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Wirtschaft

Panama-Enthüllung

Kanzlei bestreitet illegale Geschäfte

Nach der Veröffentlichung der Panama-Papiere laufen weltweit Ermittlungen. Die Kanzlei Mossack Fonseca verteidigt sich gegen Vorwürfe: Ihre Kritiker hätten keine Ahnung vom Finanzgeschäft.

AP

Skyline von Panama-City

Dienstag, 05.04.2016   10:37 Uhr

Die Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama werden weltweit zu einem Fall für die Justizbehörden. Nach Australien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden leitete auch Panama selbst Ermittlungen ein. Es werde geprüft, inwieweit Straftaten vorlägen und von wem sie begangen worden seien, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Montag (Ortszeit) mit. Auch durch mutmaßliche Steuerhinterziehung entstandene finanzielle Schäden würden ermittelt, hieß es weiter.

In koordinierten Berichten von Medien aus rund 80 Ländern wird zahlreichen Politikern, Sportlern und Prominenten vorgeworfen, ihr Geld mithilfe der Kanzlei Mossack Fonseca in Offshorefirmen geparkt zu haben. Auch mehrere Tausend Deutsche sollen laut "Süddeutscher Zeitung" Briefkastenfirmen der Kanzlei in Panama genutzt haben.

Frankreich leitete Vorermittlungen wegen "Geldwäsche und Steuerbetrugs" ein, wie die Staatsanwaltschaft in Paris mitteilte. Es sei davon auszugehen, dass sich auch französische Steuerzahler strafbar gemacht hätten.

Die spanische Staatsanwaltschaft befasst sich nach Angaben aus Justizkreisen ebenfalls mit den Enthüllungen. Demnach wurden in Spanien Ermittlungen wegen Geldwäsche eingeleitet.

In Deutschland nutzten nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" mindestens 28 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei. Insgesamt hätten die Geldhäuser, darunter sechs der sieben größten Kreditinstitute, bei dem Offshoredienstleister mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder verwalteten sie für ihre Kunden, berichtete die "SZ". Neben der Deutschen Bank nutzen insbesondere die Dresdner Bank, die Commerzbank und die BayernLB die Dienste der Kanzlei.

In China wurden die Enthüllungen, die auch Verwandte hoher chinesischer Amtsträger umfassen, im Internet geblockt. Nach Informationen der "China Digital Times" in Hongkong wies die Zensur die Staatsmedien an, Berichte über die Offshorefirmen in Steueroasen zu suchen und diese zu löschen. Es wurde mit ernsten Konsequenzen gedroht, sollten dennoch Informationen auf Webseiten gefunden werden.

Video: Steuertricks der Mächtigen und Reichen

Foto: AP
"Wir bedauern jeden Missbrauch"

Die Anwälte von Mossack Fonseca verteidigten sich in einer vierseitigen Stellungnahme. Panama sei keine Steueroase. Zwar müssten dort registrierte Firmen keine Einkommens- oder Kapitalertragssteuer auf in anderen Ländern getätigte Investitionen oder Transaktionen zahlen, doch der Finanzsektor sei streng reguliert und folge internationalen Regeln.

Auch die Arbeit der Kanzlei werde genau kontrolliert, teilweise von verschiedenen Institutionen gleichzeitig, hieß es in der Stellungnahme weiter. Die Firma folge strengen internen Richtlinien zur Risikobewertung und Kundenprüfung.

"Wir sind verantwortungsvolle Mitglieder der globalen Finanz- und Wirtschaftswelt", schrieben die Anwälte von Mossack Fonseca. "Wir bedauern jeden Missbrauch unserer Dienstleistungen und unternehmen Schritte, um ihn zu verhindern."

"Diese Berichte stützen sich auf Vermutungen und Stereotypen", teilte die Anwaltsfirma mit. Mossack Fonseca sei noch nie im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen beschuldigt oder angeklagt worden und werde in ein falsches Licht gerückt. Der Öffentlichkeit fehle das Fachwissen, um "die Arbeit von Firmen wie uns" richtig einordnen zu können.

Die Kanzlei halte sich an internationale Standards, um weitestmöglich sicherzustellen, dass von ihr gegründete Gesellschaften nicht zur Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder für andere kriminelle Zwecke genutzt würden. "Wir bieten auch keine Lösungen an, die den Zweck haben, ungesetzliche Handlungen wie Steuerhinterziehung zu verbergen", heißt es in der Stellungnahme.

Auf der nun ins Netz gestellten Internetseite finden sich Fragen und Antworten zu dem Geschäftsmodell der Kanzlei, ein Interview mit Teilhaber Ramón Fonseca Mora und ein wissenschaftlicher Fachartikel zu bestimmten Rechtsfiguren in Panama.

Mossack Fonseca gründet Kapitalgesellschaften und verkauft diese an Zwischenhändler wie Banken und Vermögensberater, die sie dann an die Endkunden weitergeben. Zudem bietet die Kanzlei auch bestimmte Verwaltungsdienstleistungen für die Offshorefirmen an.

jul/dpa/AFP

insgesamt 104 Beiträge
hevopi 05.04.2016
1. Jetzt bekommen sie kalte Füße,
weil sich dieser Skandal weltweit ausbreitet und viele Prominente in ein schlechtes Licht rückt. Diese Firma hat ja keine Zukunft mehr, denn wenn dieser Name fällt, denkt jeder sofort an Straftaten. Es wird ja richtig spannend, [...]
weil sich dieser Skandal weltweit ausbreitet und viele Prominente in ein schlechtes Licht rückt. Diese Firma hat ja keine Zukunft mehr, denn wenn dieser Name fällt, denkt jeder sofort an Straftaten. Es wird ja richtig spannend, wie die ganze Geschichte sich in den nächsten 12 Monaten weiterentwickelt und ob nicht dieses mal die Politiker wirklich dazu gezwungen werden, diesem seltsamen Finanzgebaren (verstehen halt die normalen Bürger nicht) ein Ende zu setzen. Wenn ich Mitarbeiter dieses Unternehmens wäre, würde ich mir schon einen neuen Job suchen.
tobiash 05.04.2016
2. Abenteuerlich!
Da haben WDR und SZ mal wieder ganze Arbeit geleistet. Sie haben doch glatt herausgefunden, dass es in Panama diverse Briefkastenfirmen gibt, die unter Umständen eventuell auch für illegale Aktivitäten genutzt werden könnten. [...]
Da haben WDR und SZ mal wieder ganze Arbeit geleistet. Sie haben doch glatt herausgefunden, dass es in Panama diverse Briefkastenfirmen gibt, die unter Umständen eventuell auch für illegale Aktivitäten genutzt werden könnten. Eventuell aber auch nicht. Die Beteiligten werden dann auch gleich genannt und damit in die Schmuddel-Ecke gedrängt, aus der sie so schnell nicht mehr rauskommen. Ein Treppenwitz mit Beweisumkehr also. Warum die Berichterstattung dieser "Investigativexperten" immer dann endet, wenn es droht interessant zu werden, wird wohl immer deren Geheimnis bleiben. Da es sich bei den Diffarmierten zwangsweise um Menschen mit Vermögen handelt, bleibt die Vermutung, dass es wohl immer den Richtigen treffe. Peinliche Posse ohne jegliche Aussagekraft!
freidenker49 05.04.2016
3. Eine gute Ergänzung
wäre ein Link zur genannten Veröffentlichung oder zumindest einige Punkte, warum solche Firmen gegründet werden. Der wichtigste: Vermögende wollen nicht, dass jeder weiß, was und wie viel Ihnen gehört. Diese Gründe [...]
wäre ein Link zur genannten Veröffentlichung oder zumindest einige Punkte, warum solche Firmen gegründet werden. Der wichtigste: Vermögende wollen nicht, dass jeder weiß, was und wie viel Ihnen gehört. Diese Gründe kann sich der nicht vermögende Normalbürger nicht vorstellen: Ein Grund wäre Schutz vor Entführung a la Aldi, Oetker. Ein anderer, dass nicht jeder weiß, in welchen diversen Geschäften man engagiert ist. Das kann von vielen dann kopiert werden, weil solche Diversifizierung sehr wirtschaftlich sein kann auch zur Risikominimierung. Insofern ist die Diversifizierung eine Art Geschäftsgeheimnis. Und es gibt diverse Geschäfte, die von den Medien kritisiert werden. Hierzu gehört zum Beispiel auch jedes Immobiliengeschäft. Man wird sofort als Immobilienhai diffamiert. Auch wenn es eigentlich positiv ist, wenn man zum Beispiel Wohnraum schafft. Natürlich auch jede Beteiligung an Rüstungs oder Waffen Firmen. Auch wenn jeder eigentlich eine wehrhafte Armee für richtig hält. Oder das Engagement in der legalen Drogen Industrie, Zigaretten und Alkohol. In jedem deutschen Firmenregister muss der Name der Beteiligten stehen. Und diese Firmenregister sind für jeden interessierten einsehbar. Eine Anonymität würde nur eine aufwändig zu konstruierende Aktien Gesellschaft bieten. Die ist aber sehr teuer in der Gründung und in der Unterhaltung. Die weitere Möglichkeit, über einen Treuhänder -Strohmann genannt in der Bevölkerung - setzt ein Vertrauensverhältnis voraus, dass missbraucht werden kann. Es droht also wirtschaftlicher Schaden. Deshalb ist eine anonyme Off shore Gründung oft die sinnvolle Lösung.
jujo 05.04.2016
4. ...
Ich habe wirklich keine Ahnung von diesen Finanzgeschäften. Das heißt aber wahrscheinlich nur das mir die Kenntnisse über verdeckte und illegale Finanzgeschäfte fehlen. Mir als Normalo würde ja schon reichen wenn alle, ob [...]
Ich habe wirklich keine Ahnung von diesen Finanzgeschäften. Das heißt aber wahrscheinlich nur das mir die Kenntnisse über verdeckte und illegale Finanzgeschäfte fehlen. Mir als Normalo würde ja schon reichen wenn alle, ob Firmen oder Privatleute, verpflichtend in dem Land Steuern zahlen würden in dem das Geld verdient wird. So wie ich es als Normalo auch tun muss!
Mertrager 05.04.2016
5. Wir sind doch alle blöd
Bzw halten die uns dafür. Die Frage ist doch, wo kommt das viele Geld her ? Ist es versteuert ? Und warum wird es (bzw. die Erträge) so versteckt ? Um Steuern zu sparen ? Zu hinterziehen ?
Bzw halten die uns dafür. Die Frage ist doch, wo kommt das viele Geld her ? Ist es versteuert ? Und warum wird es (bzw. die Erträge) so versteckt ? Um Steuern zu sparen ? Zu hinterziehen ?

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