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Wirtschaft

Retourkutsche auf Sanktionen

Russland will US-Staatsanleihen abstoßen

Moskau reagiert auf die neuen US-Sanktionen im Fall Skripal. Russland will US-Staatsanleihen verkaufen und bei internationalen Geschäften den Dollar meiden.

ALEXEY NIKOLSKY/ SPUTNIK/ KREMLIN POOL/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock
Sonntag, 12.08.2018   16:03 Uhr

Wenige Tage nach den jüngsten Strafankündigungen aus Washington folgt die Retourkutsche aus Russland. Einem Bericht zufolge will Moskau seine Bestände an US-Staatsanleihen weiter abbauen. Zudem wolle das Land vermehrt den Rubel und andere Währungen wie den Euro bei internationalen Transaktionen verwenden und vom Dollar Abstand nehmen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ria Finanzminister Anton Siluanow.

Am Freitag war der Rubel gegenüber dem Dollar auf ein Zwei-Jahres-Tief gefallen. Einen Tag zuvor hatten die USA neue Sanktionen gegen Russland angekündigt. Hintergrund ist der Anschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien. Die dortige Regierung sieht Russland für die Attacke verantwortlich. Moskau bestreitet eine Verwicklung.

Die US-Regierung hatte am Donnerstag erklärt, Grundlage für die neuen Sanktionen sei die Feststellung, dass die russische Regierung "chemische oder biologische Waffen in Verstoß gegen internationales Recht eingesetzt hat oder tödliche chemische oder biologische Waffen gegen ihre eigenen Staatsbürger benutzt hat".

Die Sanktionen sollen Exportgüter aus den Bereichen Elektronik, Laser, Sensoren sowie Öl- und Gastechnologie betreffen. Sie sollen um den 22. August herum in Kraft treten.

Staatsanleihen können ein Druckmittel sein

Die Regierung in Moskau warnte vor einem Wirtschaftskrieg mit unabsehbaren Folgen. Der Verkauf von Staatsanleihen dürfte ein Warnsignal an Washington sein. Würden massenhaft Anleihen abgestoßen, würden die Kurse auf den globalen Märkten fallen und die Renditen der Papiere steigen. Für die hochverschuldeten USA würde es also teurer, neue Kredite aufzunehmen.

Das größte Drohpotenzial gegen die USA in Sachen Staatsanleihen hat allerdings China. Kein Land der Welt hält mehr US-Schuldenpapiere als die Volksrepublik. China liefert sich derzeit einen erbitterten Handelsstreit mit den USA.

Gleichwohl gibt sich die Regierung in Washington selbstsicher. Sie setzt darauf, dass China und Russland die Dollar-Anleihen selbst als sichere Währungsreserve gewählt haben.

mmq/Reuters

insgesamt 101 Beiträge
seb_fornpost 12.08.2018
1. China, Russland: Anleihen selbst als sichere Währungsreserven gewählt
...und dem ist auch nichts hinzuzufügen. Putin verbreitet mal wieder heiße Luft (wie schon vorher sein Kumpel Erdogan).
...und dem ist auch nichts hinzuzufügen. Putin verbreitet mal wieder heiße Luft (wie schon vorher sein Kumpel Erdogan).
Ein_denkender_Querulant 12.08.2018
2. Zeitpunkt für Verhandlungen mit der EU
Und genau jetzt solte die EU mit Russland in sinnvolle Verhandlungen überzukünftiges gegenseitiges Umgehen verhandeln. Der Annexion der Krim, die immer russisch war, mag nicht sauber abgelaufen sein und die Abstimmung als Farce [...]
Und genau jetzt solte die EU mit Russland in sinnvolle Verhandlungen überzukünftiges gegenseitiges Umgehen verhandeln. Der Annexion der Krim, die immer russisch war, mag nicht sauber abgelaufen sein und die Abstimmung als Farce gesehen werden können, nichts desto trotz ist Russland ganz weit von einem aggressivem Kriegstreiber entfernt. Wenn wir es schaffen würden, Russland zurück an Europa zu binden, wäre uns allen geholfen. Europa hätte sichere Rohstoffe, Russland zugang zu Know How, die EU Bürger würden wieder ruhig schlafen können und der russischen Bevölkerung könnte langsam und stetig mehr Freiheit und Demokratie gebracht werden. Der Block EU-Russland hätte keine Probleme, China oder den USA wirtschaftlich und politisch zu trotzen. Ich bete für Vernunft innerhalb der EU Verhandlungspartner. Denn ohne die Briten wird es möglicvh sein, die Völkerverständigung mit Russland wieder in Gang zu setzen.
fixik 12.08.2018
3.
Ich hätte es schon längst abgestoßen. US-Anleihen bringen nichts. Gelten als sicher die Rendite liegt aber fast bei 0. Dann kann man gleich Geldscheine in der Bank lagern. Noch minimal weniger Rendite, dafür noch sicherer.
Ich hätte es schon längst abgestoßen. US-Anleihen bringen nichts. Gelten als sicher die Rendite liegt aber fast bei 0. Dann kann man gleich Geldscheine in der Bank lagern. Noch minimal weniger Rendite, dafür noch sicherer.
willibaldus 12.08.2018
4.
Die Staatsanleihen, die China hält, sind ein zweischneidiges Schwert. Heute im internationalen Frühschoppen erwähnte der chinesische Vertreter zudem, dass US Hedgefonds ein mehrfaches dessen in chinesische FIrmen oder [...]
Die Staatsanleihen, die China hält, sind ein zweischneidiges Schwert. Heute im internationalen Frühschoppen erwähnte der chinesische Vertreter zudem, dass US Hedgefonds ein mehrfaches dessen in chinesische FIrmen oder Projekte gesteckt haben, wo der Turnaround gar nicht sicher ist, wenn die chinesische Wirtschaft einbricht. Also zwischen 5 und 12 Billionen Dollar wären das. Also 5000 bis 12000 Milliarden Dollar um keine Illusionen aufkommen zu lassen. Genauer kann ich es nicht sagen. Wenn die China ca 2Bio an Staatsanleihen hält und etwa das vierfache an US Risikokapital in China steckt, dann wären es 8Bio US Dollar aus US Hedgefonds, Rentenfonds etc.
fritz_fleissig 12.08.2018
5. Russland hat jüngst bereits seine USD Währungsreserven zu 80% abgebaut
Die Russen haben erst jüngst 80% ihrer USD-Währungsreserven verkauft. In der Zeit sind die US-Zinsen um knapp 0,3% gestiegen. Wenn sie jetzt die restlichen 20% verkaufen, soll das die US-Zinsen maßgeblich beeinflussen? [...]
Die Russen haben erst jüngst 80% ihrer USD-Währungsreserven verkauft. In der Zeit sind die US-Zinsen um knapp 0,3% gestiegen. Wenn sie jetzt die restlichen 20% verkaufen, soll das die US-Zinsen maßgeblich beeinflussen? https://www.nzz.ch/finanzen/russland-verabschiedet-sich-vom-dollar-ld.1404909
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