Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Endlich verständlich

Die wichtigsten Daten und Fakten zur Rente

Die Rente geht alle an, doch kaum jemand blickt durch: Warum ist sie unter Druck? Was ist sie 2040 noch wert? Droht Altersarmut als Massenphänomen? Und ist die Riester-Rente wirklich gescheitert? Die Antworten im Hintergrundformat "Endlich verständlich".

picture alliance / dpa
Montag, 07.11.2016   13:09 Uhr

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Probleme hat die gesetzliche Rente?
  2. Wie ist die Altersvorsorge in Deutschland organisiert?
  3. Wie errechnet sich die gesetzliche Rente?
  4. Ist die gesetzliche Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen Pflicht?
  5. Wie weit wird das gesetzliche Rentenniveau sinken?
  6. Und was wird man sich 2040 als Neurentner noch leisten können?
  7. Wie funktioniert private Altersvorsorge?
  8. Wie funktioniert betriebliche Vorsorge?
  9. Warum ist private und betriebliche Altersvorsorge so wichtig?
  10. Was sind die Probleme der privaten und betrieblichen Vorsorge?
  11. Kann ich mich auf die Rentenhöhen in den jährlichen Renteninformationen verlassen?
  12. Lässt sich das Rentensystem retten, wenn wir länger arbeiten?
  13. Ist die Riester-Rente wirklich gescheitert?
  14. Wie schwierig wäre ein Systemwechsel hin zu einer Bürgerversicherung für die Rente?
  15. Droht massenhafte Altersarmut?
  16. Wer muss Altersarmut fürchten?
  17. Lässt sich Altersarmut durch ein höheres gesetzliches Rentenniveau bekämpfen?
  18. Wie lässt sich Altersarmut sinnvoll bekämpfen?
  19. Glossar

1. Welche Probleme hat die gesetzliche Rente?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist durch die Alterung der Gesellschaft, den demografischen Wandel, unter Druck geraten. Weil die Geburtenraten gesunken sind, leben in Deutschland immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen. Hinzu kommt: Dank des medizinischen Fortschritts ist auch die Lebenserwartung deutlich gestiegen. Es gibt also nicht nur mehr Senioren als früher, sie leben auch deutlich länger - und beziehen länger Rente.

Für die gesetzliche Rentenversicherung ist das ein Problem. Sie finanziert sich über das Umlageverfahren: Arbeiter und Angestellte zahlen Rentenbeiträge ein, die als Rentenzahlungen an die aktuelle Rentnergeneration ausgezahlt werden. Rücklagen werden also nicht gebildet - abgesehen von der Nachhaltigkeitsreserve, die aber höchstens die Ausgaben für 1,5 Monate abdecken soll.

In einem solchen System gibt es umso mehr zu verteilen, je stärker Löhne und Gehälter und vor allem die arbeitende Bevölkerung insgesamt wachsen. Von dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) ist der Satz überliefert: „Kinder kriegen die Leute immer“. Das war ein Irrtum, wie wir heute wissen. Die Gesellschaft überaltert.

Es gibt eine Messgröße, die das Problem der Rentenversicherung gut verdeutlicht: den sogenannten Altenquotienten. Er setzt die Zahl der Menschen über 65 Jahren ins Verhältnis zur ökonomisch aktiven Bevölkerung (20 bis 65 Jahre). 1995 lag der Altenquotient bei 0,25 – auf 100 Jüngere kamen also 25 Rentner. Vier Jüngere finanzierten mit ihren Rentenbeiträgen also einen Rentner. Inzwischen liegt der Altenquotient bereits bei 0,33 – nur noch drei Jüngere finanzieren heute also einen Rentner, 2030 werden es nur noch zwei Jüngere sein.

In den kommenden Jahren wird der Altenquotient rasant ansteigen und dürfte Prognosen zufolge 2060 bei 0,64 liegen – dann werden drei Jüngere also zwei Rentner finanzieren müssen. Immer mehr Rentenempfänger stehen also immer weniger Beitragszahlern gegenüber.

Ein weiteres Problem: sogenannte versicherungsfremde Leistungen. Ein Beispiel ist die Mütterrente: Frauen, die Kinder großgezogen haben, sollen höhere Renten ausgezahlt werden – unabhängig davon, ob und wie viel sie in die Rentenkasse eingezahlt haben. Es handelt sich also um Subventionen, für die nie Geld in die Rentenkasse geflossen ist.

Darüber hinaus verliert die Rentenversicherung zunehmend ihre frühere Funktion als ausreichende Alterssicherung für die weit überwiegende Mehrheit. Denn für viele jetzige Arbeitnehmer wird ihre gesetzliche Rente nicht mehr ausreichen – auch weil sich das Erwerbsleben verändert hat: Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, dass viele Arbeitnehmer von der Lehre bis zur Pensionierung ein ganzes Berufsleben in einem Unternehmen verbrachten. Heute dagegen sind häufige Jobwechsel üblich, ebenso wie berufliche Auszeiten oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse, in denen kaum Vorsorge für das Alter getroffen werden kann. Die Rentenversicherung muss also angepasst werden an diese sogenannten unsteten Erwerbsbiografien.

Zudem sind viele Erwerbstätige gar nicht mehr gesetzlich rentenversichert. Ein Beispiel ist die Zunahme schlecht verdienender Selbstständiger, die in keinem verpflichtenden Alterssicherungssystem abgesichert sind – Bundarbeitsministerin Andrea Nahles bezifferte ihre Zahl auf rund drei Millionen Menschen.

2. Wie ist die Altersvorsorge in Deutschland organisiert?

Kommt die Sprache auf die Reform der Altersvorsorge in Deutschland, ist oft die Rede von den drei Säulen. Hinter diesem Konzept steht die Idee, die durch den demografischen Wandel zu erwartenden Einbußen bei der gesetzlichen Rentenversicherung durch den Aufbau ergänzender Vorsorgeinstrumente abzufedern.

Als erste Säule wird vor allem die gesetzliche Rentenversicherung bezeichnet ( für Beamte und Freiberufler gibt es eigene Systeme ). Sie basiert auf dem Umlageverfahren und ist für mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen eine Pflichtversicherung.

Im Gegensatz zum Umlageverfahren basieren die zweite und die dritte Säule der Altersvorsorge auf dem Kapitaldeckungsverfahren: Eingezahlte Gelder werden angelegt und im Alter inklusive der Zugewinne wieder ausbezahlt. Als Vorteil gilt, dass Kunden so von den – zumindest in der Vergangenheit relativ hohen – Renditen am Kapitalmarkt profitieren konnten, bei begrenztem Risiko. Die Höhe der Rendite hängt dabei von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab und nicht mehr - wie bei der gesetzlichen Rente im Umlageverfahren - von der Entwicklung bei Demografie und Löhnen.

Als zweite Säule wird in Deutschland die betriebliche Altersvorsorge bezeichnet: Unternehmen bauen während der Betriebszugehörigkeit eines Arbeitnehmers einen Kapitalstock auf. Nach Renteneintritt wird zusätzlich zur gesetzlichen Rente eine Betriebsrente ausgezahlt. Die betriebliche Vorsorge ist grundsätzlich freiwillig, oft ist sie jedoch in Tarifverträgen festgeschrieben.

Die dritte Säule ist die private Altersvorsorge. Im Prinzip fallen darunter alle Formen der Geldanlage – vom Aktiendepot über das Festgeldkonto bis zu Immobilen. Eine besondere Bedeutung haben jedoch Formen, die staatlich gefördert werden. Diese sind dennoch freiwillig und fallen weder in die direkte Verantwortlichkeit des Staats noch in die eines Arbeitgebers. Kunden müssen sie selbst abschließen, Versicherungsunternehmen bieten entsprechende Verträge an.

Traditionell waren die zweite und dritte Säule in Deutschland wenig verbreitet. So lag der Bestand an Verträgen der betrieblichen Altersvorsorge noch 2002 bei nur 8,1 Millionen, 2015 waren es allerdings bereits 15 Millionen. Ähnlich ist die Lage bei der privaten Rentenversicherung: Im Jahr 2000 lag der Bestand bei 9,9 Millionen Verträgen, inzwischen sind es mehr als 40 Millionen.

Dazu zählen die mehr als 16 Millionen Riester-Renten-Verträge. Diese staatlich geförderte private Zusatzversorgung wurde 2001 eingeführt und verzeichnete zu Beginn im Schnitt eine Million neue Verträge pro Jahr. Zuletzt wuchs die Zahl allerdings kaum noch, denn die Riester-Rente hat negative Schlagzeilen gemacht: Die Vermittlungsgebühren der Versicherungskonzerne sind zum Teil enorm, zugleich sind die Renditen für vergleichsweise sichere Anlagen auf null oder sogar darunter gesunken. Die kapitalgedeckte Rente ist also zwar weniger anfällig für den demografischen Wandel, aber sie kämpft mit eigenen Problemen ( ausführlich siehe hier ).

Das Bild von den drei Säulen ist deshalb irreführend: Betriebliche und private Rente sind noch weit davon entfernt, gesamtgesellschaftlich eine ähnlich tragende Rolle zu spielen wie die gesetzliche Rentenversicherung. Gelegentlich ist deshalb auch von einem Drei-Schichten-System die Rede, in dem die gesetzliche Rente das Fundament darstellt.

3. Wie errechnet sich die gesetzliche Rente?

„Kompliziert, aber nicht undurchschaubar“, so bezeichnet die Deutsche Rentenversicherung selbst ihr Vorgehen bei der Berechnung der Rentenzahlungen.

Die wichtigsten Einflussgrößen auf die Rentenhöhe sind:

Konkret lautet die Formel für die monatliche Rente: E x Z x R x A

Hinter E verbirgt sich eine Messgröße für das im Berufsleben erzielte Einkommen. Gerechnet wird in sogenannten Entgeltpunkten. Wer in einem Jahr brutto genauso viel verdient hat wie das Durchschnittseinkommen (2015 rund 35.000 Euro) und darauf Rentenbeiträge eingezahlt hat, erhält einen Entgeltpunkt.

1,2 Entgeltpunkte bekommt hingegen, wer 42.000 Euro verdient hat, also 20 Prozent mehr als der Durchschnitt. Maximal gibt es 2,1 Entgeltpunkte. In der Gleichung ist E die Summe aller im Berufsleben gesammelten Entgeltpunkte. Für einen Arbeitnehmer, der 45 Jahre lang immer das Durchschnittseinkommen verdient hat beträgt der Wert von E also 45.

Z steht in der Rentenformel für Zugangsfaktor. Er beträgt normalerweise 1. Wer allerdings früher als üblich in Rente geht - und folglich damit rechnen kann, länger Rente zu beziehen - muss Abschläge in Kauf nehmen. Für jeden Monat, den der Renteneintritt vorgezogen wird, werden 0,003 Punkte (also 0,3 Prozent) abgezogen.

Über den Faktor R werden unterschiedliche Rentenarten justiert. Bei der klassischen Altersrente beträgt er 1, bei einer Witwenrente 0,55.

Etwas komplizierter ist die Berechnung des aktuellen Rentenwerts (A). Grob gesagt entspricht er dem Gegenwert in Euro, den ein Rentner monatlich für einen Entgeltpunkt bekommt. Derzeit liegt der Rentenwert bei 30,45 Euro in Westdeutschland und 28,66 Euro in Ostdeutschland. Der Rentenwert wird jedes Jahr nach einer gesetzlich festgelegten Formel berechnet und formal von der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats zum 1. Juli neu festgesetzt. Er steigt, wenn Bruttolöhne und -gehälter sich gut entwickeln. Rentner bekommen auf diese Weise etwas von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Seit 2004 wird dieser Anstieg allerdings gedämpft. Damals wurde der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt. Dieser berücksichtigt, wie sich die Gesellschaftsstruktur entwickelt und trägt der gesellschaftlichen Alterung Rechnung. Nimmt der Anteil von Rentenempfängern im Vergleich zu Beitragszahlern zu, fällt der Anstieg des Rentenwerts geringer aus.

Eine Beispielrechnung:

Ein Empfänger einer regulären Altersrente (R=1), der 45 Jahre stets den Durchschnittsverdienst hatte (E = 45), bekommt ohne Abschläge für Frühverrentung (Z=1) eine

monatliche Rente von 45 x 1 x 1 x 30,45 Euro = 1370,25 Euro.

Die Rente in diesem Beispiel entspricht der sogenannten Eckrente oder Standardrente.

4. Ist die gesetzliche Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen Pflicht?

Nein, nur für knapp 70 Prozent aller Erwerbstätigen ist derzeit die gesetzliche Rentenversicherung Pflicht. Denn es gibt Ausnahmen für einige Gruppen von Erwerbstätigen:

Beamte, Richter und Berufssoldaten erhalten Pensionen, ebenso wie Abgeordnete und Regierungsmitglieder. Diese bezahlt der Staat aus Steuermitteln. Grundlage ist das Alimentationsprinzip, das den Staat verpflichtet, Beamten und ihren Familien lebenslang – also auch in der Zeit nach der Berufstätigkeit – einen angemessenen Lebensunterhalt sicherzustellen.
Anfang 2015 wurden an etwa 1,59 Millionen Menschen Pensionen ausbezahlt, darunter auch Hinterbliebene.

Selbstständige sind ebenfalls grundsätzlich nicht in der Rentenversicherung pflichtversichert – und auch ansonsten nicht verpflichtet, für ihr Alter vorzusorgen. Viele tun es auch nicht: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) spricht von rund drei Millionen Selbstständigen, die keine oder eine zu geringe Altersvorsorge betreiben.

Allerdings gibt es Ausnahmen: Für Handwerker, Künstler und Publizisten, Hebammen und freiberufliche Lehrer ist die gesetzliche Rentenversicherung Pflicht.

Freiberufler sind zumeist zwar pflichtversichert – allerdings nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Für sie gibt es eigene sogenannte berufsständische Versorgungswerke, in denen jeweils die Angehörigen eines Berufs – zum Beispiel Ärzte, Apotheker, Anwälte, Architekten oder Ingenieure - Mitglied sind. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung sind diese Versorgungswerke nicht bundesweit organisiert, sondern zumeist auf Ebene der Bundesländer, mitunter sogar noch kleinteiliger. So gibt es zum Beispiel 18 Versorgungswerke für Ärzte. Insgesamt gibt es 89 Versorgungswerke in Deutschland (Stand: 2016) mit 951.000 Mitgliedern (Stand: 2014).

5. Wie weit wird das gesetzliche Rentenniveau sinken?

Grundsätzlich ist die Höhe des gesetzlichen Rentenniveaus von politischen Entscheidungen abhängig. In der Vergangenheit wurden die entsprechenden Gesetze häufig geändert, meistens in Richtung eines niedrigeren Niveaus. 2014 waren es 48,1 Prozent.

Doch selbst wenn es bei der gegenwärtigen Rechtslage bleibt, lässt sich nicht exakt vorhersagen, wie weit das gesetzliche Rentenniveau sinken wird. Das hängt davon ab, wie sich Wirtschaft, Löhne und Beschäftigung künftig entwickeln. Gesetzlich festgelegt sind bislang nur zwei Untergrenzen: Das Rentenniveau darf bis zum Jahr 2020 nicht unter 46 Prozent und bis zum Jahr 2030 nicht unter 43 Prozent sinken. Für die Zeit danach ist bislang keine Untergrenze definiert, obwohl das Rentenniveau auch in den Jahren nach 2030 stark sinken dürfte.

Das Prognos-Institut hat für den SPIEGEL die Entwicklung des gesetzlichen Rentenniveaus bis zum Jahr 2040 vorausberechnet. Demnach wird es dann nur noch 41,7 Prozent betragen:

Die Bundesregierung hat angekündigt, noch in diesem Jahr eine Prognose bis zum Jahr 2045 vorzulegen – und bereits die Eckdaten einer vorläufigen Vorausberechnung genannt. Demnach wird das Niveau in einer ähnlichen Größenordnung sinken wie von Prognos berechnet, wenn auch etwas langsamer: auf 41,6 Prozent im Jahr 2045.

6. Und was wird man sich 2040 als Neurentner noch leisten können?

Das Prognos-Institut hat die voraussichtliche Bruttorente für die zehn häufigsten Berufe in Deutschland berechnet - und dabei auch das Preisniveau in den mehr als 400 Kreisen und kreisfreien Städten berücksichtigt. Zudem wurde die Bruttorente sowohl für Kinderlose als auch für Eltern von zwei Kindern berechnet.

Zugrunde gelegt wurde der Geburtsjahrgang 1973, der in der Regel in den Jahren 2038 bis 2040 in Rente gehen wird. In ähnlicher Höhe gelten die Zahlen natürlich auch für die Jahrgänge kurz zuvor oder danach.

Die Ergebnisse lassen sich in interaktiven Deutschlandkarten ablesen – diese finden Sie in diesem Artikel.

 

7. Wie funktioniert private Altersvorsorge?

Grundsätzlich versteht man darunter die unterschiedlichsten Möglichkeiten, um privat für das Alter vorzusorgen. Die einen nutzen das klassische Sparbuch, andere kaufen sich eine Immobilie, legen in Aktien an oder nutzen andere Anlageformen wie Lebensversicherungen oder Bausparverträge.

Der privaten Vorsorge kommt spätestens seit der rot-grünen Rentenreform von 2001 immense Bedeutung zu; seitdem bildet sie die dritte Säule im Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge. Damals beschloss die Koalition, das Niveau in der gesetzlichen Rentenversicherung deutlich zu senken. Um künftig dennoch ein angemessenes Niveau der Altersversorgung halten zu können, führte sie Möglichkeiten einer staatlich geförderten kapitalgedeckten Privatrente ein. Trotz der wichtigen Funktion der privaten Vorsorge ist sie freiwillig.

Riester-Rente

Sie ist benannt nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD). Gesetzliche Grundlage ist das Altersvermögensgesetz. Der Staat fördert zertifizierte Vorsorgeprodukte, zum Beispiel Lebensversicherungen und Sparverträge für Konten oder Fonds. Später - frühestens ab dem 60. Geburtstag oder zu Beginn der Altersrente – erhalten Versicherte dann mindestens 70 Prozent des so gesparten Vermögens in Form einer lebenslangen Rente (Leibrente). Die restlichen 30 Prozent können bei Rentenbeginn als Einmalzahlung ausgeschüttet werden.

Eine Zulage von 154 Euro pro Jahr gibt es vom Staat, wenn mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens in die Rente fließen, höchstens 2100 Euro. Die Mindestsumme beträgt 60 Euro. Zusätzlich gibt es für jedes vor 2008 geborene Kind eine Zulage von 185 Euro pro Jahr, für jedes danach geborene Kind sogar 300 Euro. Die Beiträge zur Riester-Rente werden von der Steuer abgesetzt – die Steuerersparnis wird aber mit den Zulagen verrechnet.

Wird die Rente später fällig, müssen darauf Einkommensteuern gezahlt werden. Dieser Steueranteil liegt dann in der Regel aber niedriger als zu vollen Erwerbszeiten.

Seit 2008 fördert der sogenannte Wohnriester den Immobilienerwerb als Form der Altersvorsorge.

16 Millionen abgeschlossene Verträge

Nach Einführung der Riester-Rente stieg die Zahl der Verträge stark an. Heute gibt es etwas mehr als 16 Millionen Riester-Verträge. Allerdings stagniert die Entwicklung seit einigen Jahren. Nach Schätzungen ruhen rund 20 Prozent der Verträge derzeit, das heißt, die Versicherten zahlen keine neuen Beiträge ein. Das liegt auch daran, dass die Sinnhaftigkeit der Riester-Rente zuletzt von vielen Seiten angezweifelt wurde - ob zu Recht, lesen Sie in der Antwort auf die Frage "Ist die Riester-Rente wirklich gescheitert?".

Lesen Sie hierzu auch die Antwort auf die Frage "Was sind die Probleme der privaten und betrieblichen Vorsorge?"

Rürup-Rente

Die Riester-Rente richtet sich vor allem an Angestellte – Selbständige und Freiberufler können sie nicht nutzen, es sei denn, sie sind freiwillig gesetzlich versichert. Deswegen wurde 2005 zusätzlich die sogenannte Rürup-Rente eingeführt, benannt nach dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Sie wird auch Basisrente genannt. Auch sie kann erst ab dem vollendeten 60. Lebensjahr als Leibrente ausgezahlt werden. Eingezahlte Beiträge können im höheren Maß als bei der Riester-Rente steuerlich geltend gemacht werden. Aber auch hier werden dann im Alter Einkommensteuern fällig.

8. Wie funktioniert betriebliche Vorsorge?

Die Betriebsrenten bilden die zweite Säule im Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge. Grundlage ist das Betriebsrentengesetz. Unternehmen und Mitarbeiter vereinbaren diese zusätzlichen Renten über den Arbeitsvertrag, über Betriebsvereinbarungen oder über einen Tarifvertrag. Wie die private Vorsorge ist die betriebliche Vorsorge nicht staatlich vorgeschrieben.

Grundsätzlich hat aber jeder Arbeitnehmer Anspruch auf eine Betriebsrente, zumindest in Form eines Bruttolohnverzichts zugunsten eines Rentenbeitrags – in diesem Fall spricht man von Entgeltumwandlung. Ein Teil des Gehalts geht also einfach in den zusätzlichen Rententopf. Arbeitgeber sind hingegen nicht verpflichtet, selbst Beiträge für die betriebliche Altersvorsorge ihrer Arbeitnehmer zu zahlen. Wenn sie es tun, ist es eine freiwillige Leistung.

Die betriebliche Altersvorsorge wird daher zwar immer vom Arbeitgeber organisiert, aber meist vom Arbeitnehmer selbst mitfinanziert – teilweise sogar vollständig. Der Arbeitnehmerbeitrag fließt dabei oft in Form der Entgeltumwandlung in den Rententopf. So sparen Unternehmen und Arbeitnehmer zunächst einmal Sozialabgaben und Steuern. Der Arbeitnehmer muss allerdings später beim Rentenbezug wiederum Abschläge durch Sozialbeiträge und Steuern hinnehmen.

Die Höhe der später ausgezahlten Betriebsrenten ist stark unterschiedlich. Für die meisten Versicherten reichen sie als zweites Standbein neben der abschmelzenden gesetzlichen Rente nicht aus. Frauen erzielen in der Privatwirtschaft im Schnitt eine deutlich geringere Bruttorente als Männer: Laut Alterssicherungsbericht 2016 stehen durchschnittlich 290 Euro für Frauen 601 Euro für Männer gegenüber. Zudem bekommt ein nur sehr geringer Anteil der Frauen überhaupt eine Betriebsrente.

Heute gibt es fünf Millionen Betriebsrentner. Etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer haben in Zukunft Anspruch auf eine Betriebsrente. Unter Geringverdienern und Arbeitnehmern in kleineren Betrieben ist sie allerdings weniger verbreitet. Der rasche Anstieg der Abschlüsse während der Nullerjahre hat sich inzwischen deutlich verlangsamt.

In Deutschland gibt es heute fünf Varianten der Betriebsrente:

Pensionskasse
Sie wird von einem oder mehreren Unternehmen als rechtlich selbstständige Einrichtung gebildet und dient einzig dem Zweck, den Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung in Form einer Lebensversicherung zu bieten. Für sie gelten konservative Anlageformen. Die Beiträge kommen vom Arbeitgeber, Arbeitnehmer können jedoch aufstocken.

Direktversicherung
Diese Variante wird häufiger von kleineren Unternehmen gewählt. Sie schließen direkt bei einem privaten Anbieter eine Lebens- oder Rentenversicherung entweder als Einzel- oder Gruppenvertrag für ihre Mitarbeiter ab. Die Beiträge können vollständig oder teilweise vom Arbeitgeber kommen.

Direktzusage
Vor allem große Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern im Alter eine Rente aus dem eigenen Betriebsvermögen.

Unterstützungskasse
Hier gründet der Arbeitgeber einen rechtlich eigenständigen Verein oder eine Stiftung, der oder die für die Altersversorgung der Mitarbeiter zuständig ist. Gespeist wird die Kasse aus direkten Zahlungen des Unternehmens – oder auch im Fall einer vereinbarten Entgeltumwandlung.

Pensionsfonds
Pensionsfonds sind ebenfalls rechtlich eigenständig. Für sie gelten jedoch weniger strenge Regeln bei der Geldanlage als bei der Pensionskasse, sodass unter Umständen höhere Renditen anfallen. Das bedeutet aber auch ein höheres Risiko. Auch hier ist die Entgeltumwandlung möglich.

9. Warum ist private und betriebliche Altersvorsorge so wichtig?

Eine zusätzliche Vorsorge neben der gesetzlichen Rente ist wichtiger geworden, weil sich die Funktion der privaten und betrieblichen Altersvorsorge stark verändert hat – von einer Ergänzung der gesetzlichen Rente hin zu einem teilweisen Ersatz.

Früher dienten diese Formen der kapitalgedeckten Vorsorge eher als eine Art Sahne auf dem Kuchen: Mit der gesetzlichen Rente allein ließ sich der bisherige Lebensstandard im Großen und Ganzen bereits halten – auch wenn ihr Niveau schon immer niedriger war als das frühere Lohnniveau. Denn wer nicht mehr arbeiten geht, hat in der Regel auch geringere Ausgaben, etwa für den Arbeitsweg, Kleidung und Verpflegung.
Wer damals also zusätzlich eine private oder betriebliche Rente bekam, konnte sich darüber hinaus etwas gönnen, etwa Reisen oder aufwendige Hobbys. Zugespitzt formuliert machte das das Leben im Ruhestand komfortabler – zwingend nötig war es nicht.

Seit 2001 ist das grundlegend anders. Mit den Rentenreformen der damaligen rot-grünen Bundesregierung war ein fundamentaler Paradigmenwechsel verbunden: Die gesetzliche Rente hat seitdem nicht mehr den Anspruch, allein den Lebensstandard im Alter zu sichern – sondern dient nur noch als Sockelabsicherung. Im Gegenzug sollen die Beiträge für die Jüngeren (und für die Arbeitgeber) möglichst stabil bleiben.

Die private und betriebliche Altersvorsorge sollen seitdem in erster Linie die Differenz zum früheren Leistungsniveau der gesetzlichen Rente ausgleichen - nur mit ihnen kann also der Lebensstandard im Alter gehalten werden. Wer ausschließlich gesetzlich versichert ist – und auch kein ausreichendes Vermögen besitzt –, muss sich im Alter erheblich einschränken oder ist dann sogar auf Sozialhilfe angewiesen.

Ein Problem ist jedoch, dass dieser Paradigmenwechsel vielen Versicherten nicht bewusst ist. Sie weisen der gesetzlichen Rentenversicherung noch immer den Anspruch zu, allein für die Absicherung im Alter auszureichen. Dabei mag auch die Beobachtung eine Rolle spielen, dass die eigenen Eltern oder Großeltern relativ gut mit der gesetzlichen Rente auskommen – ein Erfahrungswert, der dann fälschlicherweise auf die eigenen Planungen zur Altersvorsorge übertragen wird.

Verschärfend kommt hinzu, dass es im Übrigen nicht reicht, allein mit einer Riester-Rente privat vorzusorgen, um das niedrigere Niveau in der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen. Seit 2005 gilt die sogenannte nachgelagerte Besteuerung. Ihr Prinzip: Die Rentenauszahlungen müssen (anders als früher) versteuert werden, dafür können die Beitragszahlungen (ebenfalls anders als früher) vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. In ihren Modellrechnungen geht die Bundesregierung davon aus, dass diese Steuerersparnis während des Arbeitslebens vollständig in eine weitere, zusätzliche private Altersvorsorge angelegt wird.

10. Was sind die Probleme der privaten und betrieblichen Vorsorge?

Es gibt zwei große Problembereiche:

1. Niedrige und fehlgesteuerte Beteiligung:

Generell wird private und betriebliche Altersvorsorge von wenigen betrieben – und dann vor allem von jenen, die ohnehin eine relativ hohe gesetzliche Rente erwarten können. Gerade unter den Risikogruppen für Altersarmut – etwa Geringverdiener oder Solo-Selbstständige – ist die Beteiligung weit unterdurchschnittlich. Und wenn sie privat mit einem Riester-Vertrag vorsorgen, zahlen sie oft weniger ein als vier Prozent ihres Bruttoeinkommens. Dadurch erhalten sie auch nicht die volle mögliche staatliche Förderung.

Ausführlichere Informationen erhalten Sie in der Antwort auf die Frage: „Ist die Riester-Rente wirklich gescheitert?“

2. Niedrigzinsen:

Aktuell werden private und betriebliche Vorsorge vor allem durch die niedrigen Zinsen beeinträchtigt. Um das sinkende Niveau in der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen, müsste zum Beispiel bei der Riester-Rente das angelegte Geld jedes Jahr mit vier Prozent verzinst werden - so sehen es die Modellfälle der Bundesregierung vor.

Diese Renditen werden jedoch kaum noch erreicht, seit die Notenbanken als Reaktion auf die Finanzkrise ab 2008 die Leitzinsen drastisch senkten. Seit April 2009 lag der Leitzins etwa in der Eurozone nie über der Marke von 1,5 Prozent. Derzeit liegt er sogar bei null Prozent. Das bedeutet, dass als sicher geltende Anlagen - zum Beispiel Staatsanleihen Deutschlands - höchstens Renditen von knapp mehr als null Prozent erreichen. In diesen sicheren Anlagen ist das Geld der privaten und betrieblichen Altersvorsorge überwiegend angelegt.

In der Folge ist auch der sogenannte Garantiezins gesunken - er schreibt vor, welche jährliche Rendite Versicherungen oder Banken ihren Kunden maximal versprechen dürfen. Im Jahr 2000 betrug er vier Prozent, derzeit 1,25 Prozent, von Januar 2017 an nur noch 0,9 Prozent. Und eine Trendwende hin zu höheren Zinsen ist derzeit zumindest in der Eurozone nicht zu erwarten.

Für künftige Rentner ergeben sich daraus mehrere Probleme:

Wegen der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten kündigen zudem Bausparkassen massenhaft bestehende, seit langem laufende Bausparverträge mit hoher Verzinsung, die Verbraucher zur Altersvorsorge abgeschlossen hatten - rechtlich ist das umstritten.

11. Kann ich mich auf die Rentenhöhen in den jährlichen Renteninformationen verlassen?

Wer mindestens 27 Jahre alt ist und fünf Jahre lang Beiträge gezahlt hat, bekommt einmal im Jahr Post von der gesetzlichen Rentenversicherung: die Renteninformation.

Darin finden sich auf der ersten Seite - fett gedruckt im umrandeten Kasten - drei Eurobeträge:

Diese Informationen sind grundsätzlich wertvoll, weil sie bei der Einschätzung helfen können, ob man ausreichend für das Alter abgesichert ist.

Allerdings besteht die Gefahr, den finanziellen Spielraum im Alter zu überschätzen - aus drei Gründen:

Ein Beispiel: Bis zum Jahr 2040 werden die Renten - laut Vorausberechnung des Prognos-Instituts - im Verhältnis zum durchschnittlichen Lohnniveau um rund 13,5 Prozent entwertet.

Das bedeutet: Wer beruflich bereits etabliert ist und in den vergangenen fünf Jahren keine größeren Gehaltszuwächse hatte, sollte vorsichtshalber mögliche künftige Arbeitszeitreduzierungen oder Arbeitslosigkeit einkalkulieren. Jüngere Versicherte können hingegen mit einer höheren Rente rechnen als in der Renteninformation angegeben, weil Berufsanfänger in der Regel größere Gehaltssprünge machen.

12. Lässt sich das Rentensystem retten, wenn wir länger arbeiten?

Das Rentensystem ist unter Druck, weil die Gesellschaft überaltert. Diese demografische Entwicklung hat zwei Ursachen: Erstens die niedrige Geburtenrate - seit Anfang der Siebzigerjahre werden weniger Kinder geboren als nötig wäre, um die Altersstruktur der Bevölkerung zu erhalten. Zweitens die steigende Lebenserwartung - 1960 hatte ein 65-jähriger Mann im Schnitt noch 12,2 Jahre zu leben, 2014 waren es bereits 17,7 Jahre (Frauen: 1960: 14,2 / 2014: 20,9).

Und dieser erfreuliche Trend wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach fortsetzen. Im Jahr 2060 werden 65-jährige Männer voraussichtlich im Schnitt weitere 22 Jahre leben, Frauen weitere 25 Jahre - also jeweils über vier Jahre mehr als derzeit.

Angenommen, die Geburtenrate wäre so hoch, dass die Bevölkerungszahl nicht abnimmt - oder die Zuwanderung würde derart drastisch zunehmen, um diesen Effekt zu erzielen: Selbst dann wäre die Verlängerung der Lebensarbeitszeit - also ein höheres Renteneintrittsalter - aus Sicht des Rentensystems nötig, allein als Reaktion auf die höhere Lebenserwartung.

In Dänemark, den Niederlanden oder Norwegen ist deshalb eine automatische Anpassung vorgesehen: Steigt die statistische Lebenserwartung, erhöht sich auch die Altersgrenze für die Rente. Viele Experten empfehlen das auch für Deutschland - einige schlagen vor, das Renteneintrittsalter um ein Jahr zu erhöhen, wenn sich die Lebenserwartung um zwei Jahr verlängert. Andere halten eine Erhöhung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre für sinnvoll, wenn sich die Lebenserwartung um drei Jahre verlängert. In jedem Fall hätte der durchschnittliche Rentner also die Aussicht, seine Rente länger beziehen zu können als frühere Jahrgänge.

Allerdings würde auch ein solcher Automatismus nicht dazu führen, dass Rentenniveau und Beitragssätze stabil bleiben - aus mehreren Gründen:

Erstens bleibt ja die niedrige Geburtenrate als Ursache für die Überalterung der Gesellschaft. Das wird am sogenannten Altenquotienten deutlich. Er setzt die Anzahl der Menschen über 65 Jahren zur Anzahl der Menschen von 20 bis 64 Jahren ins Verhältnis. Selbst wenn man die Schwelle auf 67 Jahre erhöht, wird er im Jahr 2060 dramatisch über dem jetzigen liegen.

Zweitens spart eine höhere Altersgrenze nur begrenzt Geld: Versicherte erhalten natürlich auch höhere Renten, wenn sie länger arbeiten.

Fazit: Wir können das Rentensystem zwar nicht allein dadurch retten, indem wir länger arbeiten - aber ohne ein höheres Renteneintrittsalter wird es nicht gehen.

13. Ist die Riester-Rente wirklich gescheitert?

Gemessen an ihrem gesamtgesellschaftlichen Ziel ist die Riester-Rente gescheitert. Sie wurde im Jahr 2001 eingeführt, um den Paradigmenwechsel in der gesetzlichen Rentenversicherung – weg von den Lebensstandard sichernden Renten hin zu möglichst stabilen Beiträgen – abzufedern. Arbeitnehmer sollten künftig durch private Altersvorsorge das sinkende Rentenniveau ausgleichen. Obwohl davon jeder Versicherte betroffen ist, wurde allerdings keine Pflicht zum Riester-Sparen festgelegt. Die Riester-Rente wurde als freiwillige Möglichkeit der privaten Altersvorsorge eingeführt; durch staatliche Zulagen sollte eine flächendeckende Verbreitung erreicht werden. Insbesondere Geringverdiener sollten so vor Altersarmut geschützt werden.

15 Jahre später ist klar: Genau das ist nicht passiert. Weniger als ein Drittel der berechtigten Arbeitnehmer zahlt in eine Riester-Rente ein. Gerade in den unteren Einkommensschichten ist der Anteil der Riester-Sparer am geringsten. Nur sieben Prozent des untersten Zehntels bei den verfügbaren Einkommen riestern, ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der FU Berlin. Nur in der Gruppe der oberen 30 Prozent bei den verfügbaren Einkommen riestern durchweg mehr als 20 Prozent. Dazu kommt: Wenn Geringverdiener riestern, sparen sie oft niedrige Summen und erhalten daher meist nur einen Bruchteil der staatlichen Zulagen – während Besserverdiener meist mühelos den für die maximale Zulage nötigen Betrag sparen können. Im Ergebnis fließen 38 Prozent der staatlichen Förderung an die oberen 20 Prozent der verfügbaren Einkommen, an die unteren 20 Prozent hingegen nur sieben Prozent.

Die gesamtgesellschaftliche Bilanz der Riester-Rente ist daher bislang negativ: Sie verhindert nicht, dass Geringverdiener in die Sozialhilfe abrutschen – und verteilt die staatlichen Fördermilliarden darüber hinaus hauptsächlich an diejenigen, die ohnehin gut verdienen und meist ausreichend abgesichert sind.

Viele Experten fordern daher, die zwei gravierenden Konstruktionsfehler der Riester-Rente zu beseitigen: Erstens sollte es eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge geben, solange die gesetzliche Rente den Lebensstandard nicht sichert. Zweitens sollten die derzeit verwirrend zahlreichen Sparformen reduziert und stattdessen ein oder wenige Standardprodukte definiert werden – mit entsprechend geringen Vertriebskosten und Gebühren.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Einführung eines sogenannten Deutschland-Fonds: Nach dem Vorbild Norwegens müssten Arbeitnehmer einen Teil ihres Einkommens einzahlen, das Geld würde dann gesammelt breit auf dem Kapitalmarkt angelegt – ohne hohe Vertriebskosten und Gebühren.

Auf der individuellen Ebene hingegen – also aus Sicht des einzelnen Riester-Sparers – ist die Bilanz gemischt: Einerseits ist die Rendite vieler Riester-Verträge enttäuschend. Außer der inzwischen sehr langen Niedrigzinsphase sind dafür die sehr hohen Kosten vieler Riester-Produkte durch Vertrieb und regelmäßigen Gebühren verantwortlich. Riester-Sparer ohne Kinder und mit niedrigem bis mittlerem Einkommen müssen ein sehr hohes Lebensalter erreichen, damit sie überhaupt eine Rendite erzielen – die umso höher ausfällt, je älter die Versicherten werden. Andererseits ist die staatliche Förderung für Riester-Sparer mit Kindern oder hohem Einkommen so hoch, dass die Rendite für Eltern und Besserverdiener in der Regel gut ist. Für diese Gruppen lohnt sich die Riester-Rente zumeist.

14. Wie schwierig wäre ein Systemwechsel hin zu einer Bürgerversicherung für die Rente?

In einer Bürgerversicherung wären alle Erwerbstätigen Mitglied – also auch Selbstständige, Beamte und Freiberufler. Bislang ist die gesetzliche Rentenversicherung nur für knapp 70 Prozent aller Erwerbstätigen Pflicht. Noch weiter gehende Konzepte sehen darüber hinaus vor, dass nicht nur die Einkommen aus Erwerbstätigkeit herangezogen werden, sondern alle Einkommen – etwa auch aus Vermietungen oder Kapitalerträgen.

Im Kern geht es jedoch stets darum, in der ersten Säule der Altersvorsorge eine einheitliche Versicherung für alle Bürger zu etablieren. Bei einem solchen Systemwechsel müssten zum einen rechtliche Probleme geklärt werden, zum anderen die Auswirkungen auf die Finanzen der Bürgerversicherung.

Rechtlich wäre eine verpflichtende Bürgerversicherung für Freiberufler und Selbstständige noch relativ einfach möglich. Zwar haben Freiberufler zumeist in ihren berufsständischen Versorgungswerken Rechtsansprüche aufgebaut, viele Selbstständige haben bereits private Rentenversicherungen abgeschlossen. Dafür könnten jedoch Übergangsregelungen festgelegt werden. Vorstellbar wäre auch, dass die Bürgerversicherung nur für jene Pflicht wird, die neu selbstständig werden beziehungsweise als Freiberufler starten.

Erheblich größere rechtliche Probleme gibt es hingegen bei Beamten. Denn der Staat hat ihnen gegenüber eine Alimentationspflicht: Sie und ihre Familien müssen so gut versorgt sein, dass sie ihr Amt unabhängig ausüben können – also zum Beispiel nicht aus finanzieller Not bestechlich werden, auch nicht aus Sorge um künftige Alterseinkünfte. Wie dieses Alimentationsprinzip in der gesetzlichen Rentenversicherung gewahrt bleiben kann, ist offen. Die meisten Verfassungsrechtler gehen davon aus, dass das Grundgesetz geändert werden müsste, um Beamte in eine Bürgerversicherung einzubeziehen.

Auch dann müssten bestehende Rechtsansprüche beachtet werden. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum gehen daher davon aus, dass eine Bürgerversicherung auch bei Beamten ausschließlich für Berufsanfänger eingeführt werden kann.

Ein solch „schleichender Systemwechsel“ hätte gravierende Auswirkungen auf die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung: Jahrzehntelang würden die Beitragseinnahmen durch die neuen Mitglieder relativ stark wachsen, ohne dass dem entsprechende Steigerungen bei den Ausgaben gegenüberstehen – diese setzen erst rund 40 Jahre später ein, wenn die ersten neuen Mitglieder selbst das Rentenalter erreichen. Danach würden die Ausgaben rasch stark steigen. Weil Beamte eine deutlich überdurchschnittliche Lebenserwartung haben – also im Schnitt auch deutlich länger Rente beziehen würden als andere Versicherte – bezeichnen Experten sie grundsätzlich als „schlechtes Geschäft für die Rentenversicherung“. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass der Staat im Gegenzug von den hohen Pensionszahlungen entlastet würde und dadurch die durch den längeren Rentenbezug höhere Belastung der Rentenversicherung ausgleichen könnte.

Eine Bürgerversicherung mag also aus verschiedenen Gründen sinnvoll und wünschenswert sein – sie ist aber keine Lösung für die grundsätzlichen Finanzprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung, weil diese ihre Ursache in der demografischen Entwicklung haben. Vielmehr besteht die Gefahr einer riesigen, zeitlich versetzten Finanzlücke – dann nämlich, wenn die zusätzlichen Einnahmen in den ersten Jahrzehnten für niedrigere Beiträge und ein höheres Rentenniveau verwendet werden, ohne dass für die mit Verzögerung kommenden zusätzlichen Ausgaben Rücklagen gebildet werden.

Dieses politische Risiko müsste bei der Einführung einer Bürgerversicherung durch entsprechend strikte Regelungen minimiert werden.

15. Droht massenhafte Altersarmut?

Eins steht fest: Der Anteil der Armen in der Altersgruppe der über 65-Jährigen ist in den vergangenen Jahren gestiegen – und wird auch künftig steigen. Allerdings ging dieser Anstieg von einem im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich unterdurchschnittlichen Armutsniveau aus.

Die bisherige Entwicklung und Expertenprognosen lassen daher darauf schließen, dass Ältere zwar aktuell und mittelfristig (bis etwa zum Jahr 2030) nicht häufiger arm sind als die Gesamtbevölkerung. Langfristig – also etwa vom Jahr 2030 an – droht der Anteil armer Älterer aber stark zu steigen.

Ob – und wenn ja, wann – Altersarmut aber zu einem Massenphänomen wird, ist auch unter Experten umstritten. Diese Bewertung hängt zum einen davon ab, nach welchen Kriterien Armut definiert wird, zum anderen vom gewählten Betrachtungszeitraum:

Aktuell ist die Altersgruppe der über 65-Jährigen unterdurchschnittlich von Armut betroffen.

Das gilt insbesondere, wenn man als Maßstab heranzieht, wie hoch der Anteil derjenigen ist, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind – die von der Höhe her mit Hartz IV vergleichbar ist und nur das Existenzminimum abdeckt. 2015 lag dieser Anteil bei den über 65-Jährigen bei 3,0 Prozent – während die Quote der Hartz-IV-Bezieher bei den unter 65-Jährigen mit 9,3 Prozent mehr als dreimal so hoch war.

Nimmt man jedoch die Armutsrisikoquoten des Jahres 2015 als Maß, fällt der Unterschied wesentlich geringer aus. Demnach waren 14,6 Prozent der über 65-Jährigen von Armut bedroht, weil ihr Einkommen weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens betrug. Bei den 25- bis 65-Jährigen war der Anteil sogar etwas geringer. In der Gesamtbevölkerung lag die Armutsrisikoquote mit 15,7 Prozent etwas höher, allerdings nur leicht (siehe Grafik).

Alarmierend ist jedoch stets der Trend: So steigt der Anteil der Bezieher von Grundsicherung im Alter seit 2005 stark – während im gleichen Zeitraum die vergleichbare Hartz-IV-Quote (der unter 65-Jährigen) sank. Zudem haben die über 65-Jährigen ihren Status der am wenigsten von Armut bedrohten Menschen in Deutschland verloren. In keiner anderen Altersgruppe stieg die Armutsrisikoquote seit 2005 so stark (von 11,0 auf 14,6 Prozent, siehe Grafik).

Mittelfristig – also bis zum Jahr 2030 – wird Altersarmut dennoch nicht zum Massenphänomen. Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium schätzt, dass der Anteil der Älteren, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, bis zum Jahr 2030 im ungünstigsten Fall auf höchstens 5,4 Prozent steigen wird. Zwar ist diese Prognose von Ökonomen als zu optimistisch kritisiert worden, dennoch dürfte die Größenordnung der Grundsicherungsbezieher im Jahr 2030 immer noch deutlich unter der Hartz-IV-Quote liegen. Etwas anders sieht es bei der Armutsgefährdung aus: Wahrscheinlich ist, dass sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen und die Armutsrisikoquote der über 65-Jährigen im Jahr 2030 über der der Gesamtbevölkerung liegen wird. Das bedeutet, dass im Jahr 2030 zwar Rentner weniger häufig mit dem Existenzminimum leben müssen als der Rest der Bevölkerung – allerdings werden sie sich überdurchschnittlich häufig einschränken müssen, um über die Runden zu kommen.

Langfristig – also in der Zeit nach 2030 – könnte allerdings die Altersarmut stark steigen. Denn erst dann werden gesellschaftliche Trends, die teilweise bereits seit 25 Jahren zu beobachten sind, in Verbindung mit weiteren Ursachen für Altersarmut, auf die Generation der Rentner durchschlagen:

Welche Personengruppen im Einzelnen mit Altersarmut rechnen müssen, finden Sie hier .

16. Wer muss Altersarmut fürchten?

Es gibt eine Reihe von Personengruppen, die sehr niedrige Renten bekommen werden. Sie sind dann stark von Altersarmut bedroht, wenn es
a) in ihrem Haushalt keine weiteren Einkommen gibt (etwa durch die Rente des Ehepartners) und sie
b) gleichzeitig nicht über Vermögen verfügen, von dem sie zehren können.

Zu diesen bedrohten Personengruppen gehören grundsätzlich jene, die bereits zuvor ein hohes Risiko für Einkommensarmut besitzen:

Gemein ist diesen Personengruppen, dass sie nicht nur mit niedrigen gesetzlichen Renten rechnen müssen, sondern häufig kaum oder gar nicht privat oder betrieblich vorsorgen konnten.

Eine erste regelrechte Welle der Altersarmut ist insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern zu erwarten. Bislang sind die Renten dort relativ hoch, weil stete und durchgängige Erwerbsbiografien in der DDR der Normalfall waren. Allerdings erreichen nun nach und nach jene Ostdeutsche die Altersgrenze, die zum Zeitpunkt der Wende erst am Anfang oder in der Mitte ihres Berufslebens standen, dann von den Massenentlassungen betroffen waren und häufig in der Langzeitarbeitslosigkeit landeten.

17. Lässt sich Altersarmut durch ein höheres gesetzliches Rentenniveau bekämpfen?

Nein. Es mag zwar Argumente dafür geben, das Niveau der gesetzlichen Renten zu erhöhen, zu stabilisieren oder zumindest nicht so weit absinken zu lassen, wie es die derzeitige Gesetzeslage vorsieht – etwa, um die Akzeptanz der Pflichtversicherung zu erhalten.

Wenn es aber gezielt darum geht, aktuelle Altersarmut zu lindern und künftige Altersarmut zu verhindern, ist das Rentenniveau keine geeignete Stellschraube: Weil es an das frühere Einkommen der Rentner gekoppelt ist, würden diejenigen am stärksten profitieren, die ohnehin relativ gut verdient haben – und die in der Regel ohnehin ausreichend abgesichert sind.

Gerade bei den Gruppen, die aber besonders von Altersarmut bedroht sind – Geringverdiener, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose – würden die Renten jedoch nur vergleichsweise geringfügig steigen, wenn überhaupt.

Die absolut Armen, also jene, die ein so geringes Einkommen haben, dass sie auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, würden zumeist überhaupt nicht profitieren, weil die Rentenerhöhung voll auf die Grundsicherung angerechnet wird.

Zudem ist es extrem teuer, das Rentenniveau für alle anzuheben oder zu stabilisieren: Die Bundesregierung rechnet damit, dass es im Jahr 2045 rund 40 Milliarden Euro mehr kosten würde, das derzeitige Rentenniveau von rund 48 Prozent zu halten – pro Jahr. Das Prognos-Institut beziffert die Mehrkosten im Jahr 2040 gar auf 57,4 Milliarden Euro, wenn das Rentenniveau auf dem Stand von 2014 gehalten werden soll. Für den Zeitraum von 2015 bis 2040 würden insgesamt 596 Milliarden Euro benötigt.

Auch statistisch würde eine allgemeine Erhöhung oder Stabilisierung des Rentenniveaus die Ungleichheit unter den Rentnern massiv erhöhen. De facto wirkt sie wie eine massive Umverteilung von unten nach oben und von Jung nach Alt.

18. Wie lässt sich Altersarmut sinnvoll bekämpfen?

Sinnvoll ist ein Mix an Maßnahmen, um a) bestehende Altersarmut zu lindern und b) künftige Altersarmut zu verhindern:

a) Bestehende Armut von Älteren und Rentnern lindern:

Es sollten gezielt Ältere finanziell unterstützt werden, die tatsächlich Armut beziehungsweise Entbehrungen erleben – die also gleichzeitig einkommens- und vermögensarm sind.

Dabei sollte das Einkommen des gesamten Haushalts berücksichtigt werden und nicht das individuelle Einkommen. Denn Ältere mit kleiner eigener Rente müssen nicht zwingend einkommensarm sein, wenn ihr Ehepartner über eine höhere Rente verfügt. Aus diesem Grund ist auch die pauschale Anhebung niedriger Renten nur bedingt geeignet, um Altersarmut zu bekämpfen.

Pauschal sollten allerdings die Erwerbsminderungsrenten erhöht werden. Diese Personengruppe ist nicht nur im Alter ohnehin besonders von Armut bedroht, sondern bereits zuvor.

b) Künftige Altersarmut verhindern:

Hier sind grundsätzlich alle Maßnahmen sinnvoll, die die Ursachen von Altersarmut angehen – also Einkommensarmut, unstete Erwerbsbiografien und Arbeitslosigkeit. Zu diesen Maßnahmen zählen erheblich höhere Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung sowie Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Schwerpunkt dieser höheren Investitionen sollten Milieus sein, in denen verfestigte Armut zu beobachten ist – in denen also bereits die Kinder in einer Umgebung aufwachsen, in der Bildungsferne, Erwerbslosigkeit und das Leben von Sozialhilfe der Standard ist.

Der drohenden Altersarmut kleiner Solo-Selbstständiger könnte durch eine Versicherungspflicht begegnet werden – diese müsste mit staatlicher Förderung kombiniert werden, weil viele Betroffene nicht so hohe Beiträge bezahlen können, wie nötig sind.

Für Arbeitslose, die Hartz IV beziehen, könnten wieder – wie es bis zum Jahr 2010 grundsätzlich der Fall war – Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt werden.

19. Glossar

Entgeltpunkte
Entgeltpunkte sind ein wichtiger Faktor zur Berechnung der Rentenhöhe. Sie werden individuell für jeden Arbeitnehmer und für jedes Arbeitsjahr bestimmt. Um die Höhe der Entgeltpunkte für ein Jahr festzustellen, wird der Bruttoverdienst des Rentners mit dem von der Deutschen Rentenversicherung ermittelten Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer im entsprechenden Jahr verglichen. Dies geschieht für den gesamten Versicherungszeitraum. Zusätzliche Entgeltpunkte bekommt man beispielsweise für jedes Kind, Ausbildungszeiten werden hingegen nur anteilig angerechnet.

Erwerbsminderungsrente
Die Erwerbsminderungsrente erhält man, wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeiten kann und seit mindestens fünf Jahren durch Ausbildung und Beruf Ansprüche erworben hat. Arbeitnehmer haben Anspruch auf die volle Erwerbminderungsrente, wenn sie nur noch bis zu drei Stunden pro Tag arbeiten können. Bei drei bis sechs Stunden steht ihnen eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zu.

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
Die Grundsicherung ist keine Rente, sondern eine Sozialleistung. Sie wird aus Steuermitteln finanziert. Jeder kann die Grundsicherung beantragen, der eine reguläre Altersrente oder dauerhaft eine volle Erwerbsminderungsrente bezieht. Antragssteller müssen nachweisen, dass sie bedürftig sind, dass also ihre Rente einschließlich eventueller anderer Einkommen oder Vermögen nicht für ihren Lebensunterhalt ausreicht.

Hinterbliebenenrente
Stirbt ein Mensch, der zuvor mindestens fünf Jahre bei der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war, können seine nahen Verwandten, Ehepartner, Kinder oder im Ausnahmefall auch Geschwister oder Enkel, eine Hinterbliebenenrente aus der Rentenversicherung erhalten.

Renteneintrittsalter
Das Renteneintrittsalter ist das Alter, mit dem ein Arbeitnehmer in Rente geht. Zu unterscheiden ist das durchschnittliche vom gesetzlichen Renteneintrittsalter. Das durchschnittliche zeigt an, wie alt die Arbeitnehmer in Deutschland bei Rentenantritt im Durchschnitt sind. Das gesetzliche Renteneintrittsalter legt fest, ab wann ein Arbeitnehmer ohne Abzüge in Rente gehen kann - auch Regelaltersgrenze genannt. Momentan liegt sie in der Regel bei 65 Jahren und fünf Monaten, ab 2029 wird sie 67 Jahre betragen.

Standardrente/ Eckrente
Die Standardrente (auch Eckrente genannt) dient der Rentenversicherung zur Ermittlung des Standardrentenniveaus. Sie ist eine reine Rechengröße und entspricht nicht der Durchschnittsrente. Die Standardrente wird mithilfe der Rentenformel berechnet. Die Rentenversicherung geht dabei von einem Standardrentner aus, der in 45 Berufsjahren immer genau den Durchschnittsverdienst und keine Kranken- oder Erziehungszeiten hatte und regulär in Altersrente geht. Der Rentner hat daher genau 45 Entgeltpunkte.

Standardrentenniveau
Das Standardrentenniveau gibt die Höhe der Renten für ein Jahr in Prozent an. Dabei wird die errechnete Standardrente mit dem durchschnittlichen Jahreseinkommen verglichen. Unterschieden wird dabei zwischen dem Bruttorentenniveau und Nettorentenniveau. Bis 2005 wurden zur Errechnung des Nettorentenniveaus die Einkommen und Renten abzüglich der Sozialabgaben und Steuern zugrunde gelegt (Nettorentenniveau nach Steuern). Seitdem muss jeder Jahrgang aber einen höheren Anteil seiner Rente versteuern. Deshalb werden seitdem für die Berechnung Steuerabgaben nicht mehr berücksichtigt (Nettorentenniveau vor Steuern).

Das Nettorentenniveau vor Steuern für 2016 liegt bei 47,9%. Das heißt, im Schnitt bekommen Rentner derzeit knapp 48% vom Gehalt eines Arbeitnehmers als Rente ausgezahlt.

Waisenrente
Neben leiblichen Kindern können auch Adoptiv-, Stief- oder Pflegekinder Waisenrente beantragen – in Ausnahmefällen sogar Enkel oder Geschwister. Ausgezahlt wird die Rente bis zum 18. beziehungsweise bis zum 27. Lebensjahr, wenn der Hinterbliebene sich noch in der Ausbildung befindet oder Freiwilligendienst leistet. Die Halbwaisenrente wird gezahlt, wenn noch ein unterhaltspflichtiger Elternteil lebt, sie beträgt zehn Prozent der Rente, auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte. Lebt kein unterhaltspflichtiges Elternteil mehr, beträgt die dann ausgezahlte Vollwaisenrente 20 Prozent.

Witwenrente/ Witwerrente
Witwen und Witwer haben nur Anspruch, wenn die Ehe oder die eingetragene Lebenspartnerschaft beim Tod noch Bestand hatte und sie nicht wieder geheiratet haben. In der Regel muss die Verbindung auch mindestens ein Jahr vor dem Tod geschlossen worden sein. Das Alter, die Arbeitsfähigkeit des Hinterbliebenen sowie Kindererziehungszeiten entscheiden darüber, ob Anrecht auf eine große oder kleine Witwenrente besteht. Die kleine Witwenrente ist auf 24 Monate befristet und beträgt rund 25 Prozent der Rente, auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte. Die große hingegen macht um die 55 Prozent aus.

Autoren: Benjamin Bidder, Almut Cieschinger, Florian Diekmann, Claudia Niesen

Dokumentation: Regina Schlüter-Ahrens, Thomas Schmidt, Holger Wilkop

Schlussredaktion: Hannah Panten

Grafiken: Florian Diekmann, Christina Elmer, Chris Kurt

Produktion: Guido Grigat, Frank Kalinowski

Layout: Katja Braun, Hanz Sayami

Programmierung: Guido Grigat, Frank Kalinowski, Chris Kurt


Hier finden Sie alle bisher veröffentlichten Folgen von Endlich verständlich: Brexit, Erdöl, Fifa, Finanzkrise in Griechenland, Flüchtlingskrise, G20 in Hamburg, Hacking, Impeachment, "Islamischer Staat", Klimawandel, Krieg in Syrien, künstliche Intelligenz, Nordkorea, Panama Papers, Rente, Steuern, TTIP, türkische Verfassungsreform, US-Vorwahlen, US-Wahl, VW-Abgasaffäre, Wahl 2017, Zinsen

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP