Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Mitten im Zollstreit

US-Handelsdefizit steigt auf Zehnjahreshoch

Schlechte Nachrichten für US-Präsident Donald Trump: Das Handelsbilanzdefizit der USA ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Das Land exportierte erneut weniger Sojabohnen nach China.

REUTERS

Hafen von Miami (Archiv)

Donnerstag, 06.12.2018   17:58 Uhr

Das Defizit in der US-Handelsbilanz ist mitten im Handelsstreit auf den höchsten Stand seit zehn Jahren geklettert. Mit dem Rest der Welt hätten die USA im Oktober ein Handelsdefizit von 55,5 Milliarden US-Dollar verzeichnet, teilte das amerikanische Handelsministerium in Washington mit. Das war der fünfte Anstieg infolge und das höchste Defizit seit Oktober 2008.

Bankanalysten hatten für Oktober ein etwas niedrigeres Defizit in Höhe von 55 Milliarden Dollar erwartet. Im September hatte das Defizit revidierten Zahlen des Ministeriums zufolge noch bei 54,6 Milliarden Dollar gelegen.

USA führen mehr Autos ein

Für US-Präsident Donald Trump sind die Zahlen schlechte Nachrichten. Eigentlich will er durch seine Handelspolitik und Strafzölle das Defizit im Außenhandel deutlich senken. Stattdessen liegt es nun aber gegenüber dem Zeitpunkt von Trumps Amtsantritt im Januar 2017 knapp neun Milliarden Dollar höher.

Grund für den Anstieg waren die Importe, die um 0,2 Prozent auf 266,5 Milliarden Dollar zulegten und damit ein Allzeithoch erreichten. Mehr Geld gaben die US-Verbraucher unter anderem für Medikamente und Reisen aus, wobei sie hier vom stärkeren Dollar profitierten.

Einen Anstieg verzeichnete das Handelsministerium im Oktober auch bei den Autoimporten - sie stiegen mit 31,8 Milliarden Dollar auf den höchsten Monatswert aller Zeiten. Die zahlreichen Auto-Importe in die USA ärgern Trump ebenfalls. Die Exporte fielen um 0,1 Prozent auf 211 Milliarden Dollar.

Defizit mit China auf Rekordhoch

Das politisch heikle Handelsdefizit mit China kletterte um gut sieben Prozent auf 43,1 Milliarden Dollar und erreichte einen Rekord. Zurück gingen hierbei erneut die Ausfuhren von Sojabohnen. Peking hatte als Reaktion auf US-Strafzölle hohe Aufschläge auf Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten verhängt.

Trump hat mehrfach erklärt, sein Land werde von wichtigen Handelspartnern wie der Volksrepublik ausgenutzt. Die USA haben deshalb Zölle gegen China, die EU und andere Wirtschaftsräume verhängt. Im Konflikt zwischen den Regierungen in Washington und Peking gab es zuletzt aber versöhnliche Töne.

Trump und sein chinesischer Kollege Xi Jinping hatten am Wochenende beim G20-Gipfel in Buenos Aires vereinbart, die ursprünglich für Anfang Januar angedrohte nächste Runde von Strafzöllen auszusetzen und sich binnen 90 Tagen um eine Lösung des Handelsstreits zu bemühen.

brt/dpa/Reuters/AFP

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP