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Wirtschaft

Geldwäsche

So schmutzig ist der deutsche Immobilienmarkt

Auf dem deutschen Immobilienmarkt wird viel Geld von Kriminellen gewaschen - die Summe ist laut einer Studie gestiegen. Etliche Milliarden stammen offenbar von der italienischen Mafia.

DPA

Fassaden von neugebauten Wohnhäusern in Berlin

Freitag, 07.12.2018   12:50 Uhr

Immer mehr illegal erwirtschaftetes Geld wird in den deutschen Immobilienmarkt investiert. "Nach Schätzungen waren es allein 2017 über 30 Milliarden Euro", heißt es in einer Studie der Organisation Transparency International. Dabei handle es sich vermehrt um ausländisches Geld, dessen Herkunft unklar sei.

Hinweise von Ermittlern in Italien zeigen, dass gerade Mafiaangehörige enorme Geldsummen durch den Immobilienerwerb in Deutschland reinwaschen wollen. Sie stammen unter anderem aus dem Kokainhandel.

"Es gibt ein massives Problem mit Geldwäsche bei Immobilien in Deutschland", sagt Transparency-Deutschland-Chefin Edda Müller. "Die geltenden Gesetze und die Ausstattung der Ermittlungsbehörden stehen auch angesichts der Grenzenlosigkeit internationaler Finanzströme in keinem Verhältnis dazu." Der Finanzexperte der Linksfraktion im Bundestag, Fabio de Masi, sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gebe hier ein enormes Dunkelfeld. "Vor allem Notare sind in der Pflicht, Verdachtsfälle auch zu melden."

Makler und Notare sind Teil des Problems

Allein wegen seiner Größe biete der deutsche Immobilienmarkt ein gewaltiges Potenzial für Geldwäsche, heißt es in der Studie. Unbekannt sei, wie viele Immobilien und Grundstücke ausländischen juristischen Personen gehören. Ein existierendes Transparenzregister habe zu viele Schlupflöcher. Makler und Notare würden praktisch keine Fälle melden und damit kaum zur Geldwäschebekämpfung beitragen, kritisierte Müller. Von knapp 60 000 Verdachtsmeldungen 2017 stammten nur rund 20 Hinweise von Immobilienmaklern.

Über Briefkastenfirmen werden oft die wahren Hintermänner und die Herkunft des Geldes verschleiert. Die Regierung will mit einer Aufstockung der "Financial Intelligence Unit" (FIU) des Zolls auf bis zu 475 Mitarbeiter gegensteuern. Doch an der FIU gibt es seit Längerem massive Kritik. Ermittler und andere Beamte sprachen in diesem Sommer von einem Fiasko, die FIU sei "blind und taub".

Nach Recherchen des SPIEGEL bleiben Verdachtsfälle nach Hinweisen von Banken zu lange unbearbeitet, die Ausstattung mit Personal und IT ist unzureichend, Zugang zu wichtigen Datenbanken der Landeskriminalämter (LKA) gibt es nicht (Lesen Sie hier mehr dazu). Oft werden Polizei und Staatsanwaltschaften zu spät informiert - und wenn, können Ermittler mit den Informationen wenig anfangen.

hej/dpa-AFX

insgesamt 19 Beiträge
dasfred 07.12.2018
1. Warten wir noch ein paar Jahre
Wenn denn genügend Wohnungen in Mafia Hand sind kann man immer noch die Gesetze so ändern, das die Herkunft des Geldes lückenlos nachgewiesen werden muss. Ansonsten die Häuser beschlagnahmem. Dann kommen Land und Kommunen [...]
Wenn denn genügend Wohnungen in Mafia Hand sind kann man immer noch die Gesetze so ändern, das die Herkunft des Geldes lückenlos nachgewiesen werden muss. Ansonsten die Häuser beschlagnahmem. Dann kommen Land und Kommunen wieder günstig an Immobilien. Früher hat man Spielbanken genutzt, um Schwarzgeld abzuschöpfen. Seit Schröder war es gewollt, soviel Geld wie möglich aus dem Ausland zu holen. Da ist doch die Herkunft egal, sobald man Zugriff drauf nehmen kann. Solange können wir die Kriminellen in Sicherheit wiegen.
karljosef 07.12.2018
2. Die Miet-Entwicklung in Deutschland garantiert höchste Rendite
wegen oder trotz der Mietpreisbremse, das ist hier die Frage
wegen oder trotz der Mietpreisbremse, das ist hier die Frage
charlybird 07.12.2018
3. Das ist nichts Neues
und schon seit Jahren so, wenn sich in den letzten 6/7 jahren nichts geändert haben sollte. Will man hingegen als kleiner Freiberufler ein Häuschen kaufen, muss der letzte Steuercent beglichen sein, der aktuelle Steuerstand [...]
und schon seit Jahren so, wenn sich in den letzten 6/7 jahren nichts geändert haben sollte. Will man hingegen als kleiner Freiberufler ein Häuschen kaufen, muss der letzte Steuercent beglichen sein, der aktuelle Steuerstand vorliegen, so dass man steuernackig dasteht, aber ein Rechtsanwaltskonsortium kauft da gleich mal halbe Straßenzüge aus dubios deklariertem Geld, dass aus merkwürdigen Restaurants und Geschäftsunternehmungen stammt, die oft nicht mal eine Adresse benötigen und locker durchgewunken werden. Woher ich das weiß ? Von einem mir befreundeten Anwalt, der eine zeitlang für so ein ''Anwaltsunternehmen'' gearbeitet hat, bis es ihm wirlich zu peinlich wurde.
mosquito60 07.12.2018
4. Kein Interesse
etwas zu ändern. Dass die Geldwäsche in Deutschland ein Problem ist, weiss man seit Jahren. Aber man liebt das Bashing von schweizer Banken wegen ihrer Begünstigung deutscher Steuerhinterzieher halt viel mehr. Was ja auch die [...]
etwas zu ändern. Dass die Geldwäsche in Deutschland ein Problem ist, weiss man seit Jahren. Aber man liebt das Bashing von schweizer Banken wegen ihrer Begünstigung deutscher Steuerhinterzieher halt viel mehr. Was ja auch die Anzahl der Kommentare aufzeigt. Es interessiert niemanden, ob die Mafia hier Geschäfte macht. Denn Deutschland verdient diesmal mit.
mosquito60 07.12.2018
5. Kein Interesse
etwas zu ändern. Dass die Geldwäsche in Deutschland ein Problem ist, weiss man seit Jahren. Aber man liebt das Bashing von schweizer Banken wegen ihrer Begünstigung deutscher Steuerhinterzieher halt viel mehr. Was ja auch die [...]
etwas zu ändern. Dass die Geldwäsche in Deutschland ein Problem ist, weiss man seit Jahren. Aber man liebt das Bashing von schweizer Banken wegen ihrer Begünstigung deutscher Steuerhinterzieher halt viel mehr. Was ja auch die Anzahl der Kommentare aufzeigt. Es interessiert niemanden, ob die Mafia hier Geschäfte macht. Denn Deutschland verdient diesmal mit.

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