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Wirtschaft

Klaus Kleinfeld

Der Berater des Blutprinzen

Seit einem Jahr ist Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ein enger Berater des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die Tötung des Journalisten Khashoggi scheint daran nichts zu ändern.

DPA

Kleinfeld, bin Salman

Von
Mittwoch, 24.10.2018   16:45 Uhr

Der Job, den Klaus Kleinfeld vom saudischen Kronprinzen angeboten bekam, war an Gigantomanie kaum zu übertreffen. Gleich eine ganze Stadt sollte der Ex-Siemens-Chef in der Wüste erschaffen: 500 Milliarden Dollar Budget, 26.500 Quadratkilometer, eine Baufläche so groß wie Hessen, komplett gespeist aus erneuerbaren Energien, mit einem Industriepark, in dem fast nur noch Roboter arbeiten.

"Neom" heißt das Phantasia von Ölprinz Mohammed bin Salman, zu deutsch: neue Zukunft. Das Jobangebot war verlockend für Kleinfeld, den einstigen Kosmopoliten und Dealmaker, der weder in der Korruptionsaffäre bei Siemens, noch in einer Schlammschlacht bei seinem späteren Arbeitgeber Alcoa eine gute Figur gemacht hatte. Im Oktober 2017 ging Kleinfeld in die Wüste, als Berater.

Nun, fast genau ein Jahr später, ist die Aufregung um Kleinfeld groß. Am 2. Oktober ist in der saudischen Botschaft in Istanbul der bekannte Journalist und Regimekritiker Jamal Khashoggi getötet worden. Seine Leiche wurde vermutlich mit einer Knochensäge zerstückelt und weggeschafft.

Bin Salmans Regierung leugnete die Tötung lange. Inzwischen behauptet sie, Khashoggi sei bei einer Schlägerei in der Botschaft versehentlich ums Leben gekommen. Der Prinz selbst beteuert weiterhin, er habe von nichts gewusst. Dennoch hat es unter seiner Herrschaft ein grauenerregendes Verbrechen gegeben.

Der Ölprinz ist plötzlich zum Blutprinzen geworden. Und viele Kritiker fragen sich, wie ein deutscher Manager, noch dazu einer wie Kleinfeld, der als Student einmal Sozialarbeiter war, für einen solch finsteren Autokraten arbeiten kann.

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Milliarden-Projekt "Neom": Hightech statt Öl

Schon als Kleinfeld den Job vor einem Jahr angenommen hatte, waren empörte Stimmen zu hören. Mohammed bin Salman, kurz: MbS, galt damals bereits als Mastermind hinter dem blutigen Jemenkrieg; der Bundesnachrichtendienst warnte vor ihm.

Kleinfeld schien das nicht zu stören. "Neom ist eine einzigartige Gelegenheit, höchsten Lebensstandard mit exzellenten wirtschaftlichen Aussichten zu verbinden", ließ er sich damals zitieren. "Ich bin geehrt und begeistert, diese Führungsrolle zu übernehmen."

Inzwischen ist Kleinfeld in der Hierarchie der Saudis sogar noch aufgestiegen. Er fungiert jetzt als bin Salmans persönlicher Berater, als eine Art Wirtschaftsweiser, der den Umbau Saudi-Arabiens vom Ölexporteur zur Technologiehochburg überwacht.

Ob die Tötung Khashoggis für Kleinfeld etwas verändert hat, ist nicht bekannt. Weder er selbst noch sein Sprecher haben auf entsprechende Anfragen des SPIEGEL reagiert. Die "Bild"-Zeitung indes will aus Kleinfelds Umfeld erfahren haben, dass der Manager in den vergangenen Tagen viel nachgedacht habe.

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"Herr Kleinfeld hat eine gefestigte Meinung zum Fall Khashoggi, die er als Persönlichkeit, die vor Ort respektiert wird, auch artikuliert hat", teilte sein Sprecher der Boulevardzeitung zudem mit. "Es wird mehr erreicht, indem man vor Ort die Dinge ansprechen kann, als durch lediglich symbolische Abwesenheit, die ohnehin nicht lange hält."

An seiner Kooperation mit MbS will Kleinfeld also offenbar festhalten. Die Tötung des Journalisten könnte ihm allerdings seine Arbeit erschweren. Denn MbS hat Kleinfeld vor allem wegen seiner exzellenten Kontakte zu sich geholt. Der Manager soll mit seinem Netzwerk dafür sorgen, dass das Projekt "Neom" genügend Investoren findet.

Kleinfelds Draht zu ausländischen Investoren ist mittlerweile sogar noch wichtiger geworden. Denn der Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco, durch den ein Teil des Megaprojekts finanziert werden soll, erweist sich als schwieriger als gedacht. Der Börsengang wurde nicht nur mehrfach verschoben, zuletzt auf 2021; er könnte auch weniger einbringen als erwartet.

Die Finanzierung von bin Salamans Phantasialand dürfte nun noch einmal schwieriger geworden sein. Zumindest manche Geldgeber dürften nach der Bluttat von Istanbul keine Geschäfte mehr mit dem Prinzen und seinem deutschen Berater machen wollen.

insgesamt 31 Beiträge
claus7447 24.10.2018
1. Moral?
Die ist doch schon lange futsch. Seit "Geiz ist geil!" und Schröders "lupenreiner Demokrat!" gibt es doch ohnehin nur noch "wünsch dir was!". Vorbilder haben wir kaum noch, wenn, dann werden [...]
Die ist doch schon lange futsch. Seit "Geiz ist geil!" und Schröders "lupenreiner Demokrat!" gibt es doch ohnehin nur noch "wünsch dir was!". Vorbilder haben wir kaum noch, wenn, dann werden diese lächerlich gemacht. Während Egoismus die Welt beginnt zu beherrschen muss man sich fragen ob man langsam nur noch unter Doofen lebt.
ruhuviko 24.10.2018
2. Schön wärs
aber nicht zu erwarten. In anderen Berichten steht, wie trotz Boykotts von einigen Wirtschaftsbossen die Konferenz "in der Wüste" der Geldbeutel klingelte. Und die Aufregung um den toten Journalisten wird sich legen, [...]
aber nicht zu erwarten. In anderen Berichten steht, wie trotz Boykotts von einigen Wirtschaftsbossen die Konferenz "in der Wüste" der Geldbeutel klingelte. Und die Aufregung um den toten Journalisten wird sich legen, sobald Erdogan kein weiteres Interesse mehr an einer Eskalation hat - warum auch immer. Und Trumps Sanktionen werden sich auch beruhigen. Also alles wie immer.
paula_f 24.10.2018
3. wer investiert in ein Projekt ohne ausreichend Wasser
Herr Kleinfeld mag zwar Erfahrungen mit Sozialarbeit haben anscheinend wenig mit Geologie. In vielen arabischen Ländern lebt man von großen Grundwasserreserven - die nehmen aber schneller ab als das Öl. Der Klimawandel tut ein [...]
Herr Kleinfeld mag zwar Erfahrungen mit Sozialarbeit haben anscheinend wenig mit Geologie. In vielen arabischen Ländern lebt man von großen Grundwasserreserven - die nehmen aber schneller ab als das Öl. Der Klimawandel tut ein übriges. Projekte zur Nachhaltigen Entwicklung im Bereich Energieumwandlung hat Herr Kleinfeld bei Siemens eher blockiert als gefördert. Projekte zu Wärmepumpen und zu solarer Kühlung wurden von Saudi Arabien zwar finanziert - aber es fehlte an der Umsetzung dort im Land. Ähnlich wie bei dem Grundwasser fehlt es dort an der Einsicht.
frankfurtbeat 24.10.2018
4. nun ...
nun der werte Kleinfeld war ja auch bei SIEMENS nicht gerade eine rocket. Er nutzt jetzt die Kontakte um seinen Lebensstandard zu halten. Dabei ist es anscheinend völlig egal ob Menschen (nummern) auf die Straße gesetzt werden [...]
nun der werte Kleinfeld war ja auch bei SIEMENS nicht gerade eine rocket. Er nutzt jetzt die Kontakte um seinen Lebensstandard zu halten. Dabei ist es anscheinend völlig egal ob Menschen (nummern) auf die Straße gesetzt werden oder eben andere unmenschliche Dinge geschehen - das eigene Ego, das Projekt geht über alles ...
dth1978 24.10.2018
5. Überhaupt sinnvoll?
Macht es überhaupt ökonomischen Sinn, ein derartiges Vorhaben umzusetzen? Es sollen ja überwiegen autonome Produktionstätten entstehen. Aber wer will seine Produktion schon in die Wüste verlegen?! Dazu gehört ja auch eine [...]
Macht es überhaupt ökonomischen Sinn, ein derartiges Vorhaben umzusetzen? Es sollen ja überwiegen autonome Produktionstätten entstehen. Aber wer will seine Produktion schon in die Wüste verlegen?! Dazu gehört ja auch eine global gut funktionierende Infrastruktur. Politisch ist die Region auch sehr fragil. Ich denke da auch einfach nur an die Praktikabilität des Ganzen. Trotz erneuerbaren Energien ist der Energieaufwand ja auch immens. Wer schon einmal in der Region war, weiß wovon ich spreche. Lebensqualität bei 50 Grad und mehr im Sommer ist was anderes. Es sei denn, man will sich ausschließlich in klimatisierten Räumen aufhalten. Auch lässt sich Technologie oder Know How etc. doch nicht einfach so importieren... Ich denke, da sehen viele eine Chance, um viel Geld zu verdienen. Schaut man sich Dubai an, steht ja auch jedes 2. Büro leer. Und die „Palme“ war auch nicht gerade quirlig bewohnt. Städte wie Singapur oder Hong Kong erscheinen mir da deutlich erfolgreicher - auch was die Lebensqualität angeht... ich lasse mich gerne belehren
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