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Wirtschaft

KfW-Studie

Fachkräftemangel bremst die Bauwirtschaft

653.000 Wohnungsneubauten sind in Deutschland genehmigt. Die Projekte können aber nicht umgesetzt werden, weil qualifiziertes Personal fehlt. Vor allem betroffen ist das Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk.

DPA

Arbeiter auf einer Baustelle in Berlin

Sonntag, 12.08.2018   07:32 Uhr

Günstige Wohnungen sind in den deutschen Ballungszentren Mangelware. Nach Einschätzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bremsen fehlende Fachkräfte den Bau neuer Wohnungen.

Die wichtigste Ursache für Engpässe auf dem Wohnungsmarkt seien demnach nicht zu langsame Genehmigungen der Kommunen oder zu wenige Bauwillige. Eine zentrale Rolle spielten vielmehr Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft - zunehmend ausgelöst durch Fachkräftemangel, heißt es in einer Studie der staatlichen Förderbank.

"In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor immer weiter geöffnet. Aktuell warten in Deutschland 653.000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung", erläuterte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Auch Bauland ist knapp

Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind prall gefüllt, doch weil Fachkräfte fehlen, können sie nicht schnell genug abgearbeitet werden. Während das Bauhauptgewerbe, etwa Hochbauunternehmen, den Angaben zufolge die Lücke bislang mit Mitarbeitern aus dem Ausland füllt, fehlen im Bauhandwerk zunehmend qualifizierte Kräfte.

Laut der Studie mangelt es an Fachkräften im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk. Das zeige die hohe Zahl und die lange Dauer gemeldeter offener Stellen bei der Bundesarbeitsagentur, sagte Zeuner. "Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland", warnte Zeuner.

Zudem bremse knappes Bauland in Ballungszentren den Wohnungsbau. In dicht bevölkerten Metropolen wie München oder Frankfurt stoße mittlerweile auch die Nachverdichtung, also das Bauen in Lücken oder das Aufstocken von Wohnungen, an Grenzen. Hinzu komme, dass manche Bauherren den Beginn der Arbeiten nach der Genehmigung verzögerten, weil sie auf steigende Mieten oder sinkende Baupreise hofften.

Mangel bremst die Wirtschaft insgesamt

Doch nicht nur der Bauindustrie fehlt qualifiziertes Personal: Die deutsche Wirtschaft könnte stärker wachsen, wenn dieser Mangel sie nicht bremsen würde. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland könnte um bis zu 30 Milliarden Euro höher ausfallen, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) - aber es fehlten 440.000 Fachkräfte. Die schwierige und oft erfolglose Suche nach Fachkräften sei ein wichtiger Grund für niedrige Unternehmensinvestitionen und überlastete Kapazitäten.

Auf der Liste der Sorgen steht der Fachkräftemangel bei vielen Unternehmen inzwischen tatsächlich auf einem der Spitzenplätze. Kürzlich ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 24.000 Unternehmen, dass 60 Prozent aller Betriebe den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko bewerten. Vor acht Jahren waren es noch lediglich 16 Prozent gewesen.

Diese Entwicklung könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Einer Berechnung des Basler Forschungsinstituts Prognos zufolge könnten im Jahr 2030 bis zu drei Millionen Facharbeitskräfte fehlen - selbst wenn jedes Jahr 200.000 qualifizierte Menschen zuwandern würden. Hauptgrund für die Verschärfung ist die Demografie: Ab der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre werden die Babyboomer in Rente gehen und können bei weitem nicht durch Jüngere ersetzt werden, die in den Arbeitsmarkt nachrücken werden.

dop/dpa

insgesamt 44 Beiträge
ole#frosch 12.08.2018
1. Bin gespannt was sich ändert
Es würde ja bedeuten, bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen lassen sich jetzt für das Bauhandwerk durchsetzen. Ich bin gespannt. Zudem läßt sich die Arbeit eines Handwerkers nur schlecht von Maschinen erledigen. [...]
Es würde ja bedeuten, bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen lassen sich jetzt für das Bauhandwerk durchsetzen. Ich bin gespannt. Zudem läßt sich die Arbeit eines Handwerkers nur schlecht von Maschinen erledigen. Wenn die Arbeitgeber es richtig angehen, dann bekommen sie bald auch die gewünschten Arbeitnehmer und Auszubildenden für diese zukunftsträchtige Branche
meister_proper 12.08.2018
2. Dann sollten wir vielleicht gute Schüler in anderen Ländern anwerben
und an unseren Berufsschulen ausbilden. Bewerber werden sich wohl leicht finden lassen und wir könnten endlich einmal etwas für eine geregelte Einwanderung tun. Das hätte auch Auswirkungen auf die ungeregelte Einwanderung, denn [...]
und an unseren Berufsschulen ausbilden. Bewerber werden sich wohl leicht finden lassen und wir könnten endlich einmal etwas für eine geregelte Einwanderung tun. Das hätte auch Auswirkungen auf die ungeregelte Einwanderung, denn wer eine realistische Chance auf legale Einwanderung sieht, wird sich nicht auf einen lebensgefährlichen Trip mit ungewissem Ausgang machen. Nur scheitern solch sinnvolle Maßnahmen natürlich an den fundamentalistischen Kräften in unserer Gesellschaft, für welche jede Einwanderung schlecht ist; selbst wenn sie uns nützt.
immerfroh 12.08.2018
3.
Das wird dauern. Handwerk ist traditionell konservativ und ihre Eigentümer/Geschäftsführer kaum selbstreflektierend. Außerdem ist man für grundlegende Veränderungen eher wenig aufgeschlossen. Im Moment beruft man sich [...]
Zitat von ole#froschEs würde ja bedeuten, bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen lassen sich jetzt für das Bauhandwerk durchsetzen. Ich bin gespannt. Zudem läßt sich die Arbeit eines Handwerkers nur schlecht von Maschinen erledigen. Wenn die Arbeitgeber es richtig angehen, dann bekommen sie bald auch die gewünschten Arbeitnehmer und Auszubildenden für diese zukunftsträchtige Branche
Das wird dauern. Handwerk ist traditionell konservativ und ihre Eigentümer/Geschäftsführer kaum selbstreflektierend. Außerdem ist man für grundlegende Veränderungen eher wenig aufgeschlossen. Im Moment beruft man sich noch darauf, dass sich junge Menschen zu fein für diese Jobs sind und bemerkt nicht, dass man es in den letzten Jahren versäumt hat, diese Berufe attraktiv zu machen.
Mittelalter 12.08.2018
4. Wie kommen Sie darauf
das im Handwerk schlecht bezahlt wird? Und welche „Verbesserung der Arbeitsbedingungen“ stellen Sie sich vor? Bauen findet immer im Freien und bei jedem Wetter statt. Egal ab 35 Grad plus oder 5 Grad Minus. Berufe im [...]
Zitat von ole#froschEs würde ja bedeuten, bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen lassen sich jetzt für das Bauhandwerk durchsetzen. Ich bin gespannt. Zudem läßt sich die Arbeit eines Handwerkers nur schlecht von Maschinen erledigen. Wenn die Arbeitgeber es richtig angehen, dann bekommen sie bald auch die gewünschten Arbeitnehmer und Auszubildenden für diese zukunftsträchtige Branche
das im Handwerk schlecht bezahlt wird? Und welche „Verbesserung der Arbeitsbedingungen“ stellen Sie sich vor? Bauen findet immer im Freien und bei jedem Wetter statt. Egal ab 35 Grad plus oder 5 Grad Minus. Berufe im Handwerk, nicht nur im Baugewerbe wurden seit Jahren schlecht geredet. Warum wollen Schüler heute lieber Beamte werden als Handwerker? Und woher sollen den nun die gewünschten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen kommen? Zwei Beispiele: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/handwerkskammer-in-bayern-70-prozent-der-fluechtlinge-brechen-ausbildung-ab-13857887.amp.html Oder http://www.badische-zeitung.de/muellheim/leserfrage-warum-werden-fluechtlinge-nicht-als-erntehelfer-eingesetzt Irgendwie funktioniert das mit den zuwandernden Fachkräften nicht.
nwz86 12.08.2018
5. Eigene Jugend heranziehen
Schön und gut, aber wieso bilden wir eigentlich nicht selbst ausreichend Nachwuchs aus. Es gibt doch genügend junge Menschen bei uns. Es kann doch nicht sein, dass unsere eigene Jugend so schlecht ist, dass sich nicht [...]
Zitat von meister_properund an unseren Berufsschulen ausbilden. Bewerber werden sich wohl leicht finden lassen und wir könnten endlich einmal etwas für eine geregelte Einwanderung tun. Das hätte auch Auswirkungen auf die ungeregelte Einwanderung, denn wer eine realistische Chance auf legale Einwanderung sieht, wird sich nicht auf einen lebensgefährlichen Trip mit ungewissem Ausgang machen. Nur scheitern solch sinnvolle Maßnahmen natürlich an den fundamentalistischen Kräften in unserer Gesellschaft, für welche jede Einwanderung schlecht ist; selbst wenn sie uns nützt.
Schön und gut, aber wieso bilden wir eigentlich nicht selbst ausreichend Nachwuchs aus. Es gibt doch genügend junge Menschen bei uns. Es kann doch nicht sein, dass unsere eigene Jugend so schlecht ist, dass sich nicht genügend Fachkräfte für diese Branchen finden lassen. Da hat Wagenknecht durchaus mal recht -- man sollte die Ausbildung im eigenen Land für die eigenen Jugendlichen verbessern, evtl. auch die Entlohnung, und auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dahingehend ändern, dass unsere Jugend vielleicht etwas disziplinierter und motivierter an die eigene Zukunft herangeht.

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