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Wirtschaft

Dürrekrise

EU-Kommission zahlt Subventionen früher als geplant

Von der Trockenheit geplagte Landwirte sollen dieses Jahr früher Abhilfe bekommen: Die EU-Kommission plant, Subventionen bereits im Oktober auszuschütten. Langfristig sollen die Zuwendungen aber zurückgehen.

DPA
Donnerstag, 02.08.2018   15:54 Uhr

Die EU-Kommission will Subventionen für von der Dürre betroffene Bauern früher auszahlen als sonst. Die Landwirte sollen bis zu 70 Prozent der sogenannten Direktzahlungen bereits bis Mitte Oktober erhalten anstatt wie üblich im Dezember.

Auch die Auszahlung der Mittel für landwirtschaftliche Entwicklung sollten vorgezogen werden. Mit diesen Maßnahmen will die EU-Kommission helfen, Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Vor allem Viehhalter müssen derzeit mehr Geld als geplant investieren, da sie Futter zukaufen müssen.

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Landwirte und Dürre: Staubtrockene Erde

Ökologische Flächen dürfen nun als Futterquelle genutzt werden

Agrarbetriebe in Europa erhalten derzeit die größten Zuwendungen aus dem EU-Haushalt. Im Budget sind pro Jahr etwa 58 Milliarden Euro an Fördergeldern vorgesehen - etwa 40 Prozent des Gemeinschaftsbudgets. Der Großteil der Gelder wird pro Hektar ausgezahlt, ein Teil der Mittel ist an Umweltauflagen gekoppelt.

Die EU-Kommission lockerte zudem die Vorschriften für ökologische Flächen, die landwirtschaftlich nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden dürfen. Die Böden können nun zur Fütterung der Tiere eingesetzt werden. Grundsätzlich könnten EU-Staaten in einem Zeitraum von drei Jahren bis zu 15.000 Euro pro Landwirt an Beihilfe für erlittene Schäden gewähren, sagte Agrarkommissar Phil Hogan.

HOSLET/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Phil Hogan

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hatte die EU am Mittwoch aufgefordert, sich für Bauern in der Trockenperiode stärker einzusetzen. Zuvor hatte der deutsche Bauernverband Milliarden-Nothilfen gefordert.

Auf lange Sicht weniger Mittel für Landwirte geplant

Die EU-Kommission hatte eigentlich vorgeschlagen, im künftigen sogenannten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) von 2021 bis 2027 die Zuwendungen zu reduzieren. Als Grund gibt sie unter anderem an, dass wegen des anstehenden Austritts Großbritanniens 2019 aus der Europäischen Union weniger Geld im EU-Haushalt zur Verfügung stehen wird.

Zudem soll für andere Aufgaben - wie etwa die Bewältigung der Migration - mehr Geld zur Verfügung stehen. Die EU-Staaten und das Europaparlament verhandeln derzeit noch über die Vorschläge.

ans/Reuters/dpa

insgesamt 5 Beiträge
bristolbay 02.08.2018
1. Endlich, es wird Manna regnen
für die Großen in der Landwirtschaft ein Tröpfchen für Ihren Reichtum, für die kleinen Landwirt kommt es in vielen Fällen bestimmt zu spät. Da hat die Sparkasse/Volksbank/Bank/Landhändler/Genossenschaft schon längst den [...]
für die Großen in der Landwirtschaft ein Tröpfchen für Ihren Reichtum, für die kleinen Landwirt kommt es in vielen Fällen bestimmt zu spät. Da hat die Sparkasse/Volksbank/Bank/Landhändler/Genossenschaft schon längst den Daumen nach unten gemacht, wohlwissend, weil aus dem Kreis der Großen der Hunger nach weiterem Land mit schönen Subventionen riesig ist. Hilfe für den kleinen Landwirt oder für den Bio-Bauern ist nur Schein.
regelaltersrentner 02.08.2018
2.
Sie haben sicherlich mitbekommen, dass die Gelder nur früher ausbezahlt werden, also im Oktober, statt Dezember und keine neue Subventionen wegen der Dürre?
Zitat von bristolbayfür die Großen in der Landwirtschaft ein Tröpfchen für Ihren Reichtum, für die kleinen Landwirt kommt es in vielen Fällen bestimmt zu spät. Da hat die Sparkasse/Volksbank/Bank/Landhändler/Genossenschaft schon längst den Daumen nach unten gemacht, wohlwissend, weil aus dem Kreis der Großen der Hunger nach weiterem Land mit schönen Subventionen riesig ist. Hilfe für den kleinen Landwirt oder für den Bio-Bauern ist nur Schein.
Sie haben sicherlich mitbekommen, dass die Gelder nur früher ausbezahlt werden, also im Oktober, statt Dezember und keine neue Subventionen wegen der Dürre?
ladida1970 02.08.2018
3. irgendwas läuft falsch in der Agrarindustrie..
Da werden also bereits 40% des EU-Haushalts in der Landwirtschaft ausgegossen -und es ist immer noch nicht genug. Anno 2003 -die meisten werden sich noch an die fürchterliche Hitze damals erinnern- bekamen die deutschen Bauern [...]
Da werden also bereits 40% des EU-Haushalts in der Landwirtschaft ausgegossen -und es ist immer noch nicht genug. Anno 2003 -die meisten werden sich noch an die fürchterliche Hitze damals erinnern- bekamen die deutschen Bauern dann noch Sonderzahlungen vom Steuerzahlen i.H.v. €78 Millionen; heuer "fordert" (!) die Branche mal eben €1000 Millionen. Zusätzlich. -Man muss kein Nobelpreisträger sein, um festzustellen, dass die Agrarindustrie anscheinend komplett marode und sanierungsbedürftig ist. Vielleicht sollte man einfach die Kräfte des freien Markts auch mal in der Landwirtschaft wirken lassen: Die unrentablen Betriebe pleite gehen lassen, damit die rentablen auch ohne marktverzerrende Subventionen auskommen. (Hart für die Betroffenen, aber hey -warum sollen ausgerechnet Landwirte gegenüber allen anderen Berufstätigen eigentlich bevorzugt werden?)
bristolbay 02.08.2018
4. Habe richtig gelesen,
nur, es ist eine Frage wer es nötiger hat. Die Großbetriebe die wie ein Industrieunternehmen geführt werden oder der kleine Landwirt, der existenziell vor dem Ruin steht. Erstere müssen halt auch mal mit dem Risiko leben [...]
Zitat von regelaltersrentnerSie haben sicherlich mitbekommen, dass die Gelder nur früher ausbezahlt werden, also im Oktober, statt Dezember und keine neue Subventionen wegen der Dürre?
nur, es ist eine Frage wer es nötiger hat. Die Großbetriebe die wie ein Industrieunternehmen geführt werden oder der kleine Landwirt, der existenziell vor dem Ruin steht. Erstere müssen halt auch mal mit dem Risiko leben und können es eh unter ihren anderen Beteiligungserlösen ausgleichen als der Familienbetrieb.
bristolbay 02.08.2018
5. Sie haben vollkommen Recht
Man sollte sich einmal vorstellen, irgendein Industriebetrieb dürfte "gedankenlos" produzieren, wóhlwissend, der Staat nimmt die Produkte ab (früher Milchsee und Butterberg) oder subventioniert alles. Mancher [...]
Zitat von ladida1970Da werden also bereits 40% des EU-Haushalts in der Landwirtschaft ausgegossen -und es ist immer noch nicht genug. Anno 2003 -die meisten werden sich noch an die fürchterliche Hitze damals erinnern- bekamen die deutschen Bauern dann noch Sonderzahlungen vom Steuerzahlen i.H.v. €78 Millionen; heuer "fordert" (!) die Branche mal eben €1000 Millionen. Zusätzlich. -Man muss kein Nobelpreisträger sein, um festzustellen, dass die Agrarindustrie anscheinend komplett marode und sanierungsbedürftig ist. Vielleicht sollte man einfach die Kräfte des freien Markts auch mal in der Landwirtschaft wirken lassen: Die unrentablen Betriebe pleite gehen lassen, damit die rentablen auch ohne marktverzerrende Subventionen auskommen. (Hart für die Betroffenen, aber hey -warum sollen ausgerechnet Landwirte gegenüber allen anderen Berufstätigen eigentlich bevorzugt werden?)
Man sollte sich einmal vorstellen, irgendein Industriebetrieb dürfte "gedankenlos" produzieren, wóhlwissend, der Staat nimmt die Produkte ab (früher Milchsee und Butterberg) oder subventioniert alles. Mancher unrentable Industriezweig würde heute noch herumkasperln. Frage: Wer hat die beste Lobby bei welcher Partei. Nur mal googeln nach dem Abgeordneten mit den höchsten Bezügen, der ist doch Teil eines riesigen Konzerns, hervorgegangen aus dem Zusammenschluß von Landwirten (BayWa). Dies ist mittlerweile eine internationale Krake, hat in vielen Kontinenten seine Finger im Geschäft.

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