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Wirtschaft

Emissionen verringern

Neue Energie-Verbandschefin will schnellen Kohleausstieg

Der Energieverband BDEW hat eine neue Chefin - und die hat unmittelbar nach ihrer Wahl einen zügigen Ausstieg aus der Kohlenutzung gefordert. Anders seien Klimaschutzziele nicht zu erreichen.

DPA

Braunkohleabbau in Nordrhein-Westfalen

Mittwoch, 13.06.2018   11:15 Uhr

Mit dem Führungswechsel in ihrem Lobbyverband könnte die herkömmliche Energiewirtschaft auf einen offensiveren Kurs bei der Unterstützung der Energiewende einschwenken. Die Managerin Marie-Luise Wolff ist am Dienstagabend zur Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gewählt worden und hat sich umgehend für einen zügigen Ausstieg aus der Kohlenutzung ausgesprochen.

Grund seien die schärferen Vorgaben der Koalition zur Minderung der Kohlendioxidemissionen sowie zum Ausbau erneuerbarer Energien, sagte Wolff der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Wir reden jetzt über 61 Prozent Emissionsminderung bis 2030 und einen Anteil von 65 Prozent Erneuerbaren am Stromverbrauch", sagte Wolff. "Diese Ziele müssen wir unter einen Hut kriegen, und da ist es entscheidend, dass der Kohleausstieg nicht zu spät kommt." Ein später Ausstieg würde die Ziele konterkarieren.

"Der Kernenergieausstieg ist richtig"

Wolff ist Vorstandschefin des Darmstädter Versorgungsunternehmens Entega. Sie bezeichnete sich gegenüber der "FAZ" als "überzeugter Anhänger der Energiewende". Diese sei "eines der größten und bedeutsamsten Projekte dieses Landes". Sie sehe sowohl den Energieverband BDEW als auch die Unternehmen "in der Pflicht, diese Energiewende zu Ende zu bauen".

Der Verband ist in der Kohlekommission vertreten, die die Bundesregierung in der vergangenen Woche eingesetzt hat. Das Gremium soll den Ausstieg aus der Kohlestromproduktion vorantreiben, zugleich aber auch den damit verbundenen Strukturwandel im Blick haben und die Schaffung neuer Jobs vorantreiben.

Die neue Energieverbandschefin Wolff sagte, künftig gehe darum, "Energie so sauber wie möglich zu erzeugen." Es sei richtig, alle Technologien im Blick zu haben. "Falls uns noch Besseres einfällt als Wind und Sonne, dann sollten wir das machen. Aber bisher ist uns nichts Besseres eingefallen", sagte Wolff. Den Atomausstieg verteidigte sie: "Der Kernenergieausstieg ist richtig, auch wenn er den Unternehmen viel abverlangt hat." Als BDEW-Chefin vertritt Wolff auch Unternehmen, die Atom- und Kohlestrom erzeugen. "Die Hauptwährung der Energiewende ist die Reduktion von CO2", sagte Wolff.

Video: Der Abschied von der Kohle

Foto: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bei dem Ziel, den CO2-Ausstoß deutlich zu senken, ist Deutschland allerdings im Rückstand. Entsprechend harsch fällt die Kritik der Opposition am Klimaschutzbericht für das Jahr 2017 aus, den das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet. Deutschland verfehlt deutlich sein selbst gestecktes Ziel, den CO2-Ausstoß von 1990 bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Eingespart werden aber wohl nur 32 Prozent. Als Grund gibt die Bundesregierung unter anderem ein stärkeres Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in Deutschland an.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, das deutsche Ziel für 2020 drohe "unter die Räder der Kohlebagger zu geraten". Der Bericht des Bundesumweltministeriums zeige, dass die Bundesregierung beim Klimaschutz die Backen aufblase, aber nicht handele, sagte er. Der Bericht müsse Ansporn sein, den Kohleausstieg einzuleiten, forderte Hofreiter. "Schmutzige Kohlekraftwerke und Verbrennungsmotoren sind rückständige Technologien, die nicht in ein modernes Deutschland passen."

Greenpeace nannte den Bericht einen "klimapolitischen Offenbarungseid" für Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Noch im Wahlkampf hat die Kanzlerin persönlich versprochen, Deutschland werde sein Klimaziel 2020 erreichen", sagte Klimaexperte Karsten Smid. "Nun ist für jeden offensichtlich, dass die Bundesregierung meilenweit von diesem Ziel entfernt ist."

Die Deutsche Umwelthilfe bewertete den Bericht als "nicht überraschend und trotzdem erschreckend". Die Bundesregierung stelle damit ihren eigenen klimapolitischen Stillstand fest, sagte Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner.

mmq/dpa

insgesamt 94 Beiträge
günter1934 13.06.2018
1. Marie Luise Wolff
Wiki sagt uns über Frau Marie Luise Wolff: "Nach ihrem Studium der Anglistik und Musikwissenschaft in Deutschland, England und den USA ..." Also eine ausgewiesene Fachfrau für die Energiewirtschaft!
Wiki sagt uns über Frau Marie Luise Wolff: "Nach ihrem Studium der Anglistik und Musikwissenschaft in Deutschland, England und den USA ..." Also eine ausgewiesene Fachfrau für die Energiewirtschaft!
axlban 13.06.2018
2. Atomkraft
man könnte natürlich die modernsten und sichersten Atomkraftwerke weiter nutzen. Aber leider hat das Frau Merkel mit Ihrer Harakiri Aktion verhindert
man könnte natürlich die modernsten und sichersten Atomkraftwerke weiter nutzen. Aber leider hat das Frau Merkel mit Ihrer Harakiri Aktion verhindert
rkinfo 13.06.2018
3. Dauerstrom ist ultimativer Bürgerwunsch
Wir sind heute nicht mal in der Lage on sonnigen Sommerwochen 24h/7d mit PV, Wind, Biomasseverstromung und Wasserkraft über die Runden zu kommen. Ursache, nahezu kein Invest im Pumpspeicher, Akkus oder schnelle Gaskraftwerke. [...]
Wir sind heute nicht mal in der Lage on sonnigen Sommerwochen 24h/7d mit PV, Wind, Biomasseverstromung und Wasserkraft über die Runden zu kommen. Ursache, nahezu kein Invest im Pumpspeicher, Akkus oder schnelle Gaskraftwerke. Lediglich in Schleswig-Holstein gibts ab der HGÜ nach Norwegen/Pumpspeicher eine Teilchance auf Realisierung. Im Bereich Entaga aber hoffnungslos, da Biblis nicht per Gaskraftwerk wieder ein Netzstabilisierungsstandort wurde. Wer den Kohleausstieg fordert ohne technisch massiv umzurüsten, ist unseriös!
geirröd 13.06.2018
4. Ohje...
... dann muss ich mal los und mir Vorräte holen, einen kleinen Stromgenerator und meinen Brunnen im Garten reaktivieren. Der Blackout scheint vorprogrammiert.
... dann muss ich mal los und mir Vorräte holen, einen kleinen Stromgenerator und meinen Brunnen im Garten reaktivieren. Der Blackout scheint vorprogrammiert.
Mathesar 13.06.2018
5. Wir werden eben von...
....ausgewiesenen Fachleuten regiert. Das sieht man doch am politischen Personal!
....ausgewiesenen Fachleuten regiert. Das sieht man doch am politischen Personal!
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