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Wirtschaft

Lahmgelegte Schlichtung

EU will US-Blockade bei Welthandelsorganisation brechen

Die USA haben die Streitschlichtung bei der Welthandelsorganisation nahezu lahmgelegt. Die Europäische Union will das ändern, zusammen mit China, Indien, Kanada und Mexiko.

AFP

WTO-Hauptquartier in Genf

Montag, 26.11.2018   19:22 Uhr

Zur Rettung der Streitschlichtungsverfahren der Welthandelsorganisation (WTO) hat die EU gemeinsam mit anderen Staaten einen konkreten Reformvorschlag präsentiert. "Ich hoffe, dass dies dazu beitragen wird, die derzeitige Blockade zu überwinden", sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström am Montag. Die Streitschlichtung sei eine Kernfunktion der WTO, die seit Jahrzehnten für Stabilität im Welthandel sorge.

Verantwortlich für die Schwierigkeiten sind die USA. Sie blockieren wegen ihrer Unzufriedenheit mit den Streitschlichtungsverfahren bereits seit mehreren Jahren die Ernennung von neuen Mitgliedern des WTO-Berufungsgremiums. Es steht deswegen kurz davor, lahmgelegt zu werden.

Die jetzt von der EU und Ländern wie China, Indien, Mexiko und Kanada präsentierten Vorschläge sehen vor, die Streitschlichtung künftig schneller zum Abschluss zu bringen. Zudem soll unter anderem klarstellt werden, dass sich das Berufungsgremium nicht mit Fragen befassen kann, die sich auf die Bedeutung des heimischen Rechts der Streitparteien erstrecken. Der Vorschlag soll auf der Tagung des Allgemeinen Rates der WTO am 12. Dezember präsentiert werden.

Bei den WTO-Streitschlichtungsverfahren untersuchen unabhängige Handelsexperten, ob verhängte Maßnahmen wie neue Zölle mit WTO-Recht in Einklang stehen. Wenn Maßnahmen als illegal eingestuft werden, wird die Aufhebung empfohlen. Wenn die Maßnahmen nicht aufgehoben werden, können die Experten dem Land, das erfolgreich Nachteile geltend gemacht hat, Kompensation zusprechen.

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