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VdK fordert gesetzliche Rentenversicherung für Beamte und Selbstständige

Einen Tag nach ihrer Wahl zur neuen Präsidentin des Sozialverbands VdK hat Verena Bentele sich zur Ausgestaltung des gesetzlichen Rentensystems positioniert. Sie will Beamte und Selbstständige in die Pflicht nehmen.

DPA

VdK-Päsidentin Verena Bentele

Donnerstag, 17.05.2018   15:42 Uhr

Um das Rentenniveau auf dem heutigen Stand zu stabilisieren, sollen Selbstständige und Beamte in eine solidarische Rentenversicherung einzahlen. Das forderte die neue Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, in Berlin. Bisher sind nicht alle Selbstständigen verpflichtet, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Union und SPD reagierten zurückhaltend auf die Forderung. "Der Vorschlag ist grundsätzlich nicht neu", sagte Peter Weiß, arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dem Portal T-Online. Die Einbeziehung von Beamten sei kein Allheilmittel.

Die Große Koalition will in einem ersten Reformpaket das Rentenniveau, also das Verhältnis von Rente zu Durchschnittseinkommen, bis 2025 auf dem heutigen Niveau von 48 Prozent halten. Andererseits soll der Beitragssatz von 18,6 Prozent nicht über 20 Prozent steigen. SPD-Chefin Andrea Nahles bekräftigte diese Ziele in ihrer Rede vor dem VdK in Berlin: "Wir werden das Rentenniveau auf heutigem Niveau stabilisieren."

VdK will mehr Mitspracherecht

VdK-Präsidentin Bentele forderte ihrerseits mehr Mitspracherecht bei der Ausgestaltung der künftigen Reform: "Wenn es eine Rentenkommission von der Bundesregierung gibt, die wir unbedingt brauchen, dann erwarten wir auch, dass der VdK mit seiner starken Stimme in dieser Rentenkommission anwesend sein kann."

Zudem kritisierte Bentele die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn, die Rücklagen der Krankenkassen in Deutschland abzuschmelzen. Der CDU-Politiker will Krankenkassen mit hohen Finanzreserven zum Abbau des Geldpolsters verpflichten. "Wir halten das für den falschen Weg", sagte Bentele. Gute Leistungen für chronisch Kranke oder Menschen mit Behinderung könnten dann nur noch schwer finanziert werden.

Die ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung war am Mittwoch zur neuen Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland gewählt worden. Die von Geburt an blinde Bentele ist zwölffache Paralympicssiegerin im Biathlon und Skilanglauf.

Der Sozialverband VdK ist ein bundesweit tätiger gemeinnütziger Verband. Mit 1,8 Millionen Mitgliedern ist er eigenen Angaben zufolge der größte Sozialverband Deutschlands.

ssu/dpa

insgesamt 31 Beiträge
Freier.Buerger 17.05.2018
1. selten dämlich
Kann mir mal jemand erklären, wie es langfristig der Rentenversicherung helfen soll, wenn Beamte und Selbständige pflichtversichert sind? Wer einzahlt, wird bzw. will auch Rente kassieren. D.h. es ist im besten Fall ein [...]
Kann mir mal jemand erklären, wie es langfristig der Rentenversicherung helfen soll, wenn Beamte und Selbständige pflichtversichert sind? Wer einzahlt, wird bzw. will auch Rente kassieren. D.h. es ist im besten Fall ein Nullsummenspiel. Sollte die durchschnittliche Lebenserwartung von Beamten höher sein als die der aktuell Versicherten wird es sogar schlechter..
astrolenni 17.05.2018
2. @1
Ich denke, es geht auch darum, dass Renten ja entsprechend des durchschnittlichen Lebensverdienstes berechnet sind, Pensionen aber zum letzten Gehalt/Sold. Es würde effektiv also auf eine Pensions-Kürzung hinauslaufen. [...]
Ich denke, es geht auch darum, dass Renten ja entsprechend des durchschnittlichen Lebensverdienstes berechnet sind, Pensionen aber zum letzten Gehalt/Sold. Es würde effektiv also auf eine Pensions-Kürzung hinauslaufen. Relevanter wären Beamte mMn für die KV.
Olli Ökonom 17.05.2018
3.
Der Rentenversicherung wird es keine Vorteile bringen. Dem Steuerzahler wird es auf lange Sicht Vorteile bringen, da das Rentenniveau deutlich niedriger ist als das entsprechende Pensionsniveau. Außerdem wird die [...]
Der Rentenversicherung wird es keine Vorteile bringen. Dem Steuerzahler wird es auf lange Sicht Vorteile bringen, da das Rentenniveau deutlich niedriger ist als das entsprechende Pensionsniveau. Außerdem wird die Grundgesamtheit der GRV-Versicherten größer. Dies macht die GRV-Entwicklungen deutlich stabiler. es ändert sich aber nichtsan den strukturellen Problemen. Diese müssen systemimmanent gelöst werden.
Askari 17.05.2018
4.
Die Frage ist falsch gestellt. Sozialpolitik ist immer kurzfristig gedacht. Bevor die Beamten und Selbständigen Renten kassieren, zahlen sie erst einmal ein. Angesichts des Umlageverfahrens gilt für später: "Nach uns [...]
Zitat von Freier.BuergerKann mir mal jemand erklären, wie es langfristig der Rentenversicherung helfen soll, wenn Beamte und Selbständige pflichtversichert sind? Wer einzahlt, wird bzw. will auch Rente kassieren. D.h. es ist im besten Fall ein Nullsummenspiel. Sollte die durchschnittliche Lebenserwartung von Beamten höher sein als die der aktuell Versicherten wird es sogar schlechter..
Die Frage ist falsch gestellt. Sozialpolitik ist immer kurzfristig gedacht. Bevor die Beamten und Selbständigen Renten kassieren, zahlen sie erst einmal ein. Angesichts des Umlageverfahrens gilt für später: "Nach uns die Sindflut!"
Crom 17.05.2018
5.
Typisch für Pyramidenspiele ist, dass sie nur funktionieren, wenn immer mehr mitmachen. Die gesetzliche Rente verkommt immer mehr zu solch einem Pyramidenspiel, verständlich dass man nur nach neuen "Mitspielern" sucht. [...]
Typisch für Pyramidenspiele ist, dass sie nur funktionieren, wenn immer mehr mitmachen. Die gesetzliche Rente verkommt immer mehr zu solch einem Pyramidenspiel, verständlich dass man nur nach neuen "Mitspielern" sucht. Besser wäre es die GRV auf reine Freiwilligkeit umzustellen. Wer nicht einzahlt, bekommt dann später auch nichts, so einfach. Für eine Übergangszeit müsste mit Steuermitteln nachgeschossen werden. Wenn die gesetzliche Rente so toll ist, wird ja wohl keiner verzichten wollen andernfalls scheint es bessere Alternativen zu geben, warum sollte man diese der Bevölkerung verwehren.

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