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Wirtschaft

Studie der Uno

Nahrungsmittelpreise in Konfliktregionen steigen rasant

Hohe Nahrungsmittelpreise machen es Menschen in Konfliktgebieten kaum möglich, sich täglich eine Mahlzeit zu leisten. Ein Index der Uno zeigt, in welchen Ländern Essen ein Vielfaches des Einkommens kostet.

Getty Images

Flüchtlinge aus dem Südsudan in Uganda

Dienstag, 16.10.2018   17:10 Uhr

Nahrungsmittel in Konfliktgebieten oder politisch instabilen Ländern werden immer teurer. Das zeigt eine Studie des Welternährungsprogramms (WFP) der Uno. Die anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise bedeuten demnach in vielen Ländern, dass Millionen Menschen sich keine nahrhafte Mahlzeit leisten können.

Welchen Anteil ihres täglichen Einkommens Menschen weltweit für einen Teller Essen ausgeben müssen, zeigt der WFP-Index. Er geht von einem weltweit identischen Durchschnittseinkommen pro Kopf und Tag aus und berechnet, wie viel Prozent davon eine selbst gekochte Mahlzeit mit 600 Kilokalorien kostet. Von dem standardisierten Einkommen wird der Preis für eine Mahlzeit berechnet.

Dem WFP-Index zufolge würde ein New Yorker etwa 1,20 Dollar für eine einfache Suppe oder einen Eintopf ausgeben, der zum Beispiel aus Bohnen oder Linsen und einer Handvoll Reis besteht. Der US-Bürger müsste für die Mahlzeit damit rund 0,6 Prozent seines Tageslohns ausgeben.

Ein Bürger des Südsudans müsste hingegen mehr als zwei Tageseinkommen - in New York wären das 346 Dollar - für eine ähnliche Mahlzeit aufbringen. Einen Menschen in Nordost- Nigeria würde eine Mahlzeit rund 222 Dollar und im Jemen etwa 62 Dollar kosten.

So viel kostet eine Mahlzeit in Konfliktregionen

Preis einer Mahlzeit in verschiedenen Ländern, ausgehend von einem weltweit identischen Durchschnittseinkommen

Ort US-Dollar
USA, Bundesstaat New York (zum Vergleich) 1,20
Peru 3,44
Laos 3,70
Jordanien 3,89
Kolumbien 4,41
Guatemala 4,48
Bolivien 5,86
Ägypten 5,91
Iran 6,51
Bangladesch 6,56
El Salvador 6,86
Indonesien 7,27
Armenien 7,32
Indien 7,60
Kenia 8,16
Philippinen 8,21
Libyen 9,52
Palästina 9,80
Honduras 10,37
Äthiopien 11,74
Pakistan 11,90
Kambodscha 13,42
Nicaragua 13,68
Dschibuti 15,37
Nepal 15,75
Myanmar 17,31
Kamerun 18,01
Irak 18,82
Tansania 19,32
Tadschikistan 19,55
Republik Kongo 20,43
Senegal 21,30
Somalia 21,63
Kirgisien 22,55
Mali 24,68
Uganda 24,98
Sudan 25,72
Mauritanien 26,99
Afghanistan 28,04
Tschad 29,80
Guinea 29,94
Simbabwe 31,35
Syrien 39,52
Madagaskar 40,62
Gambia 44,44
Haiti 52,55
Mosambik 54,95
Zentralafrikanische Republik 60,28
Jemen 62,37
Malawi 76,19
Demokratische Republik Kongo 79,46
Nigeria 222,05
Südsudan 348,36

Quelle: WFP; Stand: 16.10.2018

Der Südsudan, Nordost-Nigeria und der Jemen sind von einer Hungersnot bedroht. In allen drei Fällen hängen die steigenden Nahrungsmittelpreise eng mit den Konflikten vor Ort zusammen.

Index zeigt auch positive Trends

Peru gehört zu den untersuchten Ländern, in denen eine Mahlzeit nicht so teuer ist: Dort müssen Menschen nur 1,6 Prozent des täglichen Pro-Kopf-Einkommens dafür ausgeben. Laos und Jordanien folgen dicht darauf.

Ziel des Index ist, Industrienationen zu vermitteln, welchen Anteil ihres Einkommens Menschen weltweit für einen einfachen Teller Essen ausgeben müssen.

Darüber hinaus zeigt der Index aber auch positive Trends: In vielen Ländern sind demnach Nahrungsmittel 2017 bezahlbarer geworden. Das beruhte entweder auf starkem Wirtschaftswachstum, mehr Stabilität oder besseren Wetterverhältnissen. Im südlichen Afrika hat humanitäre Hilfe dazu beigetragen, die Auswirkungen der schweren Dürre auszugleichen.

Dennoch bleiben die Nahrungsmittelpreise im Vergleich zum Einkommen laut der Uno oft extrem hoch. Das gelte vor allem für einen Großteil Afrikas sowie für Teile Asiens.

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