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Wirtschaft

Tirade gegen Fed

Trump legt sich mit US-Notenbank an

US-Präsident Trump stellt in einem Interview die Unabhängigkeit der Notenbank Fed infrage - und spricht sich gegen höhere Zinsen aus. Die Äußerungen erinnern an die türkische Geldpolitik unter Staatschef Erdogan.

REUTERS

Donald Trump beim Interview im Oval Office

Dienstag, 21.08.2018   12:20 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed deutlich kritisiert. An Fed-Präsident Jerome Powell gerichtet sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters: "Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert."

Politiker wünschen sich oft niedrige Zinsen, weil sie sich davon mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit erhoffen. Notenbanker wiederum haben auch die Inflation im Blick - zu niedrige Zinsen könnten die Preise in die Höhe treiben.

Aus diesem Grund hat die Fed zuletzt mehrfach die Leitzinsen in kleinen Schritten angehoben - zuletzt erhöhte sie im Juni den Schlüsselsatz zur Geldversorgung der Geschäftsbanken auf die aktuell gültige Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Darüber hinaus stellte sie weitere Zinsschritte in Aussicht. Dies passt Trump ganz offensichtlich nicht.

Endlich verständlich

In dem Reuters-Interview sagte der US-Präsident, die Fed solle sich zurückhalten und ihm "etwas helfen". Eine unverhohlene Aufforderung, die ohnehin starke Konjunktur in den USA über eine lockere Geldpolitik weiter anzuheizen.

Welche Gefahren eine solche Politik mit sich bringt, ist derzeit in der Türkei zu sehen. Der dortige Präsident Recep Tayyip Erdogan hält nichts von der Unabhängigkeit der Notenbank und drängte sie mehrfach zu einer Niedrigzinspolitik - gegen den Rat der allermeisten Ökonomen. Das Ergebnis ist ein dramatischer Verfall der türkischen Lira mit entsprechenden wirtschaftlichen Verwerfungen (eine Analyse zur Lage in der Türkei lesen Sie hier).

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Die Attacken auf Notenbankchef Powell sind bemerkenswert, da es Trump selbst war, der Powell im vergangenen Jahr als Nachfolger von Janet Yellen für die Fed-Spitze nominiert hatte.

Auf die Frage, ob er an die Unabhängigkeit der Fed glaube, sagte Trump in dem Interview, er glaube an eine Fed, die "das Richtige für das Land tut". Sollten weitere Zinserhöhungen folgen, werde er dies öffentlich kritisieren.

In dem Interview warf Trump außerdem China und Europa vor, ihre Währungen zu manipulieren - gemeint ist damit offenbar, dass sie ihre Wechselkurse gegenüber dem Dollar angeblich künstlich drücken. Ein niedriger Eurokurs zum Beispiel begünstigt Warenexporte aus der EU in die USA.

AP

Trump und Powell (November 2017)

Von den Handelsgesprächen mit China in dieser Woche erwartet Trump eigenen Angaben zufolge nicht viel. Er habe keinen Zeitrahmen für ein Ende des Handelsstreits.

Am Montagabend zeigte sich die US-Börse stabil. Der Dow Jones schloss 0,4 Prozent höher auf 25.758 Punkten. Im späten US-Handel gaben die Börsen einen Teil ihrer Gewinne jedoch ab. Grund dafür dürften Trumps Äußerungen in Richtung Fed gewesen sein.

wal/Reuters

insgesamt 66 Beiträge
kahabe 21.08.2018
1. Unabhängige Notenbanken
Gut, dass Trump kein "Sultan" ist. Und die USA nicht wie Kleinasien in den Abgrund reißen kann. Soviel "Demokratie" gibt es in Nordamerika schon noch, um dem entgegenzuwirken. Solange das gemeine Volk außen [...]
Gut, dass Trump kein "Sultan" ist. Und die USA nicht wie Kleinasien in den Abgrund reißen kann. Soviel "Demokratie" gibt es in Nordamerika schon noch, um dem entgegenzuwirken. Solange das gemeine Volk außen vor bleibt, von anbeginn. Schlecht nur vor unsere Handelsbilanz, bleibt sie eben in hohem Plus.
acsa77 21.08.2018
2. Wenn er ernsthaft daran denkt, die private Gelderzeugung...
...staatlich anzutasten, dann wird er statistisch gesehen den schrecklichen Schicksal von drei seiner Vorgänger folgen. Ironie des Schicksals wäre es, wenn eine Verschwörungstheorie einen Verschwörungsheorie-Fan an den Kragen [...]
...staatlich anzutasten, dann wird er statistisch gesehen den schrecklichen Schicksal von drei seiner Vorgänger folgen. Ironie des Schicksals wäre es, wenn eine Verschwörungstheorie einen Verschwörungsheorie-Fan an den Kragen käme. Oder reihen wir dies in die Tautologiekategorie des Tannenbaumtafels im Film "Zurück in die Zukunft" ein? Gerade vor paar Wochen erklärte ein Bekannter von mir, das Trump seine Amtszeit durchhalten wird, weil er trotz seinem Elefantenverhalten sehr viele Lobbyinteresen vertritt. (Gut oder schlecht.) Außer, er traut sich an die FED ran. Können Elefanten lügen?
ercans 21.08.2018
3. Umdenken!
Zinsen sind Gift für die Menschen, sollten weltweit abgeschafft werden. Wirtschaft ohne Zinsen ist auch möglich. Die Welt braucht für das Überleben radikale Massnahmen für die Zukunft. Die Fehler der Menschheit müssen [...]
Zinsen sind Gift für die Menschen, sollten weltweit abgeschafft werden. Wirtschaft ohne Zinsen ist auch möglich. Die Welt braucht für das Überleben radikale Massnahmen für die Zukunft. Die Fehler der Menschheit müssen korrigiert werden, ökologisches umdenken allein, ohne Humanwirtschaftliche Massnahmen wird nicht reichen.
Actionscript 21.08.2018
4. Trump setzt seine diktatorische Politik...
...fort. Mit seiner Kritik an der Notenbank ist er es, der die Unabhängigkeit der Bank beeinträchtigt. Auch wenn die Zinsen niedrig bleiben, wird sich an der Politik der Unternehmen nichts ändern, und Vollbeschäftigung gibt es [...]
...fort. Mit seiner Kritik an der Notenbank ist er es, der die Unabhängigkeit der Bank beeinträchtigt. Auch wenn die Zinsen niedrig bleiben, wird sich an der Politik der Unternehmen nichts ändern, und Vollbeschäftigung gibt es mittlerweile. Die Steuerreform war schon ein grosser Fehler. Es hat sich gezeigt hat, dass Unternehmen nicht investieren oder Löhne erhöhen sondern Aktien zurückkaufen. Es profitieren also nur Wenige.
hansriedl 21.08.2018
5. Wenn die Kohle knapp wird
fehlt auch das Geld für die Mauer. Bei 20 Billion Schulden wirkt sich eine Zins Erhöhung gewaltig aus. Immerhin sind die USA nicht die Türkei. Trump hat ja die FED. Die kann unbegrenzt Blüten drucken um sie Weltweit gegen [...]
fehlt auch das Geld für die Mauer. Bei 20 Billion Schulden wirkt sich eine Zins Erhöhung gewaltig aus. Immerhin sind die USA nicht die Türkei. Trump hat ja die FED. Die kann unbegrenzt Blüten drucken um sie Weltweit gegen Zinsen zu verleihen.
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