu den Mieten steigt seit 2010 auch die Armutsrisikoquote starker als zuvor. Betroffen sind vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen. "Menschen, die ein Armutsrisiko haben, dürfte es also immer schwerer fallen, auf dem Immobilienmarkt bezahlbare Mietwohnungen zu finden", sagt DIW-Forscher Markus Grabka. Das Institut fordert deshalb von der Politik, mehr für den sozialen Wohnungsbau zu tun.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 94 Beiträge
wiescheid 18.05.2018
1. Ursache und Wirkung
Ich frage mich gerade, ob es nicht eher umgedreht ist, dass die nicht von der Gefahr auf Armut betroffenen sich eben eher das Haus oder die Wohnung leisten. Wenn ich sehe, was wir an Eigenkapital in unser Haus gesteckt haben, da [...]
Ich frage mich gerade, ob es nicht eher umgedreht ist, dass die nicht von der Gefahr auf Armut betroffenen sich eben eher das Haus oder die Wohnung leisten. Wenn ich sehe, was wir an Eigenkapital in unser Haus gesteckt haben, da hätten wir nach der Tilgung noch lange Miete von zahlen können. Insofern glaube ich auch nicht daran, gegenüber Miete viel zu sparen...
bert1966 18.05.2018
2. Gar erstaunlich ...
... auch hat man herausgefunden, dass Besitzer eines Goldklumpens (es sei denn, sie hießen Hans) ein niedrigeres Armutsrisiko haben, als Besitzer eines Schleifsteins. Ebenso haben Arbeitslose ein höheres Armutsrisiko als [...]
... auch hat man herausgefunden, dass Besitzer eines Goldklumpens (es sei denn, sie hießen Hans) ein niedrigeres Armutsrisiko haben, als Besitzer eines Schleifsteins. Ebenso haben Arbeitslose ein höheres Armutsrisiko als Arbeitende, Kranke mehr als Gesunde, Depressive mehr als nicht Depressive ... et, et, et. Gar wunderliche Erkenntnisse. Nur "Studiendesigner", die werden nicht arm, denen kauft jeder jeden Mist als "neue Erkenntnis" ab.
willi_ac 18.05.2018
3. Den Artikel muss man im Zusammenhang mit
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-das-gefaelle-arm-reich-erreicht-neuen-rekord-a-1208343.html sehen. Lieben Sozen, tut etwas, sonst habt ihr bald eure Daseinsberechtigung völlig verspielt! Und jetzt kommt [...]
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-das-gefaelle-arm-reich-erreicht-neuen-rekord-a-1208343.html sehen. Lieben Sozen, tut etwas, sonst habt ihr bald eure Daseinsberechtigung völlig verspielt! Und jetzt kommt nicht mit der Mietpreisbremse ...
bluebill 18.05.2018
4. Kein Wunder.
Es wird seitens der Politik ja seit Jahren immer nur privates Wohneigentum gefördert, möglichst jeder sollte ein Eigenheim erwerben oder bauen. Wer sich das leisten kann, hat das natürlich getan. Wer es sich eben nicht leisten [...]
Es wird seitens der Politik ja seit Jahren immer nur privates Wohneigentum gefördert, möglichst jeder sollte ein Eigenheim erwerben oder bauen. Wer sich das leisten kann, hat das natürlich getan. Wer es sich eben nicht leisten kann, oder nicht leisten will, den erwischt jetzt die sog. Freie Marktwirtschaft - was rar ist, wird teuer. Leider hat die Politik auch alle Wohnanlagen aus Allgemeinbesitz verscherbelt, weil es schnelles Geld brachte und sowieso alles "den Märkten" überlassen wurde. Wohnen ist somit zum Luxusgut geworden. Es ist eine Frage der Zeit, bis wieder Legionen von Wohnungslosen existieren, und von Menschen, die sich keinen angemessene Wohnraum leisten können und in engen, dunklen Löchern zusammengepfercht leben müssen. Auch wenn sie arbeiten. Verhältnisse wie zur Zeit der Frühindustrialisierung. Nur hat damals so mancher Unternehmer für seine Arbeiter Wohnungen gebaut, was heute nicht mehr üblich ist. Also werden wohl zwangsläufig auch die Kriminalitätsraten ansteigen, irgendwie müssen die Leute ja essen... - Meines Erachtens ist es sehr kurzsichtig, immer nur auf kapitalistische Mechanismen zu setzen. Das grenzt eben sehr viele Menschen aus.
stiller-denker 18.05.2018
5. Was für eine Logik
Ist doch klar, wenn ich Eigentum habe, dann kommt das erstmal unter den Hammer und wird aufgebraucht, bevor ich nach unten durch falle. Und wenn es immer mehr Mindestlohn-Arbeitsplätze gibt, dann kann es für die unteren ja nur [...]
Ist doch klar, wenn ich Eigentum habe, dann kommt das erstmal unter den Hammer und wird aufgebraucht, bevor ich nach unten durch falle. Und wenn es immer mehr Mindestlohn-Arbeitsplätze gibt, dann kann es für die unteren ja nur nach unten gehen, wie sollen sie da auch Eigentum schaffen? Und die großen Immobilienfirmen gehen mittlerweile an die Börse, da einige Städte wie z.B. die Stadt Dresden alle Wohnungen verkaufen wo man mal sanieren müsste. Der Wandel ist nicht mehr zu stoppen, so wie zuerst die Einkaufszentren und jetzt der Online-Handel die Citys leert. Schöne neue Welt.

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