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Wirtschaft

Ludwig-Erhard-Preis

Merz lehnt offenbar Ehrung durch Tichy ab

Friedrich Merz will offenbar nicht mit dem Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet werden. Einem Bericht zufolge liegt das an Stiftungschef Roland Tichy, der ein rechtskonservatives Blog betreibt. Mehrere Jury-Mitglieder traten zurück.

imago/Horst Galuschka

Roland Tichy

Montag, 16.07.2018   10:47 Uhr

Der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz hat offenbar eine Ehrung durch die Ludwig-Erhard-Stiftung abgelehnt und damit eine Diskussion über die Rolle von Stiftungschef Roland Tichy ausgelöst. Das berichtet das "Handelsblatt".

In einem internen Schreiben begründen Jury-Vertreter die Absage dem Bericht zufolge damit, dass Merz nicht von Stiftungschef Tichy geehrt werden wolle, der auch den umstrittenen Blog "Tichys Einblick" betreibt. Daraufhin zogen sich vier Jury-Mitglieder des Ludwig-Erhard-Preises aus dem Gremium zurück.

"Tichys Einblick" ist eine Publikation des früheren Chefredakteurs der "Wirtschaftswoche". Dort kommen regelmäßig rechtskonservative Autoren zu Wort, die politisch Andersdenkende zum Teil heftig attackieren. So wurden "grün-linke Gutmenschen" in einem Gastbeitrag als "geistig-psychisch krank" bezeichnet. Nachdem der Beitrag auf dem Karriere-Portal Xing für Empörung gesorgt hatte, legte Tichy Anfang 2017 die Herausgeberschaft des redaktionellen Angebots Xing-News nieder.

In einer internen Email, aus der das "Handelsblatt" zitiert sollen die Jury-Mitglieder Rainer Hank, Ulric Papendick, Nikolaus Piper und Ursula Weidenfeld Merz' Beweggründe schildern. Er tue sich grundsätzlich schwer mit Preisen, habe Merz laut der Mail mitgeteilt, "in diesem Fall aber besonders, weil er nicht mit dem Vorsitzenden der Stiftung auf einer Bühne auftreten wolle". Kurz darauf hätten sie Konsequenzen gezogen.

"Wenn es uns nicht einmal mehr gelingt, einen Preisträger auszuzeichnen, der der Stiftung nahesteht, und der große Verdienste um die Marktwirtschaft erworben hat, hat entweder die Stiftung, oder die Jury ein Problem", schreiben sie in der internen Email: "Wir glauben, dass die Stiftung ein Problem hat." Am Wochenende trat nach Angaben des Handelsblatts ein weiteres Jurymitglied zurück.

Tichy sieht "keine Unstimmigkeiten"

Tichy weist die Vorwürfe dem Bericht zufolge zurück. Er hat demnach schriftlich mitgeteilt, dass die Hauptversammlung der Stiftung ihn gebeten habe, sein Renommee und seine Reputation in den Dienst der Stiftung zu stellen. "Dieses habe ich getan und werde es weiterhin tun." In der Ludwig-Erhard-Stiftung sehe er "keine Unstimmigkeiten". Die Frage, warum Merz den Preis nicht annehmen wolle, könne nur Merz selbst beantworten . "Im Übrigen hat er mitgeteilt, dass er keinerlei Preise annimmt", schreibt Tichy demnach.

Die Jury-Mitglieder sollen Tichy in ihrem Schreiben auch anderweitig Vorwürfe machen. "Seit dem vergangenen Jahr haben wir Probleme, Laudatoren zu finden. Viele haben mit Verweis auf die Rolle des Vorsitzenden der Stiftung in seiner privaten Publikation abgelehnt", habe es in der Email geheißen.

Viele Male habe die Jury das Gespräch mit dem Vorsitzenden der Stiftung gesucht "und ihn gebeten, die Arbeit der Stiftung und seine persönliche Publikation besser voneinander zu trennen", auch nach der Absage von Merz. Aus Sicht der zurückgetretenen Jury-Mitglieder vermische Tichy seine publizistische Tätigkeit mit der Arbeit der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Tichy bestreite das. Zudem verweise er darauf, dass Laudatoren der vergangenen Jahre beispielsweise Wolfgang Schäuble, Christian Lindner, Karsten Linnemann, oder Lars Feld gewesen seien. Erst Ende Juni sei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Redner bei der Stiftung gewesen, auf der Hauptversammlung war demnach Jens Spahn zu Gast. "Eine Absage wegen Tichys Einblick auf eine Anfrage ist mir nicht bekannt", so Tichy weiter.

ans/dab

insgesamt 43 Beiträge
mostly_harmless 16.07.2018
1.
Chapeau, Herr Merz für Rückgrat in Zeiten, wo Rechtsradikale die Grenzen des Sagbaren mehr und mehr in ihrem Sinne verschieben
Chapeau, Herr Merz für Rückgrat in Zeiten, wo Rechtsradikale die Grenzen des Sagbaren mehr und mehr in ihrem Sinne verschieben
interessierter10 16.07.2018
2. Ein Tichy wird nie freiwillig zurücktreten.
Menschen mit dieser Geisteshaltung sehen Probleme immer bei anderen, nie bei sich selbst. Mangelnde Empathie ist ja nun mal wesentlicher Bestandteil rechter Doktrin.
Menschen mit dieser Geisteshaltung sehen Probleme immer bei anderen, nie bei sich selbst. Mangelnde Empathie ist ja nun mal wesentlicher Bestandteil rechter Doktrin.
heineken1 16.07.2018
3.
Tichy ist doch nicht besser als andere Demagogen. Nur schafft er es, vordergründig seriös auftreten und dann dennoch den kleinen bösartigen rechten Wadenbeißer zu geben. Er ist nichts anderes als einer dieser vielen [...]
Tichy ist doch nicht besser als andere Demagogen. Nur schafft er es, vordergründig seriös auftreten und dann dennoch den kleinen bösartigen rechten Wadenbeißer zu geben. Er ist nichts anderes als einer dieser vielen »Hassprediger«.
qoderrat 16.07.2018
4.
So eine Reaktion hätte ich Hr. Merz nicht zugetraut, ich muss in dieser Sache klar mein Vorurteil revidieren und Abbitte leisten. Mein Respekt, auch für die Art und Weise der Ablehnung ohne Selbstdarstellung in der Presse.
So eine Reaktion hätte ich Hr. Merz nicht zugetraut, ich muss in dieser Sache klar mein Vorurteil revidieren und Abbitte leisten. Mein Respekt, auch für die Art und Weise der Ablehnung ohne Selbstdarstellung in der Presse.
obiwarndemokrat 16.07.2018
5. Herr Merz
klasse - klare Kante. Gut so.
klasse - klare Kante. Gut so.

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