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Wirtschaft

Tom Fords Abgang

Gucci verliert seine Seele

Das italienische Modehaus Gucci verliert seinen Chefdesigner Tom Ford. Der Amerikaner gilt als einer der kreativsten Köpfe der Luxus-Branche. Auch Vorstandschef Domenico De Sole, der Gucci gemeinsam mit Ford zu neuem Glanz verholfen hatte, nimmt seinen Hut.

Dienstag, 04.11.2003   11:21 Uhr

Paris - Zum Abschied versicherten sich die Kontrahenten, wie in der Bussi-Branche üblich, nochmals ihrer gegenseitigen Wertschätzung: In einer Mitteilung sagte De Sole, Gucci sei "eine der großen Lieben meines Lebens". Ford erklärte, er sei sehr traurig darüber, dass er Gucci verlasse werde. Der Vorstandschef des Mutterkonzerns Pinault Printemps Redoute (PPR), Serge Weinberg, lobte das große Talent der beiden: "Dieses talentierte Tandem hat aus Gucci eine weltweit anerkannte Luxusmarke gemacht."

Das Team, das in den neunziger Jahren die Kontrolle bei dem damals fast bankrotten italienischen Modehaus übernahm, wird seine im kommenden Jahr auslaufenden Arbeitverträge nicht verlängern. Das teilte PPR am Dienstag in Paris mit. Die Aktie des Unternehmens gab daraufhin deutlich nach.

Der Absage des Chefkreativen Tom Ford, der auch die PPR-Marke Yves Saint Laurent verantwortet, gingen dem Vernehmen nach zähe, mehrmonatige Verhandlungen mit dem französischen Konzern voraus. Laut vom "Wall Street Journal" zitierten Unternehmenskreisen konnten Ford und De Sole sich mit PPR nicht über ihr zukünftiges Gehalt einigen. De Sole erhielt im Geschäftsjahr 2002 die Summe von 2,31 Millionen Euro, Ford bekam 5,51 Millionen. Hinzu kommen umfangreiche Aktienoptionsprogramm.

Den beiden wichtigsten Köpfen bei Gucci war dies angesichts des unbestrittenen Erfolgs der Marke wohl zu wenig. Das Team hat die sieche Gucci-Gruppe zum drittgrößten Modehaus der Welt gemacht. Nach Informationen der Agentur AP wollte PPR Tom Ford zudem die kreative Kontrolle über YSL wegnehmen. Die 1999 von Gucci für eine Milliarde Dollar erworbene Marke schreibt immer noch rote Zahlen.

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