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Wirtschaft

Banken und Immobilienkredite

Top-Ökonomen warnen vor neuer Finanzkrise

Deutschland und andere EU-Staaten wehren sich gegen schärfere Regeln für Banken. Doch nun schlagen die wissenschaftlichen Berater von Wirtschaftsminister Gabriel Alarm: Sie fürchten die Folgen einer Immobilienkrise.

DPA

Wohnhäuser in München

Von
Mittwoch, 21.12.2016   12:06 Uhr

Es ist ein Brandbrief, den die Experten des Wissenschaftlichen Beirats an Wirtschaftsminister Gabriel geschickt haben. In eindringlichen Worten warnen die 34 Professoren vor einer neuen Finanzkrise, die drohe, wenn die Kapitalregeln für Banken nicht verschärft würden.

"Die derzeitigen Regeln weisen wichtige Lücken auf", heißt es in dem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Aufgrund dieser Lücken ist die Finanzstabilität gefährdet. Es ist zu befürchten, dass in absehbarer Zeit erhebliche neue Lasten auf das Finanzsystem bzw. den Steuerzahler zukommen."

Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen im sogenannten Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, in dem die internationalen Aufsichtsbehörden aller wichtigen Industrie- und Schwellenländer vertreten sind. Dort sollen neue, schärfere Regeln verhandelt werden, die vor allem auf die Kapitalpolster abzielen, die Banken für Krisenfälle vorhalten müssen.

Der Basler Ausschuss schlägt etwa vor, dass die Banken nicht mehr nur selbst mit eigenen Modellen berechnen sollen, wie riskant ihre Geschäfte sind - und wieviel Kapital sie deshalb letztlich vorhalten müssen. Stattdessen soll eine Mindestanforderung eingeführt werden, die unabhängig von den Risikomodellen der Banken gilt. Außerdem sollen die Risiken von Immobilienkrediten stärker als bisher mit Kapital abgesichert werden.

Deutschland und mehrere andere EU-Staaten wehren sich gegen die Vorschläge, weil sie darin eine Benachteiligung europäischer gegenüber amerikanischen Banken sehen.

Hohe Risiken bei Immobilienkrediten

Die Wissenschaftler halten den Widerstand für einen Fehler. "Die Argumente, die gegen die Basler Vorschläge vorgebracht werden, können nicht überzeugen", schreiben sie in ihrem Brief. "Sie sind geprägt von den Interessen der Banken und vernachlässigen die Risiken für die Steuerzahler. Sie vernachlässigen auch die Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts."

Besondere Sorge bereitet den Forschern offenbar der bisherige Umgang mit Immobilienkrediten. "Unter den derzeitigen Regeln werden Immobilienkredite pauschal als sicherer behandelt als Unternehmenskredite", schreiben sie. "Dabei wird übersehen, dass Immobilienkredite regelmäßig im Zentrum von Finanzkrisen stehen."

Derzeit seien einige Risiken im Zusammenhang mit Immobilienkrediten als "hoch anzusehen, denn Niedrigzinsphase und Immobilienpreisentwicklung haben viele Leute veranlasst, in Immobilien zu investieren". Sollten die Marktzinsen wieder steigen, könne es zu Krisen wie Anfang der Neunzigerjahre kommen, als der Einbruch des Immobilienmarktes auch große deutsche Banken in Schwierigkeiten gebracht habe. "Dass es damals nicht offen zu einer Systemkrise kam, lag u.a. daran, dass die Institute aus früheren Zeiten noch stille Reserven hatten, die sie zur Deckung der Verluste einsetzen konnten."

Federführend erarbeitet haben den Brief der renommierte Bankenexperte und Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts, Martin Hellwig, sowie der Zürcher Professor Hans Gersbach. Zu den Mitgliedern des Beirats gehören unter anderem Ex-Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, aber auch der Ex-Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger.

insgesamt 127 Beiträge
shmubu 21.12.2016
1. Wie jetzt?
Ich dachte alles ist rosarot in Wolkenkuckucksheim. Heisst das etwa, da draussen gibt es noch so etwas wie Risiken? Bis der Grossteil der Banken aus dem kollektiven Tiefschlaf aufgewacht, dürfte es wieder einmal zu spät [...]
Ich dachte alles ist rosarot in Wolkenkuckucksheim. Heisst das etwa, da draussen gibt es noch so etwas wie Risiken? Bis der Grossteil der Banken aus dem kollektiven Tiefschlaf aufgewacht, dürfte es wieder einmal zu spät sein.
troy-mc-lure 21.12.2016
2.
"Es ist zu befürchten, dass in absehbarer Zeit erhebliche neue Lasten auf das Finanzsystem bzw. den Steuerzahler zukommen." Versteh' nicht was daran so dramatisch ist, sind wir doch gewohnt, business as usual. [...]
"Es ist zu befürchten, dass in absehbarer Zeit erhebliche neue Lasten auf das Finanzsystem bzw. den Steuerzahler zukommen." Versteh' nicht was daran so dramatisch ist, sind wir doch gewohnt, business as usual. Verluste zu sozialisieren gehört doch Markenkern der Groko-Politik.
paula_f 21.12.2016
3. Schlaumeier - diese Top - Professoren
zumindest in Deutschland sind Immobilienkredite eher übersichert als untersichert - insoweit droht hier keine Gefahr. Die Immobilien sind Aufgrund bestehender und angewandter Bauvorschriften wertstabil und langlebig, ganz anders [...]
zumindest in Deutschland sind Immobilienkredite eher übersichert als untersichert - insoweit droht hier keine Gefahr. Die Immobilien sind Aufgrund bestehender und angewandter Bauvorschriften wertstabil und langlebig, ganz anders als schnell verrottende amerikanische Häuser aus Spanplatten mit dicken Teppichboden. Das ist eine reale Beobachtung und kein Vorurteil. Die wachsende Bevölkerung in Deutschland trägt zu einer höheren Nachfrage und schon deshalb zu stabilen Preisen bei. Schon jetzt werden junge Bundesbürger und ältere gar nicht mehr mit Baukrediten versorgt.
grain 21.12.2016
4. Merkwürdiges Argument
"Sollten die Marktzinsen wieder steigen, könne es zu Krisen wie Anfang der Neunzigerjahre kommen, als der Einbruch des Immobilienmarktes auch große deutsche Banken in Schwierigkeiten gebracht habe." Wo da der Bruch [...]
"Sollten die Marktzinsen wieder steigen, könne es zu Krisen wie Anfang der Neunzigerjahre kommen, als der Einbruch des Immobilienmarktes auch große deutsche Banken in Schwierigkeiten gebracht habe." Wo da der Bruch sein soll, kann ich nicht verstehen. Die meisten Immobilien dürften doch seit langer Zeit (wie in Deutschland üblich) mit langlaufenden Krediten abgesichert sein. Und wer sein Häuschen nicht mit einem Zinssatz von 1 - 2 % bei 25 /30 Jahre Laufzeit abgesichert hat, ist doch selber schuld. Zudem werden bei der Kreditvergabe relativ strenge Regeln heute angelegt, die ja immerhin dazu geführt haben, dass es nun zu Protesten kommt,dass gewisse Gruppen eben keinen Kredit bekommen. In Deutschland kann ich die Gefährdung durch steigende Zinsen nicht erkennen, es sei denn, man muss sein Haus mit Verlust verkaufen.
gekreuzigt 21.12.2016
5.
Sind das eigentlich die gleichen Wissenschaftler, die schon die vergangenen Finanzkrisen stets so treffsicher vorhersagten?
Sind das eigentlich die gleichen Wissenschaftler, die schon die vergangenen Finanzkrisen stets so treffsicher vorhersagten?

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