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Wirtschaft

Spahns 3000-Euro-Forderung

Wie viel Geld Pflegekräfte wirklich verdienen

Jens Spahn fordert eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte, bis zu 3000 Euro, meint der Minister. Offizielle Zahlen zeigen: Viele verdienen das schon - doch besonders ein Bereich ist unterbezahlt.

DPA

Krankenpfleger

Von
Montag, 16.07.2018   17:37 Uhr

Bis zu 3000 Euro Monatsgehalt für Pflegepersonal "sollten möglich sein", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Allerdings zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, dass Fachkräfte in der Krankenpflege bereits im Jahr 2016 im zentralen Mittelwert (Median) 3239 Euro verdienten - die eine Hälfte der Angestellten also noch mehr, die andere weniger.

Was ist also dran an der Debatte um zu niedrige Gehälter in der Pflege? Fordert Spahn etwas, was längst erfüllt ist? Tatsächlich, das zeigen die Zahlen der Bundesagentur, ist nicht die Entlohnung der Pflegekräfte insgesamt schlecht. Vor allem die Unterschiede zwischen Alten- und Krankenpflege sind allerdings riesig.

Dass Krankenpfleger verhältnismäßig gut verdienen, liegt beispielsweise an Zuschlägen für Nachtdienste und besonders anspruchsvolle Tätigkeiten wie auf der Intensivstation. Diese entfallen in der Altenpflege meist - und machen diesen Bereich der Pflegeberufe finanziell unattraktiver. Die Hälfte der Fachkräfte verdient hier weniger als 2621 Euro im Monat, und somit 16 Prozent weniger als die Beschäftigten der übrigen Branchen im Schnitt. Und das, obwohl die Altenpfleger-Gehälter zwischen 2012 und 2016 um 9,4 Prozent stiegen.

Ein Grund für die unterschiedlichen Gehälter von Kranken- und Altenpflegekräften sind die unterschiedlichen Arbeitgeber in den beiden Bereichen. In der Altenpflege ist die Trägerstruktur heterogen; Regelungen zur Entlohnung, zum Beispiel nach Tarifverträgen, lassen sich also nur schwer einheitlich anwenden. So verdiente beispielsweise nach einer Ver.di-Berechnung eine Pflegefachkraft in einer kommunalen Altenpflegeeinrichtung nach sechs Jahren Berufserfahrung im Jahr 2017 ein Gehalt von 3044 Euro. Allerdings arbeiten nur 5 Prozent der Altenpfleger im kommunalen Einrichtungen, 42 Prozent in privaten Gesellschaften und 53 Prozent in weltlichen oder konfessionellen Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas. Besonders Letztere haben eigene Regelungen, die auch über den Tarifverträgen liegen können - die vielen verschiedenen Träger machen die Entlohnungsstruktur jedoch unübersichtlich und erschweren flächendeckende Vereinbarungen.

Das Krankenpflege-Personal ist hingegen meistens in Krankenhäusern und zu etwa gleichen Teilen bei öffentlichen, freigemeinnützlichen oder privaten Gesellschaften angestellt. Und auch mehrere große Krankenhausgesellschaften wie Helios oder Sana rechnen nach Ver.di-Angaben teilweise nach Konzerntarifverträgen ab.

Doch auch die teilweise überdurchschnittliche Bezahlung in der Krankenpflege ist anscheinend zu wenig, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Allein in deutschen Krankenhäusern fehlen rund 80.000 Pflegekräfte, wie eine Ver.di-Erhebung ergab. Schuld hieran sei der Kostendruck, dem viele Kliniken unterliegen, und fehlende Milliarden, die die Länder den Krankenhäusern vorenthalten.

CDU-Minister Spahn, Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) starteten Anfang Juli die "Konzertierte Aktion Pflege", die mehr Menschen für Pflegeberufe begeistern soll - und so dem aktuellem Personalmangel entgegenwirken soll. Spahn sprach sich unter anderem dafür aus, dass in Zukunft mehr Pfleger nach Tarifverträgen bezahlt werden.

Doch auch das dürfte nicht so einfach umzusetzen sein. Die Pflegeversicherung müsste so finanziert werden, dass eine bessere Entlohnung des Pflegepersonals nicht zu höheren Eigenanteilen für Pflegebedürftige führe, sagt etwa Grit Genster, Bereichsleiterin Gesundheitspolitik bei Ver.di. Denn, wie Gesundheitsminister Spahn selbst sagte - "es geht auch ums Geld".

insgesamt 71 Beiträge
hyperion2.0 16.07.2018
1.
Doch auch die teilweise überdurchschnittliche Bezahlung in der Krankenpflege ist anscheinend zu wenig, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Die Bezahlung ist eben nicht überdurchschnittlich sondern liegt nur knapp über [...]
Doch auch die teilweise überdurchschnittliche Bezahlung in der Krankenpflege ist anscheinend zu wenig, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Die Bezahlung ist eben nicht überdurchschnittlich sondern liegt nur knapp über Median das Durchnittsgehalt beträgt über 3700 in Vollzeit.
zimond 16.07.2018
2. Arbeitszeiten?
Ohne Angabe der tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten taugen die Zahlen gar nichts. Gerade hier sind ja die Pflegeberufe so unaktraktiv.
Ohne Angabe der tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten taugen die Zahlen gar nichts. Gerade hier sind ja die Pflegeberufe so unaktraktiv.
bammbamm 16.07.2018
3.
Ich finde es seltsam das ausgerechnet die Zuschläge für Nachtschichten etc auf das normale Gehalt angerechnet werden. Es gibt ein normales Gehalt und dann Zuschläge für Widrigkeiten dieses Jobs die extra bezahlt werden müssen [...]
Ich finde es seltsam das ausgerechnet die Zuschläge für Nachtschichten etc auf das normale Gehalt angerechnet werden. Es gibt ein normales Gehalt und dann Zuschläge für Widrigkeiten dieses Jobs die extra bezahlt werden müssen und nicht ein Gehalt inklusive aller Zuschläge. Hier wird der Bonus das man an einem Grossteil der Bevölkerung, der Freunde und der Familie vorbei lebt weil weder Wochenende noch Feiertage planen kann als Selbstverständlichkeit wahrgenommen und genau aus diesem Grund steckt Pflege in der Krise. Fragen sie doch mal jemand bei der IG Metall was die so verdienen + Schicht und Wochenendzuschlag
bermany 16.07.2018
4. Milchmädchenrechnung
Allein die Tatsache, dass Zuschläge für Nacht- oder Wochenendschichten Teil der Berechnung sind, zeigt die Unmenschlichkeit dieser Milchmädchenrechnung. Es handelt sich um Zuschläge aufgrund der erhöhten Leistung und sollte [...]
Allein die Tatsache, dass Zuschläge für Nacht- oder Wochenendschichten Teil der Berechnung sind, zeigt die Unmenschlichkeit dieser Milchmädchenrechnung. Es handelt sich um Zuschläge aufgrund der erhöhten Leistung und sollte außen vor gelassen werden. Aber was solls: legen wir doch einfach die Hände in den Schoß.
jazzmanni 16.07.2018
5. Jens Spahn
der Weltfremde. 3000 Brutto entspricht 1500-1800 Netto. Dafür oft 6 Tage Woche, Früh-Spät-Nachtschicht, Wochenenddienst, Feiertagsdienst, Stress und unterbesetzte Stationen sorgen für Frust.Herzlichen Glückwunsch. Damit lockt [...]
der Weltfremde. 3000 Brutto entspricht 1500-1800 Netto. Dafür oft 6 Tage Woche, Früh-Spät-Nachtschicht, Wochenenddienst, Feiertagsdienst, Stress und unterbesetzte Stationen sorgen für Frust.Herzlichen Glückwunsch. Damit lockt man niemand mehr hinterm Ofen hervor Herr Spahn.

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