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Wirtschaft

Tarifstreit im öffentlicher Dienst

Verhandlungen laufen überraschend unrund

"Die Stimmung ist mäßig": Die Beteiligten hatten Optimismus verbreitet - doch die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst stecken offenbar fest. Ver.di-Chef Bsirske spricht von "Komplikationen".

DPA

Innenminister Seehofer nach erstem Verhandlungstag in Potsdam

Montag, 16.04.2018   11:47 Uhr

Die demonstrativ gute Laune des Sonntags scheint verflogen. Bei der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen sind zwischen den Verhandlungspartnern unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten. Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Ver.di, sagte am Montag: "Es gibt Komplikationen, und wir müssen sehen, wie wir sie bewältigen."

Um welche Komplikationen es sich im Detail handelt, wollte Bsirske nicht verraten. "Das ist es. Kein Kommentar", sagte er. Aber er gab einen Einblick in die Atmosphäre unter den Verhandlern: "Die Stimmung ist mäßig." Um 12 Uhr sollen die Gespräche in einem Tagungshotel in Potsdam fortgesetzt werden.

Angesichts der Probleme ist es aber unwahrscheinlich, dass es bereits an diesem Montag zu einer Einigung kommt - also innerhalb der zwei Tage, für die die Tarifrunde eigentlich angesetzt war. Ein Ergebnis ist nun eher erst am Dienstag zu erwarten. Allerdings haben sich die Beteiligten von vornherein notfalls auch bis Mittwoch Zeit gegeben, falls es zu Schwierigkeiten kommen sollte.

Ver.di und der Beamtenbund dbb fordern sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Auszubildende und Praktikanten sollen 100 Euro mehr erhalten. Außerdem fordern die Gewerkschaften eine Pflicht zur Übernahme der Auszubildenden.

Nicht ausgeschlossen ist auch, dass die Verhandlungen dieser dritten Tarifrunde scheitern. Folge wären dann aller Wahrscheinlichkeit nach noch massivere Arbeitsniederlegungen wie die der vergangenen Woche, als sich rund 200.000 Angestellte im öffentlichen Dienst an Warnstreiks beteiligt hatten. Kitas blieben geschlossen, Busse und Bahnen fuhren nicht, und Flüge für rund 90.000 Passagiere fielen deshalb aus. Zuvor waren bereits zwei Tarifrunden erfolglos geblieben, die Arbeitgeber hatten kein eigenes Angebot vorgelegt.

Seehofer wollte "zügig sinnvolle Ergebnisse"

Geführt werden die Verhandlungen für knapp 2,3 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen von

Sie hatten vor dem Start am Sonntag Zuversicht verbreitet. Vor allem Seehofer, der zum ersten Mal als Arbeitgebervertreter an Tarifverhandlungen teilnimmt, zeigte sich optimistisch und sprach davon, man werde "zügig zu sinnvollen Ergebnissen kommen". Beamtenbund-Chef Silberbach hatte davon gesprochen, Seehofer könne "den Knoten durchschlagen".

Am Sonntagabend sprachen die Verhandler dann von Annäherungen in Einzelfragen, dennoch sei man sich noch uneinig über Höhe und Struktur eines Abschlusses. Man habe Arbeitsgruppen eingesetzt, die Möglichkeiten ausloten sollten, wie sich Arbeitgeber und Gewerkschaft annähern können.

fdi/dpa

insgesamt 31 Beiträge
funny-smartie 16.04.2018
1. Den Kommunen ....
.... fällt das Dach über dem Kopf wegen der Änderungen für die künftige Grundsteuerberechnung, insbesondere in Ballungsgebieten wie Rhein-Main und München zusammen. Und der Bund lässt nun die Säbel rasseln mit einer [...]
.... fällt das Dach über dem Kopf wegen der Änderungen für die künftige Grundsteuerberechnung, insbesondere in Ballungsgebieten wie Rhein-Main und München zusammen. Und der Bund lässt nun die Säbel rasseln mit einer wirtschaftlichen Negativschlagzeile nach der Anderen aufgrund der aktuellen politischen Weltlage. Es sind Tarifverhandlungen im öD am Laufen. Wie immer! Kam noch NIE jemand der sagte "ich weiß mit all meinen vielen Steuereinnahmen nicht wohin, Ihr bekommt jetzt mal die volle Forderung".
frederic_1618 16.04.2018
2. Ein Riesending,
wenn zum Abschluss 4, (3-5)%, mindestens € 150,00, 37 Wochenstunden und für die Auszubildenden eine Option (auszuhandeln zwischen Ausbildungsbetrieb und Azubi) herauskäme. Alles andere ist Theaterdonner und Drama für die [...]
wenn zum Abschluss 4, (3-5)%, mindestens € 150,00, 37 Wochenstunden und für die Auszubildenden eine Option (auszuhandeln zwischen Ausbildungsbetrieb und Azubi) herauskäme. Alles andere ist Theaterdonner und Drama für die begeisterten Zuschauer.
pom_muc 16.04.2018
3.
6% Lohnerhöhung für den ÖD. 200 EUR mindestens. Nette Forderungen. Die Zugpferde der deutschen Wirtschaft Chemie und Metall bekamen nicht mal die Hälfte. Es wird Zeit dass der ÖD und die Beamten fix an die [...]
6% Lohnerhöhung für den ÖD. 200 EUR mindestens. Nette Forderungen. Die Zugpferde der deutschen Wirtschaft Chemie und Metall bekamen nicht mal die Hälfte. Es wird Zeit dass der ÖD und die Beamten fix an die Durchschnittslohnsteigerungen der arbeitsfähigen Bevölkerung gekoppelt werden. Da kommt dann auch das Durchschnittseinkommen von Arbeitslosen zur Geltung und der Vorteil eine Jobgarantie zu haben.
Korken 16.04.2018
4. Beamtenbund
Warum sich der Beamtenbund immer mit diesen ÖD verhandlungen anhängt, kein Wunder, dass immer wieder gebremst wird. Wie wäre es mal mit unabhängigen ÖD Verhandlungen, damit die Leute endlich auch mal eine wirklich kräftige [...]
Warum sich der Beamtenbund immer mit diesen ÖD verhandlungen anhängt, kein Wunder, dass immer wieder gebremst wird. Wie wäre es mal mit unabhängigen ÖD Verhandlungen, damit die Leute endlich auch mal eine wirklich kräftige Erhöhung durch die Bank erhalten um nur einigermaßen der allgemeinen Lohnentwicklung zu folgen.
wasistlosnix 16.04.2018
5. Kassensturz
Wo sind jetzt all die vollen Kassen?
Wo sind jetzt all die vollen Kassen?

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