Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Umfragen

Mehrheit der Deutschen für schnellen Kohleausstieg

Im Ringen um den Kohleausstieg ist die zuständige Kommission in der finalen Verhandlungsphase. Für die Mehrheit der Deutschen steht laut Umfragen fest: Ein schneller Ausstieg aus der Kohleverstromung ist wichtig.

DPA

Braunkohletagebau in der Lausitz

Freitag, 25.01.2019   12:36 Uhr

Fast drei Viertel der Deutschen sehen in Kohlekraftwerken kein Zukunftsmodell. Bei einer Befragung für das "ZDF-Politbarometer" sagten 73 Prozent der Befragten, dass sie einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung für wichtig oder sehr wichtig halten. 18 Prozent finden das baldige Abschalten der Kohlekraftwerke demnach weniger wichtig, und 7 Prozent sagten, es sei gar nicht wichtig.

Auch beim "Deutschlandtrend" der ARD, der am Donnerstagabend veröffentlicht wurde, sprach sich eine Mehrheit für den Kohleausstieg aus. Bei dieser Umfrage gaben sechs von zehn Wahlberechtigten an, dass sie aus Klima- und Naturschutzgründen ein schnellstmögliches Abschalten der Kohlekraftwerke wünschen. Ein gutes Drittel würde wegen möglicher Versorgungsengpässe und des Wegfalls von Arbeitsplätzen länger an der Braunkohle festhalten.

In den von einem Kohleausstieg besonders betroffenen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist das Stimmungsbild anders. Dort plädierten laut der ARD-Umfrage nur 34 Prozent für einen möglichst raschen Ausstieg, 61 Prozent wollten länger am Braunkohleabbau festhalten.

An diesem Freitag könnte sich die Kohlekommission der Bundesregierung auf ein wegweisendes Konzept zum Kohleausstieg einigen und ein endgültiges Ausstiegsdatum bekannt geben. Das 28-köpfige Gremium ist zu seiner vielleicht entscheidenden Sitzung zusammengekommen. Es gilt aber als unklar, ob die Kommission sich auf einen Abschlussbericht einigen kann. Teilnehmer rechneten mit sehr langen Verhandlungen. Auch eine Vertagung auf den kommenden Freitag gilt als möglich.

Umstritten ist, wann genau und in welchen Schritten Deutschland aus der klimaschädlichen Kohleverstromung aussteigen soll. Noch ein Drittel des Stroms in Deutschland wird in Kohlekraftwerken erzeugt.

SPIEGEL ONLINE

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von schwierigen Problemen, die es zu lösen gelte. Es gehe darum, drei wichtige Ziele unter einen Hut zu bringen: den Klimaschutz, die Schaffung neuer Jobs in den Kohleregionen sowie die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Stromversorgung.

Die Energiewende werde gelingen, wenn es einen großen Konsens aller gesellschaftlichen Akteure gebe. Es komme nun darauf an, dass die unabhängige Kommission zu guten Ergebnissen komme. Die Bundesregierung werde sich dann zügig damit befassen, sagte Altmaier: "Wichtig ist, dass wir in den nächsten Wochen mit einem großen gesellschaftlichen Konsens uns darauf verständigen, was Vorrang hat, welche Schritte folgen."

Vor der Sitzung des Gremiums gab es Kundgebungen. Mitglieder der Gewerkschaft IG BCE protestierten lautstark gegen einen zu schnellen Kohleausstieg. Mitglieder der Umweltorganisation Greenpeace dagegen erinnerten an die Verantwortung für den Klimaschutz.

In der Kommission sind Vertreter von Industrie, Gewerkschaften, Umweltverbänden und Wissenschaft vertreten. Das Gremium war im vergangenen Sommer von der Regierung eingesetzt worden. Es soll Wege für einen Ausstieg aus der Kohle sowie für einen Strukturwandel in den betroffenen Regionen aufzeigen.

mmq/dpa

insgesamt 44 Beiträge
Daueronline 25.01.2019
1. Und dann?
Wenn der gesamte Strom durch EE ersetzt werden kann: super! und wenn nicht? Bis dahin den Strom aus dem Nachbarland holen? Halte ich für übergangsweise vertretbar aber auf lange Sicht sollte sich Deutschland nicht abhängig vom [...]
Wenn der gesamte Strom durch EE ersetzt werden kann: super! und wenn nicht? Bis dahin den Strom aus dem Nachbarland holen? Halte ich für übergangsweise vertretbar aber auf lange Sicht sollte sich Deutschland nicht abhängig vom Ausland machen. Das Erpressungspotential beim Thema Energie ist riesig! Ich finde auch die Frage berechtigt, was die Wissenschaft mittlerweile alles für neue Atomreaktoren entwickelt haben würde, wenn diese ebenso gefördert wären anstelle sie politisch zu verteufeln. Vielleicht gäbe es heute ein Konzept, welches nur wenig oder schnell zerfallenden Abfall produziert. Wer weiss.
ditor 25.01.2019
2. Und worauf ist man bereit zu verzichten?
Kohleausstieg finden in Umfragen natürlich viele toll, man ist öko. Gibt es auch Umfragen in denen gefragt wird worauf dafür in merklichem Umfang gern verzichtet wird? Wer ist bereit schnell ein Drittel mehr zu zahlen oder ein [...]
Kohleausstieg finden in Umfragen natürlich viele toll, man ist öko. Gibt es auch Umfragen in denen gefragt wird worauf dafür in merklichem Umfang gern verzichtet wird? Wer ist bereit schnell ein Drittel mehr zu zahlen oder ein Drittel weniger Energie zu verbrauchen oder zu einem Drittel der Zeit des Tages nur beschränken Zugriff auf Strom zu haben? Die Dimensionen und der Anteil von Kern- und Kohleenergie am verlässlichem Strom ist den meisten unbekannt. Wobei: Möglichst schnller Ausstieg kann auch kein Ausstieg bedeuten.
mapcollect 25.01.2019
3. Der Ausstieg hat seinen Preis
Der Strompreis ist in Deutschland jetzt schon weltweit spitze und er wird durch den Kohleausstieg weiter steigen. Trotzdem ist der Ausstieg richtig. Der Raubbau an der Natur durch Kohleabbau ist gigantisch und fossile Brennstoffe [...]
Der Strompreis ist in Deutschland jetzt schon weltweit spitze und er wird durch den Kohleausstieg weiter steigen. Trotzdem ist der Ausstieg richtig. Der Raubbau an der Natur durch Kohleabbau ist gigantisch und fossile Brennstoffe sind nunmal Klimakiller und Feinstaubproduzenten Nr.1 . Der Fehler war der überhastete und populistische Atomausstieg. Als Zwischenlösung, bis wir in der Lage sind, zu 100% aus regenerativen Quellen und Kernfusion Energie zu gewinnen, wären moderne und sichere AKWs die umweltfreundlichste Lösung gewesen. Jetzt sind wir zunehmend auf Gas-Importe angewiesen. Und auf Stromimporte, die zu einem nicht unerheblichen Teil letztendlich Atomstrom sind ...
icheb66 25.01.2019
4. Nicht rational
Der Deutsche Michel weiß nicht was er will; Atomstrom nein danke (allerdings auch mein Standpunkt wg. der nach wie vor offenen Frage der Endlagerung, da kann der Betrieb noch so sicher sein), Kohlstrom auch nicht, PV auch nicht [...]
Der Deutsche Michel weiß nicht was er will; Atomstrom nein danke (allerdings auch mein Standpunkt wg. der nach wie vor offenen Frage der Endlagerung, da kann der Betrieb noch so sicher sein), Kohlstrom auch nicht, PV auch nicht (könnte ja sein, dass der Nachbar sich 3,50€ mit der EEG dazu verdient), Windkraft auch nicht, weil die armen Vögel...…. und wie das aussieht, Wasserkraft nein danke, weil sonst die Fische geschreddert werden. Was denn nun? Mit visionärem Denken hat das nichts zu tun, wahrscheinlich hat das von unserer lieben Kanzlerin schon abgefärbt. Deren Phlegma wird ja auch regelmäßig von irgendwelchen Politexperten verteidigt mit der Begründung, sie sein halt Physikerin und da bräuchte man keine Visionen. Mal ganz abgesehen davon dass ich diese Aussage für völligen Schwachsinn halte, weil ein Physiker in der Forschung ohne Visionen wohl nicht weit kommt.....aber ich schweife ab. Zurück zum Thema: Also lieber Michel, wo soll den der Strom für dein Großbild-TV und was mittlerweile sonst noch alles so elektrisch ist herkommen?
go-west 25.01.2019
5. Die Mehrheit der Deutschen
war auch für den Ausstieg aus der Atomenergie. Die Fragen werden falsch gestellt. Anstatt zu fragen, seid ihr für oder gegen etwas muss es darum gehen, sich für oder gegen ein Übel zu entscheiden, davon ausgehend, dass ein [...]
war auch für den Ausstieg aus der Atomenergie. Die Fragen werden falsch gestellt. Anstatt zu fragen, seid ihr für oder gegen etwas muss es darum gehen, sich für oder gegen ein Übel zu entscheiden, davon ausgehend, dass ein anderes eventuell noch größer ist. Es muss endlich damit aufgehört werden, dem Bürger zu suggerieren, dass es einfache oder perfekte Lösungen gibt. Letztlich möchte niemand auf eine stabile Stromversorgung verzichten.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP