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Wirtschaft

Familienprojekt

G20 buhlt um Ivanka Trumps Gunst

Beim G20-Gipfel dürfen Donald und Ivanka Trump einen Fonds zur Frauenförderung präsentieren. Den Eindruck der Vetternwirtschaft nehmen die Gastgeber in Kauf. Es geht um Zugang zum Präsidenten.

AP

Donald und Ivanka Trump (3. und 4. von links) beim G20-Gipfel

Von und
Samstag, 08.07.2017   14:41 Uhr

Ein Regierungschef lobt öffentlich seine Tochter für ein Projekt, dem er gleichzeitig Millionen an Unterstützung zusagt: So eine Situation kannte man bislang eher aus autokratischen Systemen, die von Familienclans regiert werden. Am Samstagmorgen lieferte US-Präsident Donald Trump diese Situation in Hamburg.

"Ich bin sehr stolz auf meine Tochter Ivanka", sagte Trump bei einer gemeinsamen Präsentation auf dem G20-Gipfel. "Sie hätte es so viel einfacher, wenn sie nicht meine Tochter wäre."

Eine absurde Behauptung. Zwar ist Ivanka Trump mit eigener Modelinie erfolgreich als Unternehmerin tätig. Doch ihr Nachname dürfte dabei nicht geschadet haben. Und in Hamburg absolvierte Trump nun einen Auftritt, den sie ohne ihre Stellung als Präsidententochter so nie gehabt hätte: Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Weltbankpräsident Jim Yong Kim und IWF-Chefin Christine Lagarde und eben ihrem Vater präsentierte Trump einen Fonds zur Förderung von Unternehmerinnen in Entwicklungsländern.

50 Millionen Dollar von Donald Trump

Der Fonds entstand im Rahmen der sogenannten W20-Initiative, die sich der wirtschaftlichen Förderung und Gleichberechtigung von Frauen verschrieben hat. Den Fonds hatte Merkel bereits im April auf einer Konferenz in Berlin angekündigt, an der auch Ivanka Trump teilnahm. In Hamburg wurden nun Details zur Finanzierung bekannt gegeben.

Demnach sind bislang insgesamt 325 Millionen Dollar zusammengekommen. Für die USA sagte Trump 50 Millionen Dollar zu, weitere Beiträge kommen unter anderem von Kanada, China und Deutschland. Merkel lobte das Projekt als "wirklichen Mehrwert".

Doch selbst bei Beteiligten bleibt man bei der Bewertung vorerst vorsichtig. Man begrüße den Fonds, sagt Claudia Große-Leege vom Verband deutscher Unternehmerinnen, der bei W20 mitarbeitet. Es müsse sich aber noch zeigen, wofür das Geld tatsächlich verwendet werde, noch gebe es viele Fragezeichen. Wichtiger sei ohnehin, bereits bestehende Strukturen zu fördern. Lange sei die G20 "gender blind" gewesen. Nun aber würden dem Thema Frauenrechte hier deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteil als noch im Vorjahr.

REUTERS

Ivanka Trump beim G20-Gipfel

Wichtiger Kanal zum Präsidenten

Hilfreich ist der sogenannte Ivanka-Fonds aber nicht nur für die geförderten Frauen, sondern auch für die Gastgeber. In den äußerst schwierigen Verhandlungen mit Trump sorgte das gemeinsame Projekt für etwas gute Stimmung. Dafür nahm die Bundesregierung dann auch den gemeinsamen Auftritt von Trump und Tochter in Kauf. G20-Gegner könnte die Veranstaltung in ihrem Verdacht bestätigten, dass die Gipfeltreffen ohnehin nur eine einzige große Kungelei sind.

Für Merkel allerdings ist Ivanka auch eine Möglichkeit, überhaupt an den nach wie vor erratisch handelnden Präsidenten heranzukommen. Normalerweise geschieht so etwas über enge Mitarbeiter. Doch viele Schlüsselpositionen in der Trump-Regierung sind erst seit Kurzem oder noch gar nicht besetzt. Seinen Chefunterhändler für Hamburg etwa tauschte Trump noch kurz vor dem Gipfel aus.

Ivanka Trump sitzt am Verhandlungstisch

Der Einfluss der Präsidententochter zeigte sich einmal mehr am Samstag. Beim G20-Gipfel nahm sie überraschend Platz am Verhandlungstisch der Staats- und Regierungschefs und vertrat ihren Vater zeitweilig während der Beratungen. Dabei hat Ivanka nur den Posten einer Beraterin und kein offizielles Regierungsamt inne.

Das Weiße Haus bemühte sich, den Auftritt zu rechtfertigen. Ivanka Trump habe sich im Hintergrund des Sitzungssaals der G20-Staats- und Regierungschefs aufgehalten und nur "kurz an den Haupttisch gesetzt", als der US-Präsident den Raum habe verlassen müssen, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses der Nachrichtenagentur AFP.

Der US-Regierungsvertreter betonte zudem: "Wenn andere Staats- und Regierungschefs den Raum verließen, wurden sie auch kurzzeitig durch andere am Tisch vertreten." Pikant: Als Ivanka am Tisch Platz nahm, fing offenbar gerade Weltbank-Präsident Kim an, über den nach ihr betitelten Fonds zu sprechen.

Auch für Kim ist der familiäre Zugang zu Trump wichtig. Die Trump-Regierung sieht internationale Entwicklungsbanken kritisch und plant für den Haushaltsentwurf Kürzungen von insgesamt 35 Prozent. Die Sparrunde für die Weltbank soll nun glimpflicher ausfallen als zunächst befürchtet.

Eine Folge des Ivanka-Fonds? Donald Trump jedenfalls war am Samstag voll des Lobes für den Weltbank-Chef. Er bezeichnete Kim als "Freund", dem er auch gern einen Job in seiner Regierung angeboten hätte.

Mit Material von AFP

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