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Wirtschaft

Trump und die Banken

Worte ohne Taten

Donald Trump will die Großbanken zerschlagen. Oder doch nicht? Die einst gesetzlich verankerte Trennung von Investment- und Geschäftsbanken ist nicht durchsetzbar - und nur ein Schlagwort aus Trumps Populisten-Vokabular.

AFP

Donald Trump

Von , New York
Samstag, 06.05.2017   07:33 Uhr

Zehn Jahre ist es her. Im Frühjahr 2007 begann die Finanzkrise: Erst kollabierten der Immobilienmarkt und die Hypothekenbanken, dann immer mehr auch andere Banken. Als schließlich die Wall-Street-Institution Lehman Brothers unterging, schien das Ende der alten US-Finanzordnung besiegelt.

Doch die Ordnung hielt sich. Geschrumpft zwar und in einer aus staatlichen Auflagen gestrickten Zwangsjacke, ansonsten aber unverändert: Heute sind die konsolidierten "Big Four", die vier größten US-Banken (JP Morgan Chase, Bank of America, Wells Fargo, Citigroup) größer - und mächtiger - denn je.

US-Präsident Donald Trump will nun angeblich einen neuen Anlauf machen, die amerikanischen Megabanken zu zerschlagen. Behauptet er jedenfalls: "Ich prüfe das gerade", sagte er in einem Interview. "Es gibt einige, die zum alten System zurückkehren wollen, oder? Also schauen wir uns das an."

Banker über Trump: "Ich nehme ihn nicht mehr ernst"

Es war eine potenziell folgenschwere Drohung, die die Finanzmärkte aufscheuchte. Aber wie alles, was Trump sagt, ist auch sie mit Vorsicht zu genießen. Erstens wäre das ein historischer Kraftakt, den der US-Kongress kaum stemmen könnte. Zweitens widersprach sich Trump damit selbst, hat er doch geschworen, die Regulierungen aufzuheben und "sehr gute Dinge" für die Banken zu tun. Drittens redet er sowieso viel, wenn der Tag lang ist: "Ich nehme ihn nicht mehr ernst", sagt ein Banker. "Ich höre immer weniger hin."

Trotzdem horchten andere auf. Bei einer Finanzkonferenz in Los Angeles, die zeitgleich stattfand, war das Interview Gesprächsthema Nummer eins - zumal Trumps Finanzminister Steven Mnuchin in einer Rede gerade kein Wort davon erwähnt hatte. Bankaktien knickten spontan ein, vor allem die der möglicherweise betroffenen Institute, erholten sich aber schnell wieder - auch das ein Zeichen für die Kurzlebigkeit Trump'scher Verlautbarungen.

Was die Banken erschreckte, war ein unsichtbares Gespenst, das in dem Interview nicht mal vorkam: Glass-Steagall. Das so genannte Gesetz von 1933 schrieb, als Reaktion auf die damalige Weltwirtschaftskrise, eine strikte Trennung von Investment- und Geschäftsbanken vor. Seine Rücknahme 1999 unter Bill Clinton führte zu einer Fusionswelle und unter anderem zu der Kreation des Finanzmolochs Citigroup. Nach der Krise von 2008 war eine Wiederbelebung von Glass-Steagall vor allem bei Progressiven populär, doch Barack Obamas große Wall-Street-Reform von 2010 verzichtete darauf.

Trumps Motto: Weniger ist mehr

Trump hat die Auflösung dieser Reform eingeleitet. Doch nicht, weil er deren Auflagen zu lasch findet - sondern zu streng. Sein Motto: Weniger ist mehr.

Allein eine Rücknahme der Obama-Reform, die längst in alle Winkel der Finanzbranche gesickert ist, dürfte schwer und zeitraubend werden: Der kaputte Kongress wird sich schon jetzt bei der geplanten Annullierung von Obamacare überhoben haben. Eine darüber gestülpte Zerschlagung der Banken, die bei Politikern auf allen Seiten unbeliebt ist, hat politisch keine Chance - nicht zuletzt auch, weil die Wall Street zu deren Top-Parteispendern gehört.

Außerdem hat Trump sein Team, entgegen seiner populistischen Botschaft, mit Ex-Bankern und Wall-Street-Veteranen bestückt. Allen voran sein wirtschaftspolitischer Adlatus Gary Cohn (Goldman Sachs), Finanzminister Mnuchin (Goldman Sachs), dessen Vize Jim Donovan (Goldman Sachs) und Bankenaufseher Keith Noreika, ein Wall-Street-Anwalt. Auch stützt er sich gerne auf den Rat von JP-Morgan-Chef Jamie Dimon, der eine Auferstehung von Glass-Steagall als einen "Anachronismus der Vergangenheit" ablehnt.

Es scheint ein weiterer Fall von unerfüllten Ankündigungen Trumps zu werden

Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass das Weiße Haus diese Option intern zwar mal kurz angerissen, aber nie ernsthaft thematisiert habe. "Es widerspräche den Interessen Amerikas", sagte auch Brian Moynihan, der Vorstandsvorsitzende der Bank of America, und nannte die Idee "verrückt".

Selbst die Befürworter neuer Glass-Steagall-Vorschriften sehen keine Aussichten auf Veränderung: Bisher habe Trump nur davon geredet, ohne dem Taten folgen zu lassen, klagte Marcus Stanley, der Strategiechef der Aktivistengruppe Americans for Financial Reform - was sonst könne man auch erwarten von einem Präsidenten, der seine Politik "von den großen Banken steuern lässt".

So scheint dies nur ein weiterer Fall, in dem Trump vollmundig etwas ankündigt, das er entweder nicht richtig versteht oder gleich wieder vergisst. Staatlicher Druck auf die Banken oder andere Branchen? "Wir haben gerade erst angefangen, uns die Regulierungen vorzuknöpfen", sagt Trump in seiner jüngsten samstäglichen Videoansprache. "Sie sind weg vom Fenster."

Mit Agenturmaterial

insgesamt 36 Beiträge
stefan.p1 06.05.2017
1. Mal abwarten,
Bei Obamacare wurde bis vor einer Woche auch Trump`s Niederlage gefeiert. Jetzt sieht die Sache schon etwas anders aus. Ich glaube nicht,das Trump so schnell aufgibt.
Bei Obamacare wurde bis vor einer Woche auch Trump`s Niederlage gefeiert. Jetzt sieht die Sache schon etwas anders aus. Ich glaube nicht,das Trump so schnell aufgibt.
aurichter 06.05.2017
2. Ohne Worte
Quelle hier/ Deregulierung: Trump will "sehr gute Dinge" für Banken tun (04.04.2017) Rücknahme der Banken-Regulierung: Donald Trump lässt die Wall Street jubeln (04.02.2017) / ..und nun?
Quelle hier/ Deregulierung: Trump will "sehr gute Dinge" für Banken tun (04.04.2017) Rücknahme der Banken-Regulierung: Donald Trump lässt die Wall Street jubeln (04.02.2017) / ..und nun?
trumpfangirl18 06.05.2017
3. genial
wenn er das hinbekommt, dann hat viele neue fans. das ist sehr sinnvoll die beiden bankgeschäftsarten zu trennen. es bleibt ein rätsel, warum solch eine logische trennung nicht schon ab 2007 wieder erzwungen wurde. es ist [...]
wenn er das hinbekommt, dann hat viele neue fans. das ist sehr sinnvoll die beiden bankgeschäftsarten zu trennen. es bleibt ein rätsel, warum solch eine logische trennung nicht schon ab 2007 wieder erzwungen wurde. es ist offensichtlich, dass die aussetzung in 1999 einer der grössten fehler der wirtschaftsgeschichte war.
rkinfo 06.05.2017
4. Glass-Steagall war sinnvoll
Die Vermischung von Geschäftsarten dient doch nur der Verschleierung von Geschäftsrisiken. Eine reine Investment-Bank müsste dann reine, ungesicherte Finanzprodukte mit gebündelten US-Kreditrisiken aus PKW- und [...]
Die Vermischung von Geschäftsarten dient doch nur der Verschleierung von Geschäftsrisiken. Eine reine Investment-Bank müsste dann reine, ungesicherte Finanzprodukte mit gebündelten US-Kreditrisiken aus PKW- und Studiengebühren anbieten ... würde kaum einer kaufen. Vermischt man das alles mit Inmobilienkrediten und Einlagenschutzfonts der Geschäftsbanken kann man die Kredite los werden - bis zur nächsten Krise. Allerdings müsste ein globales Glass-Steagall kommen - US-national heute kaum wirksam.
Irene56 06.05.2017
5. Warum ist diese
gesunde Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken undurchsetzbar? Weil in Wahrheit die Finanzbosse das Sagen haben und den Regierungen vorschreiben, was geht und was nicht geht? Warum leisten sich die Länder dann [...]
gesunde Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken undurchsetzbar? Weil in Wahrheit die Finanzbosse das Sagen haben und den Regierungen vorschreiben, was geht und was nicht geht? Warum leisten sich die Länder dann überhaupt noch eine teure Regierungsmannschaft, dann können doch gleich Goldman-Sachs und Soros die Weltherrschaft übernehmen. De facto ist das ja längst geschehen.

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