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Wirtschaft

Peter Altmaier

"Wir lassen uns aus Washington keine Handelsbeziehungen diktieren"

Bundeswirtschaftsminister Altmaier warnt vor den Folgen eines weltweiten Handelskrieges. Zugleich betonte der CDU-Politiker Deutschlands Autonomie in Handelsfragen.

DPA

Peter Altmaier

Sonntag, 12.08.2018   00:03 Uhr

Angesichts der Strafzölle der US-Regierung auf Waren aus China und der Türkei hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor dramatischen Folgen für die Weltwirtschaft gewarnt. "Dieser Handelskrieg verlangsamt und zerstört Wirtschaftswachstum und produziert neue Unsicherheiten", sagte Altmaier der "Bild am Sonntag" (BamS).

"Die Vergangenheit hat gezeigt: Unter Handelskriegen leiden vor allem die Verbraucher, da die Produkte teurer werden", sagte Altmaier der BamS weiter. "Die Vereinbarung zwischen der EU und den USA kann daher nur ein erster Schritt sein. Am Ende brauchen wir einen Welthandel mit niedrigeren Zöllen, weniger Protektionismus und offenen Märkten." (Wie sich etwa der Lira-Verfall auf Deutschland auswirken könnte, lesen Sie hier.)

Drohende Strafzölle gegen die EU sehe Altmaier auch nach der Einigung zwischen der EU-Kommission und US-Präsident Donald Trump mit Sorge. "Wir haben wenige Meter vor der Absturzkante noch einmal die Kurve gekriegt. Ein weltweiter Handelskrieg würde keine Gewinner, sondern nur Verlierer kennen. Die Politik hat nicht das Recht, die Arbeitsplätze von Stahlkochern, Autobauern und Aluminiumgießern aufs Spiel zu setzen", so Altmaier. "Die Einigung, die EU-Kommissionspräsident Juncker mit Trump auf den Weg gebracht hat, sichert Hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland und Europa."

Türkei-Beziehungen: Zurück zur Sachlichkeit

Mit Blick auf die US-Sanktionen gegen den Iran, die Geschäfte deutscher Firmen mit Teheran beeinträchtigen, sagte Altmaier: "Wir lassen uns aus Washington keine Handelsbeziehungen mit anderen Ländern diktieren und stehen deshalb zum Wiener Nuklearabkommen, damit der Iran keine Atomwaffen produziert. Jedes deutsche Unternehmen darf im Iran weiterhin investieren, so viel es möchte. Aber viele Unternehmen sind auf Kredite von Banken angewiesen, die sich meist in den USA refinanzieren. Das schafft Probleme."

Zugleich verteidigte Altmaier seine geplante Reise im Oktober in die Türkei: "Ich vertrete die Interessen von über 7000 deutschen Unternehmen, die in der Türkei tätig sind. Wir wollen, dass die Türkei ein stabiles und demokratisches Land ist. Gute Wirtschaftsbeziehungen tragen dazu bei."

Es gehe darum, die Wirtschaftsbeziehungen mit einem Land von 80 Millionen Einwohnern, das Mitglied der Nato ist, wieder voranzubringen, so Altmaier. "Die Türkei steht in Europa für Sicherheit und Verlässlichkeit, wir arbeiten mit Ankara in Sachen Migration hervorragend zusammen. Die Wahlen in der Türkei sind vorbei, wir haben jetzt die Chance, zur Sachlichkeit zurückzukehren." Die türkischen Partner wüssten, "dass wir beim Schutz deutscher Staatsbürger keine Kompromisse machen".

insgesamt 107 Beiträge
mobes 12.08.2018
1. Altmaier, kritisiert Washington und kriecht devot zu Erdogan ...
Dass die Türkei immer noch Mitglied in der Nato ist, ist ein Skandal. Länder, die Kriegsverbrechen begehen, sollten nie Mitglied in der Nato sein. Und wenn Herr Altmann jetzt noch in die Türkei reist, dann toleriert er diese [...]
Dass die Türkei immer noch Mitglied in der Nato ist, ist ein Skandal. Länder, die Kriegsverbrechen begehen, sollten nie Mitglied in der Nato sein. Und wenn Herr Altmann jetzt noch in die Türkei reist, dann toleriert er diese Strafftaten. Er sollte sich ein Beispiel an Herrn Trump nehmen, der setzt sich für seine Landsleute ein und boykottiert die Türkei.
rurei 12.08.2018
2. Peter Altmaier:
"Am Ende brauchen wir einen Welthandel mit niedrigeren Zöllen, weniger Protektionismus und offenen Märkten." Das kann er von Trump haben, wobei "weniger Protektionismus" so wichtig ist wie "keine [...]
"Am Ende brauchen wir einen Welthandel mit niedrigeren Zöllen, weniger Protektionismus und offenen Märkten." Das kann er von Trump haben, wobei "weniger Protektionismus" so wichtig ist wie "keine subventionierten Importe" beiderseits. Allerdings: 1) Trump ist da dabei, Frankreich ist dagegen weil schon immer protektionistisch, lieber Herr Altmaier, ehrlich sein hier, wo die Probleme liegen, 2) bei den Protesten der Freihandelsgegner hat Herr Altmaier, wie die anderen Politiker auch, den Freihandel nicht so mit Nachdruck verteidigt ! Warum nicht ? Da haben sie alle eine Mitschuld, bloß dass das mal klar ist !
Markus Frei 12.08.2018
3. Erstaunlich
Es ist schon erstaunlich, Herr Altmeier vertritt also die Profitinteressen von 7000 deutschen Unternehmen, ich dachte einmal das ein deutscher Minister die Interessen von 80 Millionen Bürgern vertritt, so kann man sich täuschen.
Es ist schon erstaunlich, Herr Altmeier vertritt also die Profitinteressen von 7000 deutschen Unternehmen, ich dachte einmal das ein deutscher Minister die Interessen von 80 Millionen Bürgern vertritt, so kann man sich täuschen.
M.Rabe 12.08.2018
4. Türkei muss wissen, wer Freund ist und wer Feind.
Bin nicht gerade Freund von Erdogans Politik, aber mir ist eine an Europa gebundene Türkei lieber, als eine, die sich nach Moskau oder noch weiter östlich orientiert. Deshalb kann man trotzdem seiner eigenen Linie treu [...]
Bin nicht gerade Freund von Erdogans Politik, aber mir ist eine an Europa gebundene Türkei lieber, als eine, die sich nach Moskau oder noch weiter östlich orientiert. Deshalb kann man trotzdem seiner eigenen Linie treu bleiben.
spon-facebook-1027497194 12.08.2018
5. Das sollte Altmaier mal den Kollegen in Brüssel sagen ...
denn Europa verlangt in der Summe höhere Zölle für Importe aus den USA (übrigens auch z. B. aus Afrika) als die USA Zölle auf Waren aus Deutschland erhebt. Hinzu kommt, dass viele Jahre lang vor allem linke Regierungen in [...]
denn Europa verlangt in der Summe höhere Zölle für Importe aus den USA (übrigens auch z. B. aus Afrika) als die USA Zölle auf Waren aus Deutschland erhebt. Hinzu kommt, dass viele Jahre lang vor allem linke Regierungen in Europa nach Schutzzöllen gegen Waren aus den USA verlangten und gegen den Freihandel plädierten. Wir erinnern uns vielleicht noch an die TTIP-Demos? Heute will man davon nichts mehr wissen, denn Trump ist natürlich das Böse schlechthin und damit alles, was von ihm kommt ein No go. Warum wird sein Angebot der gegenseitigen Aufhebung aller Zölle nicht diskutiert, wenn Zölle die Entwicklung der Wirtschaft hemmen? Ach so, ist ja ein Vorschlag von Trump. Geht also gar nicht. Immer diese zweierlei Maße. Europa wird an seiner Selbstgerechtigkeit und -gefälligkeit noch mal ersticken.

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